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Markus Gisdol (l.) übernahm am 2. April 2013 den Trainerposten bei 1899 Hoffenheim © getty

Hoffenheims Trainer denkt nach dem Remis in Wolfsburg in anderen Dimensionen. Hopp scherzt mit Beck, Hecking ist frustriert.

Wolfsburg - Den Zettel mit der aktuellen Tabelle vor seiner Nase würdigte Markus Gisdol keines Blickes.

"Ich schaue nicht auf die Tabelle, die können sie mir nach dem letzten Spieltag vorlegen, vorher nicht", sagte der neue Trainer von 1899 Hoffenheim nach dem 2:2 (1:1) beim VfL Wolfsburg (Bericht).

Gisdols beharrliche Weigerung, Momentaufnahmen Beachtung zu schenken, hat einen großen Vorteil: Er musste die schwierige Frage nicht beantworten, ob sein Team in Wolfsburg einen Punkt gewonnen oder zwei Zähler verloren hatte.

Der Fußballlehrer denkt in anderen Dimensionen, auch wenn 1899 nach dem 29. Spieltag angesichts von Augsburgs 2:0-Sieg über Frankfurt weiterhin auf Platz 17 steht (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Gisdol zufrieden

"Wir wollen wieder guten Fußball spielen, daran arbeiten wir jeden Tag. Alles andere blenden wir aus", sagte der 43-Jährige und behauptete: "Der Abstiegskampf ist nicht das Hauptthema, mit dem ich mich jeden Tag beschäftige. Ich messe die Mannschaft auch nie an der Tabellenkonstellation, sondern daran, ob sie unsere Vorgaben umsetzt."

Eine Woche nach seinem Traum-Einstand gegen Fortuna Düsseldorf (3:0) war Gisdol in diesem Punkt auch im zweiten Spiel unter seiner Regie zufrieden. (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag)

Vor dem Anpfiff hatte er gefordert, seine Spieler sollten den Gegner "wie einen Bienenschwarm jagen".

"Der Trainer will, dass wir schnell nach vorne spielen und nachsetzen. Wir sind auf dem richtigen Weg", sagte Kapitän Andreas Beck.

Hopp scherzt mit Beck

Der Rechtsverteidiger wurde in den Katakomben der Wolfsburger Arena von Klub-Mäzen Dietmar Hopp herzlich in die Arme genommen. "Da ist er ja, der Linksfuß", scherzte Hopp.

Wäre Becks sehenswertes Tor zum 2:1 (63.) mit dem schwächeren linken Fuß der Siegtreffer gewesen, wäre die Laune des Milliardärs sicher noch besser gewesen.

Wegen des späten Ausgleichs durch den Brasilianer Naldo (86.) wollte Hopp aber genau wie Gisdol keine Prognosen im Abstiegskampf abgeben: "Sie haben sich das Unentschieden verdient."

Wiese erneut nicht dabei

Der 72-Jährige wird Hoffenheim auch bei einem Abstieg die Treue halten.

Es sei "geradezu absurd zu denken, ich könnte aussteigen", hatte Hopp kürzlich gesagt und begründet: "Meine Investitionen in die TSG 1899 Hoffenheim und meine Leidenschaft für diesen Verein sowie seine Menschen zielt nicht alleine auf den Profifußball. Es ist eine Herzensangelegenheit."

Für Ex-Nationaltorwart Tim Wiese gibt es in Hoffenheim dagegen keine Zukunft. Gisdol beförderte den Belgier Koen Casteels nach dem Handbruch von Stammtorhüter Heurelho Gomes zur neuen Nummer eins, für Wiese gab es nicht einmal einen Platz auf der Bank.

Hecking ist frustriert

Mit Problemen ganz anderer Art hat Wolfsburgs Trainer Dieter Hecking zu kämpfen. Die fehlende Konstanz im Spiel der Niedersachsen bringt den 48-Jährigen an den Rand der Verzweiflung.

"Wenn man auf der Stelle tritt, dann ist das natürlich unbefriedigend", sagte Hecking, den auch das schöne 1:0 durch den ersten Bundesligatreffer des 18-Jährigen Maximilian Arnold (13.) nicht trösten konnte.

Drei Tage vor dem Halbfinale im DFB-Pokal bei Rekordmeister Bayern München zeigten die Wolfsburger nichts, was auf eine Sensation hindeutet.

"Bayern ist derzeit die absolute Übermannschaft in Europa", sagte Hecking: "Aber auch wenn die Außenseiterrolle noch so groß ist: Wir nehmen sie an!"

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