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MATTHIAS GINTER (ab 90.): Kommt für seinen verletzten Dortmunder Teamkollegen noch zu einem Kurzeinsatz. Ohne Bewertung
Heung-Min Son (r.) erzielte in Mainz seine Saisontore zehn und elf © getty

Doppeltorschütze Son lässt den HSV in Mainz aufatmen. Trainer Fink hofft auf einen Verbleib des aus England umworbenen Koreaners.

Mainz - Heung-Min Son wollte keine Blasen an seinem rechten Zauberfuß riskieren.

"Ich muss erst mal raus aus den Fußballschuhen", rief Hamburgs Matchwinner den wartenden Journalisten zu, um kurz darauf völlig entspannt und vor allem in Badelatschen zu erklären, wie er den krisengeschüttelten Bundesliga-Dino fast im Alleingang zum 2:1 (0:0) beim FSV Mainz 05 (Bericht) geschossen hatte.

"Für mich ist das ein Traum, die zwei Tore sind natürlich etwas Besonderes. Sie waren für mich und die Mannschaft wichtig - gerade nach den Niederlagen und der schweren Zeit zuletzt", kommentierte der 20 Jahre alte Südkoreaner seine Saisontreffer Nummer zehn und elf (62./81.).

Mit diesen Toren stoppte Son die Talfahrt des HSV nach drei Pleiten in Folge und gab sogar den Hoffnungen auf die Teilnahme an der Europa League neue Nahrung (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Fink hofft auf Son-Verbleib

Auch Trainer Thorsten Fink wusste, was er Son zu verdanken hatte (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag).

"Soni hat super gearbeitet. Das erste Tor war für ihn und für uns ein Brustlöser", sagte der Coach, der den bis Juni 2014 laufenden Vertrag mit dem umworbenen Offensivspieler am liebsten sofort verlängern möchte:

"Wir sollten sehen, dass wir das bald tun. Er will das auch - und er weiß, dass ich auf ihn baue."

HSV-Boss kündigt Sparkurs an

Ob die HSV-Chefetage das ähnlich sieht - oder besser sehen kann - ist allerdings fraglich.

Schließlich hat Vorstandsboss Carl Jarchow, der von einem Minus in zweistelliger Millionenhöhe für das laufende Geschäftsjahr ausgeht, einen rigorosen Sparkurs angekündigt.

Ein Millionen-Transfer Sons in die englische Premier League, wo Tottenham Hotspur angeblich großes Interesse an dem Asiaten hat, käme in dieser Situation gerade recht.

Vor allem, weil Jarchow Torwart Rene Adler und Kapitän Rafael van der Vaart für unverkäuflich erklärte.

Van der Vaart warnt vor Euphorie

Auch der niederländische Mittelfeldstar, den Fink unter der Woche zum Chef auf dem Platz befördert hatte, steigerte mit seiner Aussage den Marktwert Sons.

"Er hat zwei tolle Tore gemacht. Gerade das erste Tor hat sein Talent gezeigt", äußerte van der Vaart, der den abgesetzten Heiko Westermann als Mannschaftskapitän beerbt hatte.

Diese Maßnahme wollte der Vize-Weltmeister von 2010 aber nicht überbewerten.

"Änderungen können gut sein, wenn es nicht so läuft. Aber so wichtig war die Änderung nun auch wieder nicht", sagte van der Vaart: "Das war ein Schritt nach vorne. Aber wir sollten nicht so viel feiern, ruhig bleiben und nicht gleich wieder über Europa reden."

Sonderlob für Westermann

Ähnlich beurteilte Fink die Situation.

"Wir dürfen nicht überschwänglich werden, aber darauf kann man aufbauen. Man hat gesehen, dass die Mannschaft lebt. Wenn sie tot wäre, hätte sie nicht so eine Reaktion gezeigt", äußerte der frühere Profi, der Westermann ein Sonderlob ausstellte:

"Heiko war der Turm in der Schlacht. Man weiß nie, ob man so einen Wechsel zum richtigen Zeitpunkt macht. Aber offenbar haben wir alles richtig gemacht. Ich hatte das Gefühl, das Rafa in der Lage besser mit dem Druck umgehen kann."

Hintertürchen nach Europa winkt

Was die Lage für den HSV in der Liga angeht, müssen die Hanseaten dem SC Freiburg und Bayern München unter der Woche die Daumen drücken.

Sollten beide ins DFB-Pokalfinale einziehen und Freiburg unter den ersten Sechs in der Tabelle bleiben, würde auch der siebte Platz für die Europa League reichen.

"Es wäre schön, wenn es so wäre", sagte Fink.

FSV-Coach Tuchel enttäuscht

Für den FSV, dem vor 34.000 Zuschauern in der ausverkauften Arena nur der Anschlusstreffer durch Shawn Parker gelang (86.), scheint in der derzeitigen Form auch der siebte Platz unerreichbar.

"Wir haben in allen Kategorien ein enttäuschendes Spiel gezeigt. Das war ein krasser Ausreißer nach unten", sagte Trainer Thomas Tuchel, dessen Schützlinge nur eine der zurückliegenden zehn Partien gewinnen konnten.

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