SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold gibt dem Ex-Werder-Manager eine Mitschuld an der Bremer Misere. Düsseldorf bereitet ihm Sorgen.

Hallo Fußball-Freunde,

Werder kann von Glück sprechen, dass sie noch fünf Punkte Vorsprung auf Platz 16 haben, aber das ist keine Garantie.

Die Mannschaft ist nicht gefestigt, es fallen immer wieder viele einfache Gegentore. Die Gründe der Dauerkrise sind klar: Die Bremer haben in den vergangenen Jahren kein gutes Händchen auf dem Transfermarkt gehabt und in diesem Jahr folgte ein großer Aderlass.

Unter anderem gingen Naldo, Claudio Pizarro und Tim Wiese. Kevin de Bruyne kam, ansonsten war aber viel Durchschnitt dabei. Die Abwehr hat 56 Gegentreffer bekommen, das ist Höchstwert in der Liga.

Wenn ich sehe, welche individuellen Fehler Innenverteidiger Assani Lukimya in den vergangenen Wochen begangen hat, frage ich mich, was Trainer Thomas Schaaf da machen soll.

Lukimya schießt sich ja fast die Dinger selbst rein, er ist nicht erstligatauglich, das muss man so hart sagen.

Hinzu kommt, dass es für Keeper Sebastian Mielitz die erste Saison als Nummer 1 ist. Doch wenn vor ihm das ganze Konstrukt wackelt, ist seine Aufgabe natürlich sehr undankbar.

Auch Trainer Schaaf trägt nicht die alleinige Schuld. Bei der aktuellen Diskussion kommt mir der Name Klaus Allofs zu gut weg. Der frühere Werder-Manager war für die ganze Kaderplanung verantwortlich, ging dann nach Wolfsburg.

Allofs hat kein bestelltes Feld überlassen, im Gegenteil. Werder hat in der Saison 2011/2012 mit 13,9 Millionen Euro einen großen wirtschaftlichen Verlust gemacht.

Noch eine Bemerkung zum Transfermarkt: Eljero Elia wurde für mehr als fünf Millionen Euro geholt, ein Fehleinkauf. Im Winter soll ja angeblich Dynamo Kiew an Arnautovic interessiert gewesen sein. Nun, ich hätte den Österreicher mit der Schubkarre dorthin gefahren!

Auch Werders Gegner vom Wochenende steckt im Abstiegskampf: Nach der richtig guten Hinrunde wird es eng für Fortuna Düsseldorf. Die Rheinländer haben noch drei Auswärtsspiele, spielen zu Hause gegen Dortmund und Nürnberg. Das wird mit Sicherheit alles andere als leicht.

Beim Tabellen-16. Augsburg ist dagegen Biss in der Mannschaft. Das war auch gegen Frankfurt zu sehen, wenn sie so weiterspielen, dann traue ich ihnen zu, den Relegationsplatz zu verlassen.

Über die Diskussion, ob sich Bayern-Trainer Jupp Heynckes mit Pep Guardiola vor dem Match gegen Barcelona in Verbindung setzen soll, lache ich mich kaputt. Ich finde es respektlos gegenüber Heynckes, überhaupt darüber zu spekulieren.

Sein Team spielt eine überragende Saison, steht im Halbfinale der Champions League, da wird er schon wissen, wie er die Mannschaft vorbereiten muss.

Die Stars, die bei Barcelona schon so oft gezaubert haben, sind ja bekannt. Ich weiß gar nicht, über welche Geheimnisse man da diskutieren sollte.

Bis nächste WocheEuer Thomas Berthold

Thomas Berthold nahm als Spieler an drei Weltmeisterschaften teil und krönte seine Karriere mit dem WM-Titel 1990 in Italien. In der Bundesliga war er für Eintracht Frankfurt, den FC Bayern München und den VfB Stuttgart aktiv. Zudem lief er in der Serie A für Hellas Verona und AS Rom auf. Der ehemalige Manager von Fortuna Düsseldorf ist regelmäßig als LIGA total!-Experte im Einsatz und schreibt wöchentlich die Bundesliga-Kolumne für SPORT1.

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