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Pierre Emile Hojbjerg besitzt die dänische und die französische Staatsbürgerschaft © imago

Nach mehreren Jahren Flaute debütieren wieder zwei Münchener Eigengewächse. Rummenigge ist sicher, dass noch mehr kommt.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Jupp Heynckes' Urteil fiel knapp aus, ein großes Kompliment war es dennoch.

"Beide werden Karriere machen", sagte Bayerns Trainer, nachdem er Pierre-Emile Hojbjerg und Emre Can beim 4:0-Sieg über Nürnberg (Bericht) zu ihrer Bundesliga-Premiere verholfen hatte (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Hojbjerg kam sein Debüt so vor, als ob er gerade per Zeitmaschine zu den Römern gereist wäre: "Ich zwicke mich immer noch." Auch Can, im Herbst noch von einem Bänderriss zugerückgeworfen, schritt beflügelt vom Feld (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag).

Karl-Heinz Rummenigge freute sich mit den Jungspunden und stellte Heynckes' Personalentscheidung in einen größeren Zusammenhang.

"Wir haben ja vorher zwei Jahre lang nichts nach oben bekommen", sagte Bayern-Vorstandsboss: "Ich denke, da kommt jetzt was nach."

Neuers Tipps: gleich vergessen

Can hatte sein Profi-Debüt bereits im DFB-Pokal erlebt, durfte nun im defensiven Mittelfeld von Beginn an ran. Für Hojbjerg kam der große Moment dagegen in der 71. Minute.

Vorher hatte Nationalkeeper Manuel Neuer ihm noch Tipps gegeben. Was er gesagt hatte, wusste der Frischling später nicht mehr.

Vergessen. Und leicht zu entschuldigen, denn Hojbjerg ist der jüngste Bayern-Debütant aller Zeiten. Mit 17 Jahren und 251 Tagen startete er und war damit jünger als David Alaba, der mit 17 Jahren und 255 Tagen bisher die Bestmarke hielt.

"Habe mir bisschen in Hose gesch..."

"Ich habe mir bisschen in die Hose geschissen", meinte das FCB-Nesthäkchen erfrischend ehrlich. Dabei blitzte bereits in einigen Situationen das Talent von Hojbjerg auf, der als großes Vorbild Zinedine Zidane nennt.

In der Münchner Arena verfolgten sein Vater, sein Onkel und Berater Sören Lerby die ersten Gehversuche im Profi-Geschäft. "Das hat mir Sicherheit gegeben", berichtete Hojbjerg: "Die Mannschaft ist auch da für mich, ich fühle mich sehr wohl in München."

Er hat sowohl die französische als auch die dänische Staatsbürgerschaft, sein Vater ist Professor für Anthropologie und hat seinem Sohnemann früh beigebracht, neben dem Fußball auch auf die Schule zu schauen. "Wacher" sei man dann, findet Hojbjerg.

Überraschungsmomente im Trainingslager

Seit Januar 2012 lebt er in München - übrigens in der Familie von FCB-Nachwuchskoordinator Michael Tarnat - und hat in der kurzen Zeit erstaunlich gut Deutsch gelernt.

Von seinen fußballerischen Qualitäten haben sich die Münchner Profi in den Trainingslagern am Gardasee und in Doha überzeugt.

Im Wüstenstaat wirbelte er ebenso kreativ wie frech mit, so dass Thomas Müller kommentierte: "Er ist gut unterwegs, ich hatte mit 17 nicht so viel drauf." Dabei ist es noch nicht allzu lange her, dass Hojbjerg für die B-Jugend von Bröndy Kopenhagen auflief.

Unter zig Bewerbern entschied sich der junge Mann dann für den FC Bayern.

Hoffen auf Weiser und Weihrauch

Die Münchner hoffen, dass sich auch dank ihm ihre Nachwuchsarbeit wieder vergoldet.

Nach Holger Badstuber, Thomas Müller und David Alaba - sie alle debütierten unter Louis van Gaal - hatte es lange keine neuen Nachwuchskräfte im Profi-Dress gegeben.

Rummenigge erkennt neue Zeiten - nicht nur wegen Hojbjerg. "Wir können uns auf ihn freuen. Wir haben Emre Can, wir haben Pierre, wir haben noch den ein oder anderen in der Zweiten Mannschaft", ließ der Bayern-Boss wissen.

Aktuell ist zudem der vielversprechende Mitchell Weiser nach Kaiserslautern ausgeliehen. Der künftige Trainer Pep Guardiola soll sich zudem bereits nach Nachwuchstürmer Patrick Weihrauch (19) erkundigt haben.

Barca unerreichbar

Vom Champions-League-Gegner FC Barcelona und der berühmten Jugendakademie "La Masia" sind die Bayern aber so weit entfernt wie München von der Mittelmeerküste.

Im aktuellen Barca-Kader befinden sich laut "Daily Mail" 14 Spieler, die im eigenen Klub ausgebildet wurden.

Das ist nach Athletic Bilbao der Top-Wert in Europa, die Münchner tauchen mit weniger als neun "homegrown talents" in der Aufzählung gar nicht auf.

Berthold lobt Sammer

Allerdings könnte sich das langfristig ändert.

"Man hat mit Matthias Sammer einen neuen Weg eingeleitet, er hat zu deutschen Spielern aufgrund seiner DFB-Vergangenheit unheimlich viele Informationen", weiß SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold.

Allerdings müssen die Münchner in nächster Zeit noch ein großes Hindernis aus dem Weg räumen, um Begabungen auf dem Weg ins Profi-Team zu helfen.

Bremsklotz Regionalliga

Aktuell spielt Bayerns U23 in der viertklassigen Regionalliga und belegt Rang fünf - ein ziemlicher Bremsklotz bei der Talent-Veredlung an der Isar: "Die Zielsetzung muss sein, schnell wieder aufzusteigen, um diesen Nachteil im Werben um Talente zu korrigieren", sagt Berthold.

Für Hojbjerg scheint derweil die Regionalliga Bayern kein Nachteil darzustellen.

Rund 22 Stunden nach seinem Bundesliga-Debüt stand er beim 2:1 (1:0) der "kleinen Bayern" gegen den Tabellen-Zweiten FV Illertissen in der Startelf - und traf dabei kühl vom Elfmeterpunkt.

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