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Dong-Won Ji (l., mit Markus Weinzierl) ist von Sunderland an Augsburg verliehen © getty

Das rettende Ufer rückt für die Augsburger immer näher. Der Blick auf die Tabelle ist jedoch tabu. Veh ringt nach Worten.

München/Augsburg - Matchwinner Dong-Won Ji hatte bereits auf englisch von seinen beiden siegbringenden Toren geschwärmt, doch ein Mann vom Radio wollte sich damit nicht zufrieden geben.

Ob er, Ji, nicht doch einen Satz auf deutsch sagen könnte, etwas wie: Ich freue mich sehr. Ji sah seinen Mitspieler und Übersetzer Ja-Cheol Koo fragend an, ehe er die fremden Worte eins nach dem anderen herauspresste.

Ji freute sich sehr. Über seine beiden "unglaublichen" Treffer beim 2:0 (1:0) gegen Eintracht Frankfurt und den wichtigen Sieg seines FC Augsburg im Kampf um den Klassenerhalt. (702249DIASHOW: Der 29. Spieltag)

"Nicht mehr von Europa sprechen"

Wenige Meter hinter dem Südkoreaner Ji stand Armin Veh, der Eintracht-Coach. Auch Veh rang nach Worten.

Doch es war alles andere als Freude, der er Ausdruck zu verleihen versuchte. Er ärgerte sich über die Leistung seiner Elf, die Manager Bruno Hübner als "Schülermannschaft" verspottete. "Nach diesem Spiel müssen wir nicht mehr von Europa sprechen", sagte Veh.

Frankfurt ist immer noch Sechster, also auf einem Europa-League-Platz. "Aber mit so einer Leistung haben wir da überhaupt keine Chance." Dass Veh so haderte, lag an seinem Team - vor allem aber an Ji und dem FCA.

Sieg trotz schwacher Chancenverwertung

Augsburg hatte Frankfurt phasenweise überrannt. Wer die Tabelle nicht kannte, hätte guten Grund zur Annahme gehabt, dass nicht Vehs Elf um Europa mitspielt, sondern die von Markus Weinzierl. Augsburg sei "die gierigere Mannschaft" gewesen, sagte Verteidiger Jan-Ingwer Callsen-Bracker.

Dessen Elfmeter-Fehlschuss (32.) steckte Weinzierls Elf ebenso weg wie die zahlreichen vergebenen Torchancen und die Fehlentscheidung von Schiedsrichter Guido Winkmann. Der versagte einem weiteren Treffer von Ji die Anerkennung (45.).

"High legs", hohes Bein, habe ihm Winkmann gesagt, meinte Ji, der vorher und nachher traf (27., 55.). Aber das war ihm jetzt auch egal.

Blick auf die Tabelle macht Hoffnung

Viel wichtiger für Ji und den FCA: Der Rückstand auf Platz 15 und den direkten Klassenerhalt ist auf drei Punkte geschrumpft, schon am Freitag kann Augsburg bei einem Sieg in Gladbach mit Düsseldorf gleichziehen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Während die Augsburger, das fünftbeste Team der Rückrunde, Woche für Woche mit unbändiger Leidenschaft und sogar spielerisch überzeugen, zeigt der Trend beim 15. Fortuna Düsseldorf ebenso nach unten wie beim 14. Werder Bremen.

In der Rückrunde punktete nur Schlusslicht SpVgg Greuther Fürth seltener als dieses Duo. Allerdings: Auch 1899 Hoffenheim hat sich gefunden - und lauert drei Punkte hinter Augsburg auf Rang 17.

"Die Mannschaft zerreißt sich"

"Wir schauen gar nicht auf die Tabelle", sagte Weinzierl deshalb, "wir schauen nur auf uns." Was er da sieht, überzeugt nicht nur ihn. "Grandios, mit sehr viel Leidenschaft, sehr viel Mut", habe Augsburg gespielt, dem Gegner schon im Mittelfeld "die Bälle geklaut", lobte Manager Stefan Reuter seine Ball-Diebe.

Weinzierl, von den Fans mit Sprechchören gefeiert, fügte an: "Die Mannschaft zerreißt sich für unser Ziel, so müssen wir weitermachen, dann ..." Er unterbrach sich selbst, doch jeder Zuhörer hätte diesen Satz vollenden können. "Dann reicht es für den Klassenerhalt."

Ji am Saisonende wohl wieder weg

Dabei mithelfen könnte auf der Zielgeraden auch Koo, der seine Bauchmuskelverletzung weitgehend überwunden hat. Und auch von Ji erwarten sie noch viel. "Er ist ein super Junge, der immer alles gibt, torgefährlich, laufstark", sagte Weinzierl über die Leihgabe vom AFC Sunderland.

"Er darf so weitermachen." Allzu lange werden sie sich aber nicht mehr an Ji erfreuen können: Die festgeschriebene Ablösesumme von 3 Millionen Euro ist für Augsburg kaum zu stemmen.

Veh ist ratlos

In Frankfurt hantieren Hübner und Veh mit etwas höheren Summen. Umso verständnisloser reagierten sie auf das 0:2. "Nach diesem Spiel muss ich sagen: Buff, wir müssen ein bisschen aufpassen", sagte Veh.

Ob er jetzt die Zügel anziehen muss? "Das ist ein Krampf", sagte er, den Charakter könne er seinen "Jungs" nicht absprechen.

Veh wirkte ratlos. "Ich sehe nicht, was ich ändern kann, damit es besser wird."

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