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Uli Hoeneß wurde 2009 vom Manager zum Präsidenten des FC Bayern gewählt © imago

Bayerns Präsident fürchtet in der Bundesliga spanische Verhältnisse und will dagegen vorgehen. 96-Boss Kind widerspricht ihm.

Von Jan Reinold und Tom Vaagt

München/Hannover - Es klingt unglaublich, scheint aber dennoch wahr zu sein: Uli Hoeneß will der Konkurrenz etwas Gutes tun - und die winkt ab.

"Ich finde die Gedanken von Herrn Hoeneß löblich, aber ich denke nicht, dass die anderen Klubs momentan eine Chance haben, die entstandene Lücke zu schließen", sagte Hannovers Präsident Martin Kind zu SPORT1.

Zuvor hatte Hoeneß, der im deutschen Fußball spanische Verhältnisse befürchtet, im "kicker" angekündigt, mit Rivale Borussia Dortmund über die Gründe für das seiner Meinung zu starke Leistungsgefälle in der Bundesliga zu sprechen.

"Wir sehen Handlungsbedarf"

"Wir sehen Handlungsbedarf", erklärte Hoeneß: "Es kann auf Dauer nicht sein, dass solche Ergebnisse zustande kommen."

Die Rekord-Bayern, frühester Meister der Liga-Geschichte, hatten vor kurzem den Hamburger SV mit 9:2 auseinandergenommen und erzielten in dieser Saison bereits 83 Treffer.

Der BVB gewann zuletzt bei Schlusslicht Greuther Fürth 6:1 und bringt es auf 72 Tore. Sportlich kann dem Spitzenduo niemand folgen, wobei der BVB selbst 20 Punkte hinter den Bayern liegt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Bayern und BVB als Marketingmaschinen

Auch in finanzieller und wirtschaftlicher Hinsicht zeichnet sich eine ähnliche Entwicklung wie in Spanien ab, wo Real Madrid und der FC Barcelona das Geschehen seit Jahren dominieren.

Die Bayern, das ist seit Jahren bekannt, sind wie neuerdings auch der BVB eine Marketingmaschine. Die beiden Großen grasen den Markt ab. Die Gefahr besteht, dass der Rest dahinter auf der Strecke bleibt.

Die Frage ist nun, ob es sich beim aktuellen Saisonverlauf um einen einmaligen Ausreißer handelt oder um die Vorboten einer sich abzeichnenden, langfristigen Entwicklung. Laut Hoeneß ist die Antwort klar.

[kaltura id="0_2wn7mdo4" class="full_size" title="Hoene warnt die Liga"]

"Es gibt ein großes Leistungsgefälle, das kann uns nicht recht sein", meinte der Bayern-Präsident: "Wir müssen analysieren, warum das so ist."

"Produkt Bundesliga schadet es nicht"

Kind sagte im Gespräch mit SPORT1, dass sich Bayern und Dortmund ihre Stellung hart erarbeitet hätten. "Dem Produkt Bundesliga schadet das nicht", findet der 96-Präsident: "Man muss ja auch die internationalen Wettbewerbe und besonders die Entwicklung in der Champions League sehen. Daher nützt die Situation am Ende allen.?

Ins gleiche Horn bläst auch Reinhard Rauball, Liga-Boss und BVB-Vorsitzender. "Natürlich gibt es derzeit ein erhebliches Gefälle mit Blick auf die Tabelle", sagte er der "dpa": "Dennoch sollte man das nicht dramatisieren."

Noch vor einigen Jahren hieß es immer, der FC Bayern sei der nationalen Konkurrenz um Lichtjahre voraus und nicht einzuholen. Die Tatsache, dass nun der BVB im selben Atemzug genannt wird, könnte man als Fortschritt betrachten. Oder auch nicht.

Zentrale Vermarktung wirkt nicht

Dabei wurden in Deutschland in der Vergangenheit immer wieder die Vorteile der zentralen TV-Vermarktung gepriesen. Dieses Steuerungselement, das die TV-Gelder entsprechend der sportlichen Erfolge aufschlüsselt, galt als Ausdruck der Solidarität und sollte einen ausgeglichenen Wettbewerb garantieren. Das aber scheint nun nicht mehr zu funktionieren.

In den letzten vier Jahren hieß der Meister entweder Dortmund oder Bayern. Die "Ausreißer" Wolfsburg (2009), Stuttgart (2007) und Bremen (2004) liegen schon wieder einige Jahre zurück.

"Dritte Welt"-Verhältnisse

Wie die spanischen Verhältnisse - Sevillas Präsident Jose Maria del Nido beschrieb die Zustände in der Primera Division einmal als Verhältnisse wie in der "Dritten Welt" - verhindert werden sollen, erklärte Hoeneß übrigens (noch) nicht.

Entweder die Klubs hinter Bayern und Dortmund generieren irgendwie mehr Geld. Oder die beiden Top-Klubs geben mehr von ihrem Kuchen ab. Letzteres erscheint allerdings fraglich.

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