Der BVB-Boss will mit Hoeneß über das Leistungsgefälle in der Liga sprechen, warnt bei SPORT1 aber vor zu großen Erwartungen.

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Von Jan Reinold und Henning Maid

Dortmund - Borussia Dortmunds Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke hat in der Diskussion um die vermeintlich drohenden "spanischen Verhältnisse" in der Bundesliga zu mehr Gelassenheit aufgerufen und die anderen deutschen Klubs in die Pflicht genommen.

"Wenn du dauerhaft Top-Mannschaften haben willst, werden die auch die Liga dominieren. Das ist in Spanien so, das ist auch in England so", sagte Watzke im Interview mit SPORT1.

Momentan sehe die Entwicklung hierzulande zwar "ein bisschen so aus". Doch Watzke betonte: "Ich glaube, dass es bei uns noch längst nicht so weit ist. Dafür müssen wir als Borussia Dortmund diese Konstanz erst einmal über Jahre nachweisen.?

Grundsätzlich könne man nicht die Fehler anderer Klubs ausbügeln. "Wir können uns nicht so weit in die Angelegenheiten anderer Klubs einmischen. Die sind für ihre positiven und negativen Entscheidungen selbst verantwortlich", meinte der 53-Jährige.

"Sollten intern diskutieren"

Watzke sagte, er werde "sehr gerne" mit Uli Hoeneß sprechen. Der Bayern-Präsident hatte die Diskussion über das große Leistungsgefälle in der Bundesliga angestoßen (Bericht).

Allerdings hält Watzke nicht viel davon, das Thema weiter in der Öffentlichkeit zu behandeln. "Ich bin weit davon entfernt, den Klugscheißer der Liga zu spielen. Deshalb sollten wir das intern diskutieren", sagte der BVB-Boss.

Zudem äußerte sich der 53-Jährige über die Chancen des BVB im Halbfinale der Champions League gegen den spanischen Rekordmeister Real Madrid: "Real Madrid ist momentan bärenstark. Sie haben einen außergewöhnlich guten Lauf - wir auch, keine Frage. Wir haben eine ganz gute Chance, aber Favorit ist Real Madrid." (DATENCENTER: Champions League)

"Keine totale Sicherheit"

Die tragischen Ereignisse beim Boston-Marathon (Bericht), wo durch schwere Explosionen mindestens drei Menschen ums Leben kamen, bezeichnete Watzke als "Katastrophe".

Er hoffe, dass die Anschläge in der US-Metropole ein Einzelfall blieben, man müsse die Geschehnisse sorgfältig analysieren. Grundsätzlich sei so etwas aber, wie bei jedem Massenereignis, auch im Fußball möglich.

"Wir leben im Fußball nicht auf einer Insel der Glückseligkeit, sondern wir sind Teil der Gesellschaft", sagte Watzke: "Eine totale und komplette Sicherheit wirst du nirgendwo finden. Man muss versuchen, eine größtmögliche Sicherheit herzustellen. Darum bemühen wir uns."

Kein freier Ticketverkauf mehr

Verärgert zeigte sich der BVB derweil über die Vorkommnisse beim Ticket-Verkauf für das Hinspiel gegen Real.

Beim Schlangestehen war es unter den Fans zu Streitereien und Schlägereien gekommen, die Polizei musste eingreifen und berichtete von tumultartigen Zuständen.

"Wir haben das insgesamt etwas unterschätzt", sagte Watzke und kündigte an: "Wir werden das nicht mehr machen, es wird in ähnlichen Situationen keinen freien Verkauf mehr geben."

"Macht mich rasend"

Welche Maßnahmen der BVB ergreifen wolle, ließ er allerdings offen. Verwantwortlich für die Tumulte seien vor allem diejenigen, die die Karten zwecks Weiterverkauf erworben hätten.

"Der überwiegende Teil der Menschen, die sich um Karten anstellen, sind die Treusten der Treuen. Vor denen ziehen wir den Hut bis unten hin", sagte Watzke: "Es gibt aber auch eine ganze Menge, die nur darauf aus sind, Karten zu kriegen, die sie am Schwarzmarkt platzieren können. Es gibt durchaus Leute, die kennen keine drei Spieler von Borussia Dortmund."

Eine ganze Reihe echter BVB-Fans sei leer ausgegangen und sitze nun traurig zu Hause. "Und irgendwelche Leute bieten sie (die Karten, d. Red.) bei Ebay an. Das macht mich rasend", erklärte Watzke.

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