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Das Phantomtor: Thomas Helmer stochert deutlich sichtbar an Ball und Pfosten vorbei © imago

Thomas Helmer rüttelt an den Grundfesten der FIFA, Bosman erreicht die Bundesliga und Calmund schickt Agenten in den Osten.

Von Rainer Kalb

Es war das Tor der Bundesliga-Geschichte. Es war ein Tor, das es nie gegeben hatte. Es war der 23. April 1994.

Thomas Helmer schoss beim 2:1 gegen den 1. FC Nürnberg ein Tor, das keines war, weil der Ball am Pfosten vorbeitrudelte. Der DFB setzte das Spiel für zehn Tage später neu an, was zu mächtigem Ärger mit dem FC Bayern und der FIFA führte.

Mit Bayern, weil vor dem Wiederholungsspiel am 27. April ein Länderspiel in Abu Dhabi gegen die Vereinigten Arabischen Emirate stattfand (2:0 für Deutschland) und Berti Vogts selbstverständlich Bayern-Spieler wie Helmer und Matthäus nominiert hatte.

Mit der FIFA, weil die es nicht zulassen wollte, dass eine "Tatsachenentscheidung" korrigiert wurde.(DATENCENTER: Die Bundesliga)

Möllers legendäre Schwalbe

Doch grotesker als bei Schiedsrichter Osmers und seinem Linienrichter ging es nicht mehr. Da ging es nicht um Foul, nicht um Abseits, nicht um "hinter der Linie" - da ging es um daneben.

Und dass der heutige TV-Journalist sich seinerzeit wegen mangelnder Ehrlichkeit "daneben" benommen hat, dürfte inzwischen auch unumstritten sein.

Überhaupt, die Schiedsrichter: 1995 gab es die Schwalbe von Andreas Möller (Borussia Dortmund) gegen den Karlsruher SC. Der hob meterweit von Gegenspieler Dirk Schuster ab.

Auch da griff der DFB ein: Zwei Spiele Sperre und 10.000 Mark Geldstrafe, die Möller nicht unbedingt weh getan haben dürften.

Bosman erfasst die Bundesliga

Am 15. Dezember 1995 wurde die Fußball-Welt revolutioniert. So massiv wie noch nie mischte sich die Politik in den Sport ein. Die EU in Brüssel beschloss, dass erstens kein Sklavengeld für einen auslaufenden Arbeitsvertrag mehr erhoben werden durfte, was seitdem den Beratern Geld ohne Ende in die Taschen spült. Sie präferieren Wanderarbeiter statt Vereinstreue.

Und zweitens wurde die Begrenzung auf zwei oder drei "Ausländer" pro Mannschaft aus Gründen der "Gleichberechtigung" in der EU aufgehoben.

Cottbus war die erste Mannschaft, die mit elf "Ausländern" antrat. Und die Gehälter für die Besten siegen ins Unermessliche.

Erst der oft kritisierte Gerhard Mayer-Vorfelder sorgte dafür, dass Ausbildungszentren für deutsche Vereine Pflicht wurden. Das trägt, wie die Bundesliga und die Nationalmannschaft beweisen, inzwischen seine Früchte.

Die Plünderung der DDR

2001 kam es dann zur Gründung der Deutschen Fußball Liga. Die Profivereine wollten zwar dem DFB treu bleiben, aber nicht mehr unter der Knute der jeweiligen amateurbeherrschten Landesverbände stehen. Das Modell funktioniert bis heute ohne allzu große Reibereien.

Es gab natürlich auch die Wiedervereinigung, die Aufstockung auf 20 Vereine, die Plünderung der DDR nicht nur im Fußball-Bereich.

Reiner Calmund schickte sogar einen Agenten als Fotograf getarnt, der sich an Kirsten, Thom und Sammer ranwanzte. Aber das war sogar der DDR zu viel.

Sammer musste nach Stuttgart gehen und wurde dort Meister. Wieder einmal hatte der Sport gegen die Politik verloren.

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