Hannovers Erfolgsmodell nimmt durch den Abgang von Manager Schmadtke ein unwürdiges Ende. Slomka steht nun unter Druck.

Wenn zwei sich streiten ? leidet der Dritte.

Martin Kind wirkte recht mitgenommen, als er am Mittwoch den Abgang von Sportdirektor Jörg Schmadtke verkünden musste. Zu gern hätte der Klubchef seinen Manager bei Hannover 96 gehalten.

Doch all die Risse, die sich zuletzt vom Umfeld bis tief in den Verein gezogen hatten, waren nicht mehr zu kitten. Schmadtke war zermürbt, er wollte nicht mehr.

Da gab es die Fehde des Sportdirektors mit einer großen Boulevardzeitung, der er Kampagnenjournalismus vorwarf. Da gab es vor allem auch die permanenten Scharmützel zwischen Schmadtke und Trainer Mirko Slomka.

Zwei Alpha-Tiere mit gänzlich verschiedenen Charakteren trafen zusammen, geeint einzig von sportlichen Triumphen. Und diese konnten sich in den vergangenen Jahren sehen lassen.

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Das Duo bescherte der einstigen "grauen Maus" zwei Europapokal-Qualifikationen nacheinander. Taktiker Slomka überrumpelte die Konkurrenz mit blitzartigem Kombinationsfußball. Transferfuchs Schmadtke zog das passende Personal an Land.

Von außen betrachtet erschien das Ganze wie ein einziges Erfolgsmodell. Wirklich glücklich war man miteinander jedoch nie. Egos sollen eine Rolle gespielt haben. Und Neid. Und Missgunst.

Für Slomka wird das Arbeiten nach dem Ende seines Gegenparts dennoch kaum einfacher. Der Coach steht unter Druck. Kann er die positive Entwicklung des Vereins auch ohne Schmadtkes "Diamantenauge" (Reiner Calmund) fortsetzen?

Immerhin verpflichtete der Manager eine ganze Reihe von absoluten Topspielern ? und das für wenig oder gar kein Geld: Nationaltorhüter Ron-Robert Zieler zum Beispiel. Oder die Stürmerstars Mame Diouf, Didier Ya Konan und Mohammed Abdellaoue.

Folgerichtig dürfte Schmadtke keine Probleme haben, einen neuen Klub zu finden. Er wird bereits beim 1. FC Köln gehandelt.

Kind, der den Sportdirektor mit einem unbefristeten Vertrag ausgestattet hatte, muss hingegen mal wieder basteln. Nicht immer hatte der 96-Boss bei seiner Personalauswahl ein glückliches Händchen ? bis zur Verpflichtung des Duos Slomka/Schmadtke.

Am Mittwoch nahm diese Ära ein unwürdiges Ende.

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