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Schalke-Boss Clemens Tönnies im Gespräch mit SPORT1-Reporter Reinhard Franke (l.) © getty

Schalkes Aufsichtsratsboss Clemens Tönnies spricht bei SPORT1 über das Duell mit dem Erzrivalen BVB und die Jagd auf Platz 3.

Von Reinhard Franke

München - Clemens Tönnies lebt Schalke 04.

Der Aufsichtsratsvorsitzende der "Königsblauen" führt den Verein seit 2001 und kann in den vergangenen Jahren auf viel Positives zurückblicken.

Der 56-Jährige arbeitet weiter an seinem Traum: Er will mit Schalke endlich die Deutsche Meisterschaft gewinnen. Auch im Konzert der ganz Großen in der Champions League will Tönnies seinen Klub weiter sehen.

Aktuell belegen die Mannschaft den vierten Tabellenplatz, doch Tönnies peilt nach wie vor Platz drei und die direkte Qualifikation für die Königsklasse an. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Vor dem Spiel bei Eintracht Frankfurt (Sa., ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) spricht Tönnies im SPORT1-Interview über die aktuelle Lage auf Schalke, die Zukunft von S04-Coach Jens Keller und den Vergleich mit dem großen Ruhr-Rivalen.

SPORT1: Herr Tönnies, die Saison biegt auf die Zielgerade ein. Wie fällt Ihr Zwischenfazit aus?

Clemens Tönnies: Eine verrückte Saison, die sich jetzt zum Ende hin auch dank des Trainerwechsels sehr zum Positiven gedreht hat. Wir müssen die Spiele, die jetzt noch folgen, sehr ernst nehmen. Dann können wir noch alles erreichen.

SPORT1: Sind Sie auch aufgrund der letzten Entwicklungen zufrieden mit dem aktuellen Zustand von S04?

Tönnies: Ja. Weil die handelnden Personen im Vorstand dieselben sind wie vor einem Jahr. Wir haben mit dem Aufsichtsrat eine gemeinsame Strategie entwickelt und wir verfolgen alle eine Richtung. Natürlich gibt es immer mal eine Abweichung von sportlichen Zielen, wir sind aber insgesamt so aufgestellt, dass wir punktgleich sind mit den vorgegebenen Marschrouten. Deswegen sind wir auch so entspannt.

SPORT1: So entspannt waren Sie nach der Absage von Frankfurts Trainer Armin Veh sicher nicht ...

Tönnies: Ich muss etwas klar stellen: Es gab keine Absage! Darauf lege ich großen Wert. Wir haben sondiert und überlegt, welcher Trainer könnte und würde passen, aber es hat nie ein konkretes Angebot an Armin Veh gegeben und deshalb auch keine Absage von ihm.

[kaltura id="0_x8033s2y" class="full_size" title="Tönnies: Trainerfrage ist geklärt"]

SPORT1: Jens Keller sammelt gerade mächtig Pluspunkte für eine Vertragsverlängerung, oder?

Tönnies: Wir haben einen festen Plan, wer ab der neuen Saison Trainer wird, mehr möchte ich noch nicht sagen. Wir haben eine sehr gute Meinung von Jens Keller und ich persönlich bin hochzufrieden mit seiner Arbeit. Er tut Schalke gut. Und die Truppe hat ihn voll und ganz angenommen. Aber die Entscheidung, wer Trainer wird, geben wir bekannt, wenn wir es für richtig halten.

SPORT1: Wäre es nicht für alle Seiten besser, jetzt schon Klarheit zu schaffen?

Tönnies: Wir sehen ganz eindeutig, dass es die Mannschaft und Jens nicht ablenkt und dass beide einen guten Lauf haben. Warum sollten wir uns nicht an das halten, was wir intern besprochen haben?

SPORT1: Was schätzen Sie an Jens Keller?

Tönnies: Er erreicht die Mannschaft sehr positiv, lässt einen guten Fußball spielen und treibt damit die Entwicklung von Schalke 04 weiter voran. Auch mit dem Tabellenplatz können wir nicht unzufrieden sein. Und deshalb will ich auch diesen Drive nicht rausnehmen. Die sollen weiter erfolgreich Fußball spielen, weil der Tabellenplatz schon sehr wichtig ist für uns.

SPORT1: Kann man aus all diesem Lob schließen, dass Sie an Jens Keller festhalten wollen?

Tönnies: So rede ich über jeden Mitarbeiter, der es verdient hat, positive Arbeit macht, unsere gemeinsame Strategie mitträgt und mit entwickelt.

SPORT1: Ein zentrales Thema in Ihren Planungen dürfte das internationale Geschäft sein. Wie wichtig ist die Champions League für den Verein?

Tönnies: Wir sind in unseren Finanzplanungen immer sehr konservativ. Wir nehmen keinen best case, auch nicht den real case, sondern eher den schlechteren Fall an, um dann positiv überrascht zu werden. Deswegen sage ich, dass uns nichts passiert, wenn wir keine Champions League spielen würden.

SPORT1: Wirklich?

Tönnies: Ja, ohne weiteres. Wir haben genug Reserven, um das zu verkraften, können dann immer noch agieren. Wir haben natürlich eine höhere Planungssicherheit, wenn wir Dritter oder Vierter werden, aber dass grundlegend etwas passiert, das ist nicht so.

SPORT1: Wo soll Schalke in einem Jahr stehen?

Tönnies: Schalke wird sich zwangsläufig unter den ersten Drei in Deutschland etablieren, wenn wir weiterhin die Strategie der Konsolidierung und der Verstärkung der sportlichen Situation verfolgen. Wir haben ein riesiges Potenzial.

SPORT1: In der Liga drohen durch die Dominanz von Bayern und Dortmund spanische Verhältnisse. Sind Sie neidisch auf Ihre beiden Rivalen?

Tönnies: Nein, weil nur Bayern über Jahre bewiesen hat, dass sie oben bleiben. Wir müssen es nachhaltig erreichen, dass es auch anderen möglich ist, oben mitzuspielen. Das sagt ja auch Uli Hoeneß. Wenn ich die reine Finanzkraft sehe, sehe ich Bayern mit deutlichem Abstand auf Platz eins, dann kommen schon Dortmund und wir. Schalke ist natürlich auf Augenhöhe mit dem BVB. Ich habe großes Verständnis dafür, dass sich Dortmund nach zwei top Jahren als Nummer zwei fühlt. Aber sie müssen es erst nachhaltig beweisen.

SPORT1: Am Samstag geht es zu Eintracht Frankfurt mit Trainer Armin Veh trifft. Ein besonderes Spiel?

Tönnies: Armin Veh ist ein hervorragender Trainer und hat in Frankfurt eine Riesen-Leistung vollbracht. Die Geschichte um ihn macht das Spiel nicht zu etwas Besonderem. Wir können da gewinnen, wenn wir den Gegner ernst nehmen.

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