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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern München © getty

Die Staatsanwaltschaft München bestätigt den Verdacht der Steuerhinterziehung gegen den FCB-Boss. Der hat Selbstanzeige erstattet.

München - Uli Hoeneß hat beim Finanzamt Selbstanzeige wegen eines Kontos in der Schweiz erstattet.

Die Staatsanwaltschaft München II ermittelt wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung.

Das bestätigten sowohl der Präsident des FC Bayern München als auch Oberstaatsanwalt Ken Heidenreich dem "Focus".

Laut Recherchen des Nachrichtenmagazins ist Hoeneß' Anwesen im Tegernseer Tal durchsucht worden - dies wird von Hoeneß und der Staatsanwaltschaft nicht bestätigt.

Mehrere hundert Millionen Euro?

Keine Angaben gab es zudem über die Höhe der fraglichen Summe. Laut der Münchner "Abendzeitung" (AZ) soll es sich um "mehrere Hundert Millionen Euro" auf einem oder sogar mehreren Konten handeln.

Laut "AZ" hat Hoeneß zeitgleich mit der Selbstanzeige einige Millionen an den Fiskus gezahlt. Kolportiert wird von dem Blatt eine Summe von "über fünf Millionen".

Seehofer wusste Bescheid

Auch der bayerische Landesvater hatte anscheinend Kenntnis von dem Vorgang. CSU-Chef Horst Seehofer war am Samstag in Sachen Landtagswahl in München unterwegs und sagte auf "AZ"-Anfrage: "Ich weiß, dass ein Verfahren läuft." Er sei darüber bereits "seit geraumer Zeit" informiert.

"Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln", sagte Seehofer. Der Politiker betonte, es werde seitens der Staatsregierung kein Einfluss auf die Behörden genommen: "Er wird behandelt wie jeder andere Bürger auch."

Laut "AZ" hat Hoeneß am vergangenen Mittwoch gegenüber der Zeitung noch dementiert, dass gegen ihn in Steuersachen ermittelt werde.

Wirksamkeit der Selbstanzeige wird geprüft

Im "Focus" erklärte er nun: "Ich habe im Januar 2013 über meinen Steuerberater beim Finanzamt eine Selbstanzeige eingereicht."

Diese hänge "mit einem Konto von mir in der Schweiz" zusammen. Die Wirksamkeit der Selbstanzeige und die steuerlichen Folgen würden "derzeit von den Behörden geprüft".

Das bestätigte auch Ken Heidenreich, der sagte, Gegenstand des im Januar eingeleiteten Verfahrens sei die "Prüfung auf Wirksamkeit und Vollständigkeit der Selbstanzeige".

Führungsetage fehlt in Hannover

Bei dieser Prüfung, erklärte Hoeneß, arbeite er mit seinen Anwälten und Beratern selbstverständlich "in vollem Umfang" mit.

"Ich vertraue voll und ganz auf die Arbeit der mit dem Fall befassten Behörden und bitte, mit Respekt darauf von weiteren Anfragen abzusehen", sagte der 61-Jährige.

Der Klub wollte sich am Samstag gar nicht äußern. Vereinssprecher Markus Hörwick sagte der Münchner "tz" zufolge lediglich, man habe bisher keine näheren Kenntnisse von dem Bericht, es handele sich aber um Hoeneß' Privatangelegenheit.

Beim Auswärtsspiel bei Hannover 96 war die gesamte Führungsriege, bestehend aus Hoeneß, Vorstandsboss Karl-Heinz Rummenigge und Finanzchef Karl Hopfner, nicht anwesend.

Hoeneß wollte Steuerabkommen nutzen

Mit einer Selbstanzeige kann ein Steuerhinterzieher für sich das Strafmaß und die Nachzahlungen deutlich reduzieren.

Wenn er aber zum Zeitpunkt der Selbstanzeige bereits Kenntnis vom Beginn von Ermittlungen hat oder haben müsste, ist eine Selbstanzeige nicht mehr möglich bzw. nicht mehr strafmildernd oder strafbefreiend. Mit der Frage, ob Uli Hoeneß die Vorteile der Selbstanzeige nutzen kann, beschäftigt sich derzeit die Staatsanwaltschaft.

Hoeneß erklärte, er habe die "Angelegenheit" ursprünglich über das Deutsch-Schweizer Steuerabkommen regeln wollen, das "bekanntlich Mitte Dezember 2012 nicht zu Stande gekommen" sei.

Über das Steuerabkommen hätten Personen, die in der Schweiz nichtversteuerte Gelder liegen haben, dies mit einer für den deutschen Fiskus anonymen pauschalen Einmalzahlung legalisieren können.

Unruhe vor Barca-Hammer?

Für den deutschen Rekordmeister kommt das Thema zur Unzeit.

Am Dienstag erwarten die Bayern den FC Barcelona zum Hinspiel des Champions-League-Halbfinals in der heimischen Arena. Jegliche Unruhe abseits des Rasens könnte die Konzentration stören.

Berthold und Magath beruhigen

SPORT1-Kolumnist Thomas Berthold sieht diese Gefahr allerdings nicht. "Das interessiert die Spieler nicht", sagte Berthold über die Ermittlungen gegen Hoeneß.

"Da spricht man kurz drüber und dann ist auch schon wieder gut. Die haben ja jetzt erstmal ein Bundesliga-Spiel, dann kommt der Sonntag, dann ist am Montag das Trainingslager und dann geht es auch schon weiter mit dem Barcelona-Spiel.", erklärte der Weltmeister von 1990.

LIGA total!-Experte Felix Magath gewinnt der Situation sogar Positives ab und erwartet keine Auswirkungen auf das Barca-Spiel.

"Das glaube ich nicht, weil es Privatsache von Uli Hoeneß ist Es ist vielmehr eine willkommene Ablenkung vor der Champions League ? damit konzentriert sich nicht alles auf das Spiel", sagte Magath.

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