vergrößernverkleinern
Wechselt im Sommer ablösefrei nach Frankfurt: Freiburgs Jan Rosenthal © imago

Die Rückkehr nach Stuttgart ist nach dem Pokal-Aus Chance und Risiko zugleich. Rosenthal gesteht bei SPORT1 ein Kopfproblem.

Von Christian Paschwitz

München/Stuttgart - Christian Streich pendelt häufig irgendwo zwischen Ironie und Sarkasmus.

"Das ist Vergangenheitsbewältigung", doziert der Trainer des SC Freiburg: "Es ist nicht schlecht, wenn man relativ zeitnah an die Orte geht, wo es nicht so toll war. Vielleicht erkennt man dann doch ein paar schöne Dinge - klassisches Psychologie-Buch Nummer eins."

Streichs seit jeher unterhaltsame Rhetorik wäre wohl nicht allzu erwähnenswert vor dem Duell beim VfB Stuttgart (So., ab 15.15 Uhr im LIVE-TICKER), beträfe sie tatsächlich nur den Blick zurück auf das bittere Aus bei den Schwaben am Mittwoch im DFB-Pokal-Halbfinale (Bericht).

Doch vielmehr geht es für Freiburg heute um Bedeutsameres: Nämlich die sportliche Zukunft.

Stiller Traum von der Königsklasse

Was haben die Breisgauer ihren Fans und sich selbst bisher für Freude und Erfolgsmomente bereitet:

Mit erfrischendem Offensivfußball. Mit großem Teamgeist, der es jedem Gegner schwer macht.

Nicht zuletzt mit einem unverhofft guten Tabellenplatz, der schon mit einem Unentschieden in Stuttgart weiter verbessert werden kann. Der SCF wäre dann Vierter. Träume von der Champions League würden fast schon konkret. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Rosenthal: Hunger fehlt

Doch manchen der Protagonisten schreckt diese Entwicklung. Denn: Die Freiburger haben erstmals etwas zu verlieren - das war bereits im Pokal spürbar und lähmte das Streich-Team enorm.

"Wir waren über weite Strecken zu verkrampft und ängstlich. In so einem Spiel muss man mutig sein", kritisiert Jan Rosenthal im Gespräch mit SPORT1: "Einem Teil der Mannschaft hat der Hunger gefehlt."

Rosenthal und Kruse gehen

Bald könnte den Breisgauern noch viel mehr fehlen: Ein gehöriger Teil des derzeitigen Kaders.

Rosenthal (Eintracht Frankfurt) und Max Kruse (Borussia Mönchengladbach) werden den Klub verlassen. In Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg) und wohl auch Johannes Flum (Eintracht Frankfurt) stehen zwei weitere Leistungsträger vor dem Absprung.

Und in schöner Regelmäßigkeit nähren neue Spekulationen um weitere potenzielle Abgänge das Szenario des Ausverkaufs.

Problem: Rasanter Aufschwung

Es scheinen die Probleme eines allzu rasanten Aufschwungs.

"Wir sind es nicht gewohnt, derart in den Fokus zu rücken", gesteht Rosenthal bei SPORT1: "Das ist eine Qualität, die Spieler des FC Bayern haben, nämlich diesem öffentlichen Druck standzuhalten und dann große Aufgaben als Selbstverständlichkeit zu nehmen."

Für den SC Freiburg indes sei das "etwas Neues auf der großen Bühne Bundesliga, womöglich bedrückt das ein bisschen".

"Durchziehen, was wir angefangen haben"

Umso schneller wollen die Freiburger deshalb wieder die Köpfe frei kriegen - möglichst schon im Derby:

"Man muss es so sehen: Wir können hier nun schnellstmöglich etwas gutmachen", so Rosenthal: "Wir müssen das jetzt aus den Köpfen bekommen und uns auf unsere gute Serie besinnen."

Kapitän Julian Schuster pflichtet bei: "Jetzt wollen wir in der Liga das durchziehen, was wir angefangen haben."

Löw bezweifelt, dass Europa ein Segen wäre

Doch mancher begreift die Situation genau anders herum.

In der Sorge um einen weiteren personellen Aderlass hinterfragt sogar Joachim Löw, ob die erhoffte Europa-Tournee für den bescheidenen Klub tattsächlich mehr Segen als Fluch ist.

"Man weiß nicht, ob nächstes Jahr zu viele Spieler weg sind", sagt der Bundestrainer.

Streich mahnt ohnehin

Streich wird ohnehin nicht müde herauszustellen, dass der bisherige Höhenflug über das tatsächliche Potenzial hinausgehe.

"Wir sind jetzt in Bereichen, wo wir eigentlich gar nicht hingehören. Viele von den Jungs haben vor 14 Monaten noch in der A-Jugend gespielt. Im Januar vor einem Jahr waren wir Letzter."

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel