vergrößernverkleinern
Brachten es in Hannover auf insgesamt vier Treffer: Gomez (l.) und Pizarro © getty

Im Wettschießen um den Startplatz gegen Barca gab es beim 6:1 in Hannover keinen Sieger. Die Unruhe um Hoeneß lässt Heynckes kalt.

Von Tom Vaagt und Jürgen Blöhs

München/Hannover - Claudio Pizarros Ausgleich zum 2:2 macht es noch einmal richtig spannend,

Ausgleich? 2:2? Spannung?

Das alles scheint nicht recht zum mal wieder souveränen 6:1 (3:0) des FC Bayern bei Hannover 96 (Bericht) zu passen.

Und doch liegt die Erklärung auf der Hand. (705818DIASHOW: Der 30. Spieltag)

Mario Gomez legte gegen die zur Staffage verkommenen Niedersachsen zwei Treffer vor (40. und 62.), Pizarro antwortete mit seinem Doppelpack (71. und 86.) prompt und stellte im Wettschießen den Gleichstand her.

Für Trainer Jupp Heynckes stellt sich vor dem Giganten-Gipfel gegen den FC Barcelona am Dienstag nun die große Frage:

Wer darf im Halbfinal-Hinspiel der Champions League von Beginn an ran? Mega-Mario oder Killer Claudio?

Entscheidung Anfang der Woche

"Es ist wichtig, dass sowohl Mario Gomez als auch Claudio Pizarro in guter Form sind. Wer spielt, entscheide ich am Montag oder Dienstag", sagte der Coach.

Das Rennen um den Platz des gesperrten Mario Mandzukic im bajuwarischen Sturmzentrum bleibt also weiter offen.

Ein Luxus für die Münchner, die sich auch von der Unruhe um ihren Klubboss Uli Hoeneß nicht aus der Bahn werfen ließen.

Wie am Samstagmorgen bekannt geworden war, hatte der FCB-Präsident schon im Januar Selbstanzeige bei der Staatsanwaltschaft erstattet.

Es wird wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung ermittelt.

Heynckes reagiert gelassen auf Wirbel um Hoeneß

Heynckes gab sich in der Sache gelassen. "Wir sind beim FC Bayern gewohnt, dass immer etwas los ist. Das hält uns wach. Wir wissen damit umzugehen", sagte der Trainer bei Liga total!.

Auf der Pressekonferenz legte er nach: "Meine Mannschaft lässt sich von nichts beeinflussen und beeindrucken." (Matthias Sammer zu Gast im Volkswagen Doppelpass: So., 11 Uhr im TV auf SPORT1)

Soll heißen: Es gibt keine Ablenkungen vor Barca.

Berthold: Unruhe um Hoeneß kein Problem

"Das bekommen die Spieler mit, dann spricht man kurz drüber und dann ist auch schon wieder gut", kommentierte SPORT1-Experte Thomas Berthold - und scheint damit Recht zu haben.

Mit gewohnter Dominanz und Unbarmherzigkeit wurde Hannover zerlegt. Neben Pizarro und Gomez traf auch Franck Ribery (23.).

Zuvor hatte 96-Profi Lars Stindl den Triumph mit einem Eigentor eingeleitet (16.). (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Mit nun 81 Zählern stellten die Münchner den letztjährigen Punkterekord des BVB schon vier Partien vor dem Saisonende ein.

Zudem gelang am Samstag eine weitere Bestmarke: 26 Siege - so viele Dreier hat noch kein Klub in einer Bundesligasaison eingefahren.

"Für Barcelona gerüstet"

"Das bestätigt unsere starken Leistungen der letzten Wochen. Wir sind auf jeden Fall für Barcelona gerüstet", sagte Innenverteidiger Jerome Boateng auf SPORT1-Nachfrage.

Der Nationalspieler bildete in Hannover gemeinsam mit Daniel van Buyten das Abwehrzentrum.

Dante wurde ebenso wie Bastian Schweinsteiger für das Spiel gegen Barcelona geschont. Das Duo trat die Reise nach Niedersachsen gar nicht erst an.

Von einer bayerischen B-Elf wollte nach dem Sieg dennoch niemand etwas wissen.

"Haben positiven Druck"

"B-Mannschaft kann ich nicht unterschreiben", sagte van Buyten zu SPORT1:

"Wir haben einen breiten Kader, in dem jeder in der Startelf stehen kann. Da liegt natürlich erheblicher Druck auf jedem, seine Leistung voll abrufen zu müssen. Aber für uns ist das ein positiver Druck."

Dennoch wird sich die Anspannung in den kommenden Tagen weiter zuspitzen.

Nicht nur Pizarro, der in Hannover zudem zwei Tore auflegte sowie einmal die Latte traf, und Gomez duellieren sich um einen Platz in der Startformation.

Xherdan Shaqiri macht Druck auf Arjen Robben und Thomas Müller. Van Buyten und Boateng ringen um die Position neben Dante.

"Ordnen Zielen alles unter"

"Wir sind hervorragend aufgestellt", sagte Torhüter Manuel Neuer auf SPORT1-Nachfrage:

"Wir haben einen starken Kader, und es ist keiner sauer, wenn er nicht spielt. Wir ordnen alles unseren Zielen unter."

Neuer selbst steht für das Duell mit Barcelona natürlich nicht zur Disposition - auch wenn er beim einzigen 96-Treffer von Andre Hoffmann (84.) keine glückliche Figur abgab und damit einen weiteren Rekord verhinderte.

Hätte der Keeper seine weiße Weste gewahrt, wäre Bayern in der laufenden Saison zum 20. Mal ohne Gegentor geblieben.

Doch dies blieb für Heynckes Co. nur eine Randnotiz - ebenso wie der Fall Hoeneß, die angeblich bevorstehende Verpflichtung des Frankfurters Sebastian Rode oder das potenzielle Engagement von Stefan Effenberg als U-23-Trainer der Münchner.

Wie umschrieb es Heynckes doch gleich: "Beim FC Bayern ist immer etwas los."

In Turbulenzen soll nun aber der FC Barcelona geraten. Am Dienstag in der Champions League.

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel