Nach dem 0:3 gegen Wolfsburg wächst der Druck auf den Werder-Trainer. Manager Eichin nimmt die Mannschaft in die Pflicht.

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Aus Bremen berichtet Frank Hellmann

Bremen - Es war eine wirklich nette Geste der ehemaligen Weggefährten.

Als etwa Naldo direkt nach Werder Bremens 0:3 (0:2) (Bericht) gegen den VfL Wolfsburg auf den Mann am Spielfeldrand zuschritt, der da gerade im schwarzen Kapuzenpullover gedankenverloren in den Abendhimmel blickte.

Ein paar tröstende Worte, dann ging der Abwehrchef des VfL wieder. Später hielt es dann auch Klaus Allofs für nötig, den Arm schützend um seinen einstigen Partner Thomas Schaaf zu legen.

Schulter an Schulter gingen die beiden unter der Ostkurve des Weserstadion in den Kabinentrakt. (705818DIASHOW: Der 30. Spieltag)

Immerhin die Ex-Kollegen sprangen dem Trainer des SV Werder Bremen in einer seiner schwersten Stunden noch zur Seite.

Gibt es kein Tabu mehr?

Aber wie lange hält die Hansestadt diesen Fußballlehrer noch aus, der vor fast genau 14 Jahren den Posten des Chefcoaches übernahm und bereits seit dem Kindesalter dem Verein angehört?

Spekulationen zufolge soll es in den Gedankenspielen der Klubgremien kein Tabu mehr geben. Dass man sich noch am Samstagabend zu einer Krisensitzung getroffen habe, dementierte der Verein aber.

"Wenn ich im Weg stehen sollte, gehe ich gerne zur Seite", sagte Schaaf unmittelbar nach Schlusspfiff.

Schaaf: "Nichts Neues"

Eine Aussage, die viel Spielraum für Spekulationen ließ. "Ich habe damit nur auf eine Frage geantwortet. Das ist doch gar nichts Neues", beschied der 51-Jährige auf Nachfrage von Sport1.

"Wenn ich das Problem sein sollte, dann ist meine Person nicht so wichtig. Ich versuche meinen Job zu machen."

Ob ihn die Geschäftsführung schassen könnte oder der Aufsichtsrat den Daumen senkt, darüber macht sich der Fußballlehrer in gefühlter Endlosanstellung angeblich keine Gedanken.

Muss er offenbar auch nicht. "Das ist völliger Schwachsinn, eine reine Fantasie-Geschichte", kommentierte Geschäftsführer Thomas Eichin am Sonntag Gerüchte über eine unmittelbar bevorstehende Ablösung des Coaches.

Leistung unverständlich

Doch das Denkmal ist ins Wanken geraten, das ist an der Weser unverkennbar. Denn Schaaf selbst stellte seinen Spieler das denkbar schlechteste Zeugnis aus:

"Wir gehen in die Zweikämpfe, wie man es schlechter nicht machen kann. Dann ist es auch unwichtig, welche Taktik man umsetzen will. So eine Leistung ist unverständlich."

Schaaf versammelte die Versager nach Spielende in der Kabine um sich und fand "deutliche Worte", wie es Kapitän Clemens Fritz beschrieb.

Wolfsburg nicht übermächtig

Das Publikum schwankte nach dem Offenbarungseid gegen den gewiss nicht übermächtigen neuen Allofs-Arbeitgeber aus dem östlichen Niedersachsen zwischen Ernüchterung, Enttäuschung und Entsetzen.

"Wir haben die Schnauze voll", grölten die Bremer Anhänger in der Ostkurve, während unter dem Dach der Westkurve die Wolfsburger Fans trällerten: "Zweite Liga, Bremen ist dabei."

Tatsächlich erweckten die Hausherren zu keiner Phase den Eindruck, als hätten sie den Abstiegskampf angenommen. Geschweige denn, die Gefahr erkannt.

"Können alle Spiele gewinnen"

"Wir haben noch vier Spiele. Die können wir alle gewinnen", sagte Aaron Hunt hinterher und lachte. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Es war der schlechteste Scherz des Tages, denn die von Schaaf vor Anpfiff wieder einmal wirr veränderte Formation gewinnt in dieser Verfassung kein einziges Bundesligaspiel mehr.

"Werder hat sehr gute Einzelspieler, aber sie haben keine Mannschaft, die zusammenspielt. Wir hatten so viel Freiraum", wunderte sich der Ex-Bremer Naldo über die Leichtigkeit, mit der Maxmilian Arnold (13.), Ivica Olic (27.) und Diego (66./Foulelfmeter) zu den Treffern kamen.

Auch Allofs verspürte Mitgefühl. "Dieser Sieg lässt mich nicht an die Decke hüpfen", erklärte der 56-Jährige, wohl wissend, dass die weitgehend von ihm zusammengestellte Mannschaft nur wie eine Karikatur eines Erstligisten auftrat.

Fritz gibt sich kleinlaut

"Was wir erste Halbzeit abgeliefert haben, dafür können wir uns nur entschuldigen. Das war eine Katastrophe", beschied Kapitän Fritz kleinlaut.

Die T-Frage löste beim altgedienten Werder-Profi nur den üblichen Reflex aus: "Ich weiß, wie akribisch er arbeitet. Er hat genug Erfahrung, damit wir da gemeinsam rauskommen."

Eichin, exakt seit Beginn der Serie von nun neun sieglosen Bundesligaspielen offiziell im Amt, wollte irgendwann keine Fragen mehr nach dem Trainer mehr beantworten.

Kritik an Mannschaft

Stattdessen nahm sich der Manager die Mannschaft vor: "Wenn jeder Spieler so viel Leidenschaft und Kampfeslust wie der Trainer an den Tag legen würde, dann hätten wir ein anderes Spiel gesehen."

Vorbei die Zeiten, dass das Management schützend die Hand über die Mannschaft hielt.

Eichin: "Ich denke, dass sich die Art der Trainingsführung und die Art generell in dieser Woche sicherlich ändern wird."

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