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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Prasident des FC Bayern. © getty

Nach der Selbstanzeige von Hoeneß reagieren Politik und Sport zum Teil mit harscher Kritik. SPORT1 liefert einen Überblick.

München - Präsident Uli Hoeneß vom deutschen Meister Bayern München hat beim deutschen Fiskus Selbstanzeige wegen nicht angegebener Gelder auf einem Schweizer Konto erstattet.

Nun sieht er sich Ermittlungen wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung gegenüber (Bericht).

Ein Überblick zu den Reaktionen auf den "Steuerfall Uli Hoeneß":

Markus Söder (CSU, Finanzminister Bayern): "Ich bitte um Verständnis, dass man da wegen Steuergeheimnis nichts sagen kann und auch ein Beschuldigter hat das Recht darauf, dass ein ordnungsgemäßes Verfahren stattfindet, keine Vorverurteilungen. Trotzdem muss das ganze nach Recht und Gesetz einfach stattfinden. Und es gibt eben auch keinen Prominentenbonus an dieser Stelle."

Matthias Sammer (Sportvorstand Bayern München): "Das ist eine private Konstellation. Uli Hoeneß ist für uns natürlich ein wichtiger Mann, aber wir äußern uns dazu nicht. Das belastet uns überhaupt nicht. Zu dieser Angelegenheit werden wir als FC Bayern uns nicht äußern."

Jupp Heynckes (Trainer Bayern München): "Das ist eine Privatangelegenheit des Präsidenten. Bei uns gibt es immer irgendwelche Meldungen. Das schärft die Sinne, das macht uns noch ehrgeiziger. Meine Mannschaft lässt sich von nichts beeindrucken."

Franz Beckenbauer (Ehrenpräsident Bayern München): "Ich kann Uli nur die Daumen drücken, dass es gut ausgeht."

Christoph Daum (Fußball-Lehrer und 2000 bis zu Aussagen von Hoeneß über seinen Kokain-Konsum als Bundestrainer vorgesehen): "Die Nachricht hat mich absolut überrascht. Das hätte ich ihm niemals zugetraut, vor allem nicht, wenn man sieht, wie Uli Hoeneß in vielen Situationen seines Lebens aufgetreten ist.

Hoeneß hat sich schließlich zu einer absoluten moralischen Instanz aufgeschwungen. Ich hätte so etwas niemals vermutet. Hoeneß tut mir leid. Ich bin nicht derjenige, der mit dem Zeigefinger auf andere Menschen zeigt. So möchte ich nicht leben. Ich verspüre Mitgefühl für ihn und hege keinen Groll.

Ich weiß sehr genau, was Uli Hoeneß alles für den deutschen Fußball und die Gesellschaft geleistet hat. Ich hoffe und wünsche ihm deshalb von Herzen, dass er da heil wieder rauskommt."

Sylvia Schenk (Sportbeauftragte der Anti-Korruptions-Organisation Transparency International): "Wenn er Herrn Blatter (unter Korruptionsverdacht stehender Präsident des Weltverbandes FIFA; Anm. d. Red.) angreift und fordert, dass dieser den FIFA-Saustall endlich aufräumen soll, aber selbst Geld an der deutschen Steuer vorbeibringt, dann schmeißt Uli Hoeneß hier mit Felsbrocken aus dem Glashaus.

Dieser Fall ist auch ein Schlag gegen den ganzen Sport, der gerade auf verschiedenen Gebieten um seine Glaubwürdigkeit kämpft. Die Glaubwürdigkeit von Hoeneß ist extrem erschüttert. Es wird sicher ganz schwer sein für ihn, da wieder herauszukommen."

Horst Seehhofer (Ministerpräsident Bayern): "Ich weiß, dass ein Verfahren läuft. Ich bin darüber bereits seit geraumer Zeit informiert. Das müssen jetzt die Justiz- und Finanzbehörden regeln. Er wird behandelt wie jeder andere Bürger auch."

Florian Pronold (SPD-Vorsitzender Bayern): "Uli Hoeneß hat seine Vorbild-Funktion mit Füßen getreten. Uli Hoeneß ist kein Vorbild mehr. Steuerflucht ist kein Kavaliersdelikt, sondern die schlimmste Form asozialen Verhaltens."

Christian Ude (Oberbürgermeister München/SPD): "Ich verstehe seit Jahren nicht, warum die CSU so viele Sympathien für Steuerhinterzieher hegt, obwohl sie sonst so für Law and Order auftritt. Dass Hoeneß so heftige Sympathien für die CSU hegt, findet in den kommenden Wochen vielleicht eine zusätzliche Erklärung."

Norbert Walter-Borjans (Finanzminister Nordrhein-Westfalen/SPD): "Der Fall Hoeneß macht deutlich, wie wichtig es war, nicht zuzulassen, dass die Bundesregierung ein Steuerabkommen mit der Schweiz durchbekommt, mit dem Leute wie Herr Hoeneß zum Sonderrabatt unerkannt davongekommen wären."

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