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Seit 2009 Präsident des FC Bayern München: Uli Hoeneß © imago

Der FCB-Präsident droht in seiner Steuer-Affäre den Medien und widerspricht einem spektakulären Bericht. Einen Rückzug verneint er.

Von Martin Hoffmann

München - Eigentlich lautete Uli Hoeneß' Kernaussage: "Ich darf im Moment nichts sagen."

Aus dem "Nichts" ist dann alles in allem aber doch recht viel geworden.

In mehreren Medien meldete sich der Bayern-Präsident nach einem Tag des Schweigens zu den Steuer-Ermittlungen in eigener Sache zu Wort.

Mit Verweis auf das "schwebende Verfahren" verschließt Hoeneß zum Kern der Sache zwar weiterhin fast völlig die Lippen.

Nicht aber zu den Folgen, den der Aufruhr um seine Selbstanzeige beim Finanzamt wegen eines Schweizer Kontos hat. Die Kernbotschaften: Er denkt nicht an Rücktritt. Er wird am Dienstag gegen den FC Barcelona im Stadion sein. Und er will juristisch gegen diverse Medien vorgehen.

"Ihre Quelle liegt falsch"

"An einen Rücktritt als Aufsichtsratsvorsitzender bei Bayern München denke ich nicht", sagt Hoeneß der "Sport Bild" - was wohl das Präsidentenamt mit einschließt, da die beiden Klubämter direkt zusammenhängen.

"Gegen die Exzesse in einigen Berichterstattungen werde ich mich anwaltschaftlich zur Wehr setzen", kündigt er im "Münchener Merkur" an. Besonders eine nicht namentlich genannte Zeitung aus der bayerischen Landeshauptstadt hat er im Visier: "Für die wird das richtig teuer."

Gemeint sein dürfte die "Abendzeitung", die am Samstag mit der spektakulären Meldung Aufsehen erregte, dass laut einer "sachkundigen Quelle" auf Hoeneß' Schweizer Konto mehreren hundert Millionen Euro gebunkert gewesen wären.

"Ihre Quelle liegt falsch", erklärt Hoeneß dem Blatt gegenüber - seine einzige Einlassung zu den Details des Verfahrens.

Börsen-Spekulationen mit Privatdarlehen?

Das Dementi wird von Erkenntnissen anderer Medien gestützt: Nach Informationen von "Süddeutsche Zeitung" und "Bild" handelt es sich beim von Hoeneß gelagerten Betrag um bereits versteuertes Geld in weit geringerer Größenordnung. Allerdings habe Hoeneß die fällige Kapitalertragssteuer nicht an den Fiskus abgeführt.

Demnach soll Hoeneß anno 2000 ein Privat-Darlehen in Höhe von 10 bis 15 Millionen Euro vom mittlerweile verstorbenen Ex-"Adidas"-Chef Robert Louis-Dreyfus erhalten haben, mit dem er an der Börse spekuliert haben soll.

"Vor mehr als zehn Jahren" habe Hoeneß ein Schweizer Konto mit Millionen-Summe eingerichtet - laut "Bild" zusammen mit Louis-Dreyfus.

Amnestie-Chancen verstrichen

Geld des FC Bayern und von Hoeneß' Wurstunternehmen sei nicht im Spiel, beteuert ein Hoeneß-Vertrauter in besagter Zeitung.

Mehrere Gelegenheiten, sich amnestieren zu lassen, hat Hoeneß verstreichen lassen, setzte nach eigenen Angaben auf das deutsch-schweizereische Steuerabkommen, das dann aber am Widerstand der rot-grünen Opposition in Deutschland scheiterte.

Es hätte Hoeneß im Nachhinein ermöglicht, seine Gewinne straffrei und pauschal zu versteuern.

Nachzahlung in Millionenhöhe

Stattdessen folgte die Selbstanzeige und eine von Hoeneß abgeleistete Nachzahlung von Steuern und Zinsen.

Die Berichte, wie hoch diese war, schwankt zwischen drei ("SZ") und zehn Millionen Euro ("Bild"), die sich daraus ableitende Folgerung, wie viel Geld auf Hoeneß' Konto war, zwischen sechs und zwanzig Millionen.

In jedem dieser Szenarien übersteigt die Summe des hinterzogenen Geldes die Millionengrenze, so dass Hoeneß eine Gefängnisstrafe drohen würde, wenn seine Selbstanzeige nicht korrekt und umfassend war - war sie es, winkt ihm die Einstellung des Verfahrens.

Das Raunen über die "unvorstellbare" Summe von mehreren hundert Millionen beruht wohl auf einer Verwechslung.

Ein kurioser Zufall

Der "Stern" hatte im Januar von einem Fall berichtet, dass eine hochrangige Bundesliga-Persönlichkeit besagten Mega-Betrag bei einer Schweizer Bank gelagert hätte - derselben, auf der Hoeneß sein Konto hatte.

Auch die Strafverfolger vermuteten einen Zusammenhang und durchkämmten wohl deshalb am 20. März Hoeneß' Haus am Tegernsee.

Inzwischen zeichnet sich jedoch ab, dass die beiden Fälle nichts miteinander zu tun haben.

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