Die Steuer-Affäre des Bayern-Präsidenten hat vor allem eine moralische Dimension. Seine bisherige Rolle kann er nicht mehr ausfüllen.

Diese Frage zu stellen wäre noch vor ein paar Tagen einer Gotteslästerung gleichgekommen.

In einer Zeit, in der der FC Bayern, sein Lebenswerk, so glanzvoll dasteht wie nie zuvor. Inzwischen ist sie mehr als akut.

Denn es geht nicht mehr nur um die juristische Bewertung einer Steuerhinterziehung, es ist schon längst eine moralische Frage für jemanden geworden, der wie kein Zweiter Werte wie Ehrbarkeit, soziales Engagement und Moral verkörperte, und das bis zuletzt glaubhaft.

(Reaktionen und Hintergründe zum Fall Hoeneß ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

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Die Fallhöhe ist gigantisch, doch hat Hoeneß diese Höhe in seinen 40 Jahren Bundesliga maßgeblich selbst definiert. Das wird nun sein persönliches Dilemma.

Über die Jahre hat sich Hoeneß als moralisch-ethische Instanz etabliert, sein Image als Mahner gepflegt und sich dabei längst über das rein Sportliche erhoben. Unvergessen seine Aussagen über den "verschnupften Daum", als dieser damals Bundestrainer werden sollte. Oder sein nun schon seit Jahren tobender Kampf gegen FIFA-Präsident Joseph Blatter.

Sein soziales Engagement innerhalb und außerhalb der Fußballwelt bekam mit der Zeit fast schon heilige Züge, und sein FC Bayern bewahrte sich bis zuletzt in der harten, kalten und von Kapital getriebenen Fußballwelt das Familiäre. Eine Eigenschaft, auf die Hoeneß stets am meisten Wert gelegt hat.

Nun kommt der Bumerang mit größtmöglicher Wucht zurück. Mit kübelweise Häme, Unverständnis und Vorwürfen wird er konfrontiert, ein Großteil seiner oft mit Erregung und Zorn vorgetragenen Zitate der vergangenen Jahrzehnte wird ihm um die Ohren gehauen.

Das hat er nicht verdient. Wir sind alle gut beraten, den Menschen Uli Hoeneß auch in dieser, für ihn schwierigen Phase seines Lebens mit Respekt zu begegnen, egal wie schwerwiegend sein Vergehen gewesen sein mag.

Es dürfe weder einen Prominenten-Bonus noch eine Vorverurteilung geben, hieß es in den Tagen seit Bekanntwerden der Selbstanzeige oft. Auch das ist richtig.

Und doch die Frage muss erlaubt sein, ob Uli Hoeneß aufgrund der moralischen Dimension der Angelegenheit in Zukunft noch die Rolle ausfüllen kann, die sein Leben und sein Tun geprägt hat. Wird er je wieder "Financial Fairplay" anmahnen können? Je wieder Korruption in der FIFA kritisieren können? Kann er sich je wieder als das gute Gewissen einer Branche stilisieren? Die Antwort ist Nein.

Muss Uli Hoeneß also zurücktreten? Diese Frage kann nur er zusammen mit dem FC Bayern beantworten. Dieses Recht hat er sich verdient.

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