Kanzlerin Merkel ist "enttäuscht", die Mehrheit der SPORT1-User steht zu Uli Hoeneß. Ihn erwartet ein kaum zu gewinnender Kampf.

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Von Martin Hoffmann

München - Spätestens am Montagnachmittag ist klar geworden, dass die Sache einen Punkt erreicht hat, der über den Fußball hinausgeht.

Denn nun hat auch Angela Merkel deutlich gemacht, was sie vom Fall Uli Hoeneß hält.

"Viele Menschen in Deutschland sind enttäuscht von Uli Hoeneß", ließ sie über ihren Sprecher Steffen Seibert ausrichten:

"Die Bundeskanzlerin zählt auch zu diesen Menschen. Die Enttäuschung ist bei jemandem, der für so viel Positives steht, umso größer." Steuerhinterziehung sei "ohne Zweifel" ein schweres Delikt.

(Reaktionen und Hintergründe zum Fall Hoeneß ab 18.30 Uhr bei Bundesliga Aktuell im TV auf SPORT1)

SPORT1-User gegen Rücktritt

Trotzdem gibt es immer noch viele, die bereit sind, Hoeneß die von ihm selbst eingestandenen Steuersünden nachzusehen.

Mit einem klaren Ja beantworten 71,5 Prozent von über 10.000 SPORT1-Usern die Frage, ob Uli Hoeneß als Bayern-Präsident noch haltbar ist (Stand: 15.30 Uhr).

Dieses Votum wird Hoeneß aber nichts nützen. Denn das, was in nächster Zeit auf ihn zukommt, droht eine Wucht zu entfalten, die auch die noch immer großen Sympathiewerte nicht abfedern können.

Die wohl größte Anstrengung

Er denke nicht an Rücktritt, das hat Hoeneß in einer seiner ersten öffentlichen Reaktionen auf die Berichterstattung über seine Selbstanzeige beim Finanzamt mitgeteilt.

Hält er daran fest, steht ihm eine Kraftanstrengung bevor, die wohl alles übersteigen wird, was er in seiner bewegten Karriere hinter sich hat.

Sechs Monate dürfte es dauern, bis die Ermittlungen wegen der vor dem Fiskus verborgenen Millionen auf einem Schweizer Konto abgeschlossen sind - so lautete die Einschätzung des FDP-Politikers und Fachanwalts Wolfgang Kubicki im "ARD"-Talk von Günther Jauch.

So lange wird geprüft, ob Hoeneß' Selbstanzeige rechtzeitig und korrekt erfolgt ist und er damit um Strafverfolgung herumkommt. Oder ob ihm stattdessen möglicherweise sogar eine Gefängnisstrafe droht.

Enthüllungswettbewerb steht bevor

Es wird aber nicht die Staatsanwaltschaft allein sein, die Hoeneß' Gebaren auf den Grund geht.

Medien aus ganz Deutschland haben investigative Journalisten auf den Fall angesetzt. Ein lang anhaltender Überbietungswettbewerb an echten und vermeintlichen Enthüllungen ist zu erwarten.

Enthüllungen, die sich kaum auf den eigentlichen Sachverhalt beschränken werden. Hoeneß' Glaubwürdigkeit wird gewogen, diskutiert, beurteilt werden, mit jeder neuen Nachricht aufs Neue.

Aktiv gelebte Integrität?

Unangenehm ist das nicht nur für ihn: Hoeneß fungiert als Aufsichtsratschef der FC Bayern München AG, an der neben dem Verein auch die Weltkonzerne Adidas und Audi beteiligt sind.

In dem Gremium sind Hoeneß Führungskräfte von Hauptsponsor Telekom, und anderen Weltkonzernen wie VW und UniCredit unterstellt.

Und: Zum Beispiel Adidas hat sich in seinen Compliance-Regeln der "Integrität" verpflichtet, die von allen Mitarbeitern "aktiv gelebt" würden.

Was das für Auswirkungen auf die Causa Hoeneß hat? Eine spannende Frage?

Keine Privatangelegenheit

Der FC Bayern wird sich auf Dauer schwertun, den Fall Hoeneß als "Privatangelegenheit des Präsidenten" (Jupp Heynckes) abzuheften, der mit dem Tagesgeschäft des Klubs nichts zu tun habe.

Hoeneß' private Steuervergehen erschüttern die moralische Kraft, für die er als öffentliche Person stets stand.

Weswegen erste Beobachter schon sicher sind, dass Hoeneß diese Situation nicht durchstehen wird.

"Er wird sich zurückziehen"

In der "Süddeutschen Zeitung" meint ein ungenannter Boss eines "namhaften" Bundesliga-Klubs: "Die Sache wird das Lebenswerk von Uli Hoeneß zerstören."

Bei Jauch befürchtete die lebende Sportmoderatoren-Legende Dieter Kürten: "Auf Dauer werden die Attacken so massiv sein, dass er sich zurückziehen wird."

Ein paar Euro mehr

Wie eine öffentliche Person auf diese Weise zermürbt werden kann, hat vor einem Jahr der Fall des ehemaligen Bundespräsidenten Christian Wulff gezeigt.

Eine Entwicklung, die Hoeneß seinerzeit übrigens in der "Abendzeitung" als "Wahnsinn" und "lächerlich" bezeichnete:

"Dass sich der Bundespräsident für einen Kredit, den er für vier statt fünf Prozent genommen hat von einem Freund, rechtfertigen muss. Da geht?s um 10 000 oder 15 000 Euro."

Bei Hoeneß - längst ja auch eine Art Bundespräsident der Fußballnation - geht es wohl um ein paar Euro mehr.

Und anders als Wulff hat Hoeneß nicht mal mehr das vollste Vertrauen der Bundeskanzlerin.

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