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Wechselt im Sommer für 37 Millionen Euro vom BVB nach München: Mario Götze © getty

Götze spürt nach seinem angekündigten Wechsel zum FC Bayern die Wut der BVB-Fans. Im Internet wird gemotzt, Klopp appelliert.

Von Tom Vaagt

München/Dortmund - Manchmal sind die Übergänge zwischen Liebe und Hass fließend. Auch und gerade bei Fußballfans.

"Verräter", "Söldner", "Judas" - Mario Götze hat bei vielen Anhängern von Borussia Dortmund sämtlichen Kredit verspielt. Nachzulesen ist das alles auf der Facebook-Seite des Nationalspielers.

Dazu gibt es Beleidungen weit unterhalb der Gürtellinie. Buchstaben als Peitschenhiebe. "Shitstorm", nennt man das wohl neudeutsch.

Das Vergehen des 20-Jährigen: Er nutzt eine Klausel in seinem bis 2016 datierten Vertrag und wechselt zur kommenden Saison zum FC Bayern. (Bericht) Der künftige FCB-Trainer Pep Guardiola hat Götze zu seinem Wunschspieler erklärt. Die Dortmunder waren im Kampf um ihren Star machtlos.

65.000-mal Frust?

Aus Sicht der Borussen lassen sich die geschriebenen Unmutsbekundungen aus dem Netz noch verkraften. Doch im Halbfinal-Hinspiel der Champions League am Mittwoch gegen Real Madrid (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) droht weitaus Schlimmeres. (DATENCENTER: Die Champions League)

Ein Pfeifkonzert aus bis zu 65.000 Kehlen. Alle auf den Kleinen. Sollte es so kommen, wäre Götze im Spiel der Spiele einem Spießrutenlauf ausgesetzt.

"Ich hoffe, dass die Fans die Zeit bis zum Anpfiff nutzen, um das alles richtig einzuordnen", sagte BVB-Trainer Jürgen Klopp am Dienstag: "Unsere Chance ist viel zu groß, um uns mit irgendwelchen Unmutsäußerungen aufzuhalten."

Appell von Klopp

Wer dies nicht verinnerlichen könne, solle seine Eintrittskarte für das Spiel bitte weitergeben, meinte der Coach. Klopp, der eigenen Angaben zufolge seit zwei Wochen über den Transferhammer informiert war, schloss die obligatorische Pressekonferenz mit einem eindringlichen Appell an die Dortmunder Fans:

"Lasst uns einen ganz speziellen Abend daraus machen. Also: Vollgas geben und gegen Real Madrid gewinnen."

Ob er die Anhängerschaft milde stimmen konnte, bleibt abzuwarten. Vielleicht lautet die Lösung des Problems auch: Götze bleibt am Mittwoch zunächst auf der Bank.

Zum Schutz auf die Bank?

Es wäre eine Schwächung für den BVB - keine Frage. Aber: Was passiert, wenn Götze eine Großchance vergibt? Reißt der Geduldsfaden der Fans spätestens dann?

Der Druck auf den künftigen Bayern-Star scheint unermesslich. Götze ist 20 Jahre alt und ein Mensch. Normalerweise geht es in diesem Alter um die große Liebe, die nächste Party oder die Berufswahl.

Doch für Götze war es immer anders. Er galt als Projektionsfläche für Dortmunder Träume.

Am Mittwoch muss er Millionen von Augenpaaren standhalten. Kann so etwas funktionieren? Kann unter diesen Umständen die Leistung stimmen?

Pfiffe garantiert

"Ich werde Dich auf jeden Fall auspfeifen", lautet die Ankündigung eines von Götzes Facebook-"Freunden". 1,5 Millionen dieser Internet-Anhänger hat der Nationalspieler.

Die Anzahl blieb am Dienstag weitgehend konstant. Viele BVB-Fans sprangen ab, viele FCB-Fans sprangen auf.

Immerhin ein kleiner Trost. In seiner aktuellen Situation helfen Götze derartige Sympathiebekundungen aus München dennoch wenig.

Noch zwei Duelle BVB-FCB?

Zumal er bis zum Saisonende kaum aus dem Fokus rücken wird: Mindestens einmal treffen die Dortmunder in der laufenden Spielzeit noch auf die Bayern.

Am 32. Spieltag der Bundesliga spielen die Münchner beim BVB.

Und dann ist da ja auch noch das mögliche Champions-League-Finale zwischen den beiden deutschen Topklubs am 25. Mai in London. Für Götze könnten die kommenden Wochen zu einem permanenten Nervenspiel werden.

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