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Ist im bayerischen Memmingen geboren worden: Mario Götze © getty

Auf den Wechsel des BVB-Juwels zum FCB reagieren Verantwortliche und Experten wenig überrascht. SPORT1 liefert einen Überblick.

München - Mit einem größeren Paukenschlag hätte der Tag nicht beginnen können.

Borussia Dortmunds Mittelfeldtalent Mario Götze wechselt dank einer im Vertrag festgelegten Ablösesumme von 37 Millionen Euro zur kommenden Spielzeit zum FC Bayern (Bericht).

Es ist die zweithöchste Ablösesumme die jemals ein Bundesliga-Klub für einen Spieler gezahlt hat.

Götze ist nach Thomas Helmer (1992) und Torsten Frings (2004) erst der dritte Borusse, der aus dem Ruhrpott an die Isar wechselt.

Helmer: "Keine Wohlfühloase mehr"

SPORT1-Experte Helmer ließ schon einmal seine Glückwünsche an die Bayern-Verantwortlichen verlauten, warnt aber auch: "Götze ist ein absoluter Klasse-Spieler. Doch bei Bayern findet er eine viele größere Konkurrenz vor. Das ist keine Wohlfühloase mehr, wo er der unumstrittene Star ist."

Außerdem frage er sich, "wer dann bei den Bayern gehen muss - trifft es sogar Leute wie Arjen Robben?"

Eines steht für den ehemaligen Nationalspieler aber fest: "Für Dortmund ist das eine extreme Schwächung, ein Schock für Fans und den ganzen Verein. Und wer weiß, wer da jetzt noch alles geht?"

Seine Sorge gilt vor allem den drei Top-Stars Hummels, Gündogan und Lewandowski: "Um die ranken sich ja viele Gerüchte. Am Ende hat der BVB vielleicht viel Geld, aber keine Mannschaft mehr."

Bei den Münchnern hat der 20-Jährige Offensiv-Dribbler bereits einen Vier-Jahres-Vertrag unterschrieben und wird den Angaben nach rund sieben Millionen Euro im Jahr verdienen.

SPORT1 liefert einen Überblick zu den Reaktionen auf den Götze-Transfer:

Jürgen Klopp (Trainer Borussia Dortmund, auf der Pressekonferenz): "Es hätte noch schlechtere Momente geben können. Vier Stunden vor dem Spiel zum Beispiel. Aber auf einer Skala von eins bis zehn sind wir bei neun angekommen. Aber allen, die wütend sind, sei gesagt: Wir haben im letzten Jahr Marco Reus für eine festgeschriebene Ablösesumme von 17 Millionen verpflichtet. Das wird in Mönchengladbach auch nicht für Begeisterungsstürme gesorgt haben. Und nichts anderes ist jetzt auch passiert. Mit Blick auf Madrid ist das für uns eine ganz klare Jetzt-erst-recht-Situation: Wir wollen dafür sorgen, dass wer immer auch wollte, dass wir gestört werden in der Vorbereitung auf dieses Spiel, keinen Erfolg hat."

Hans-Joachim Watzke (Geschäftsführer Borussia Dortmund): "Wir sind natürlich über alle Maßen enttäuscht, betonen aber, dass sich sowohl Mario als auch sein Berater absolut vertragskonform verhalten haben."

Lothar Matthäus (Deutschlands Rekordnationalspieler bei "Sky Sport News HD"): "Die Fans fühlen sich veralbert. Die Aussagen, die Mario Götze in der jüngeren Vergangenheit getroffen hat, machen ihn unglaubwürdig. Das schadet dem ganzen Fußball. Dass die Sache einen Tag vor einem der wichtigsten Spiele in Dortmunds Klubgeschichte herauskommt, ist nicht fair, einfach unglaublich. Das Spiel gegen Madrid wird für Götze von der Psyche her kein einfaches. Wer ganz bösartig denkt, denkt an das Viertelfinale gegen Malaga. Da war Götze schon eine entscheidende Person und hat sechs oder sieben Großchancen vergeben. Da hat er schon Nerven gezeigt, denn die Sache ist sicher schon länger klar. Aber vielleicht ist es für ihn jetzt auch eine Erleichterung, dass es raus ist. Den Bayern kann man zu diesem Transfer nur gratulieren. Aber von den Diskussionen um Uli Hoeneß kann es nicht ablenken, dafür hat sie zu große Kreise geschlagen."

Ottmar Hitzfeld (ehemaliger Trainer von Bayern und Dortmund bei "bundesliga.de"): "Dass Götze irgendwann zu Bayern gehen würde, war kein Geheimnis. Das war eine logische Folge seiner Entwicklung. Mich hat gewundert, dass Bayern ihn nicht schon vor einem oder zwei Jahren geholt hat, als man gesehen hat, dass Götze eines der größten Talente im deutschen Fußball ist. Aber nun kann man ihn noch zu einem einigermaßen vertretbaren Preis erwerben."

Matthias Sammer (Sportdirektor Bayern München, bei Sky Sport News HD): "Wir sind nicht Botschafter dieser Information. Der Zeitpunkt ist nicht optimal. Die Zielstellung von uns war - man muss ja auch ein paar Zeitfenster einhalten - dann auch nach den ersten Spielen, Mitte, Ende der Woche das zu transportieren. Daran haben wir uns gehalten. Mario Götze hatte unglaubliche Angebote, von Vereinen, die waren Wahnsinn. Es ist ja auch ganz positiv, dass er in der Bundesliga bleibt."

Frage bei Sky: Warum hat es im Vorfeld keinen Kontakt zu Dortmund gegeben?

Sammer: Warum sollte es den gegeben haben?

Sky: Weil es zum guten Ton gehört.

Sammer: Ja, aber ich habe heute auch sehr viel über Marco Reus gelesen und den guten Ton. Über den Zeitpunkt kann man ja dann, wenn man vorher eine gewisse Strategie festgelegt hat, auch reden.

Franz Beckenbauer (Ehrenpräsident Bayern München bei Sky Sport News HD): "Es ist eine wunderbare Verpflichtung aus Bayern-Sicht. Er ist der beste deutsche Offensiv-Spieler. Ich glaube, dass Pep Guardiola da ein Wort mitgeredet hat. Götze ist eigentlich der einzige Spieler in Deutschland, der dem Ideal gleich kommt, Maßstab FC Barcelona. Ich denke, dass Guardiola großen Wert drauf gelegt hat, Götze zu verpflichten. Für die Dortmunder tut es mir leid, dass sie so einen großartigen Spieler verlieren. Denn im Zusammenspiel mit Marco Reus war das schon einsame Spitze. Aber ich freue mich, dass er in der kommenden Saison statt schwarz-gelb ein rotes Trikot trägt."

Felix Magath (Ex-Trainer Bayern München, via "Facebook"): "Die deutschen Halbfinal-Chancen in der Champions League sehe ich seit heute kritischer. Der zu einem völlig ungeeigneten Zeitpunkt bekannt gewordene Wechsel von Mario Götze zum FC Bayern München hat schlagartig alle Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Wer glaubt, dieses Thema sei nur ein Problem für Borussia Dortmund, der täuscht sich. Meiner Meinung nach wird diese Personalie auch die aktuellen Bayern Spieler mehr beschäftigen als Jupp Heynckes zum jetzigen Zeitpunkt lieb sein kann."

Stefan Effenberg (Ex-Nationalspieler, bei "Sky Sport News HD"): "Freundschaftlich war das Verhältnis zwischen Dortmund und Bayern nicht wirklich, auch in der Vergangenheit nicht. Dortmund sagt nun zu Recht, dass die Bayern sie schwächen wollen. Aber so ist das Geschäft. Ich bewundere Götze trotz seiner Jugend, er passt genau zur Philosophie von Pep Guardiola und an ihm werden die Bayern über Jahre hinweg viel Spaß haben. Durch den Transfer kommen natürlich andere interessante Fragen auf. Ich denke, Mario Gomez wird bei Bayern im Sommer gehen müssen, und was mit Toni Kroos passiert, der ein ähnlicher Spieler ist wie Götze, muss man auch abwarten."

Max Eberl (Sportdirektor Borussia Mönchengladbach): "Das überrascht mich nicht. Man hat so was gehört im Markt. Für Bayern ist das natürlich ein Riesentransfer. Aber man sollte nicht zu schnell ins Extreme abgleiten und von schottischen Verhältnissen sprechen. Darüber auslassen kann man sich, wenn Bayern wirklich fünf Mal in Folge Meister geworden sein sollte. Der Götze-Transfer wird sicher auch zur Folge haben, dass ein oder zwei Spieler Bayern verlassen werden und Dortmund wieder groß einkaufen kann. Deshalb muss man erst einmal abwarten, was passiert."

Wolfgang Holzhäuser (Geschäftsführer Bayer 04 Leverkusen): "Mario Götze ist einer der besten jungen Spieler in Deutschland neben Andre Schürrle. Der eine geht nun zu den Bayern, der andere vielleicht nach Chelsea. Ich gönne es jedem Klub, der sich so einen Spieler leisten kann. Und Bayern hat sich verdient, ihn sich leisten zu können, denn sie haben es sich über Jahre hinweg erarbeitet.

Heribert Bruchhagen (Vorstandsvorsitzender Eintracht Frankfurt): "Aus Sicht des FC Bayern halte ich das für eine geniale Idee, weil Mario Götze das größte deutsche Fußballtalent ist. Wenn ich Verantwortlicher bei Bayern wäre, hätte ich das auch gemacht. Aus Sicht der Wettbewerbsfähigkeit der Bundesliga geht der Transfer aber nicht ganz konform mit den zuletzt geäußerten Gedanken von Uli Hoeneß."

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