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Mario Götze (r. mit Klopp) spielt seit der Jugend für Double-Sieger Borussia Dortmund © imago

Für Klopp ist Guardiola für Mario Götzes Wechsel zu den Bayern verantwortlich. Der BVB-Trainer wusste schon länger Bescheid.

Von Thorsten Langenbahn undJens Middendorf

Dortmund - Jürgen Klopp redete auf der Pressekonferenz vor dem Halbfinale gegen Real Madrid (ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) nicht lange drumherum.

Er sei Schuld am Wechsel von Mario Götze (Bericht), weil er nicht 15 Zentimeter kleiner sei und mit spanischem Akzent Tiki-taka predigen würde.

"Mario Götze hat sich nicht im Geringsten gegen seine Mitspieler oder den Verein entschieden - er ist der Wunschschpieler von Pep Guardiola", verteidigte Borussia Dortmunds Trainer seinen Starspieler, der für 37 Millionen zum FC Bayern wechseln wird.

"Diese Chance, mit einem außergewöhnlichen Trainer zu arbeiten, wollte er sich nicht entgehen lassen", so Klopp. (DATENCENTER: Die Champions League)

Klopp weiß schon länger Bescheid

Im Gegensatz zu den vielen Fans, die im Internet ihrer Entrüstung über den Wechsel des Nationalspielers Luft machten (Bericht), weiß Klopp schon länger Bescheid über den bayerischen Coup.

"Seit dem Donnerstag nach dem Malaga-Spiel ist das Thema auf dem Tisch. Das heißt, ich hatte einen Tag, mich übers Malaga-Spiel zu freuen", so Klopp.

Als Klopp vor Kurzem über schottische Verhältnisse sprach, wo nach dem Absturz der Glasgow Rangers allein Celtic Glasgow die Liga dominiert, wusste Klopp schon über den Wechsel Bescheid.

Zwölf Tage hatte der BVB-Coach Zeit, sich an den Gedanken zu gewöhnen, künftig ohne seine aktuelle Nummer 10 auskommen zu müssen.

"Aki Watzke maßlos enttäuscht"

"Die Zeit heilt nicht alle Wunden, aber sie hilft beim Heilen", sagte Klopp. BVB-Boss Hans-Joachim Watzke und Sportdirektor Michael Zorc, so ließ BVB-Sprecher Sascha Fligge wissen, würden bis zum Spiel keine Stellungnahme mehr zu dem Thema abgeben.

"Aki Watzke ist maßloß enttäuscht, so einen außergewöhnlichen Spieler zu verlieren", verriet Klopp. So ging es auch zahlreichen Anhängern.

Beim Nachmittagstraining der Borussen auf dem Trainingsgelände im Dortmunder Osten hatte sich vorsorglich eine Polizeistreife postiert.

Zwei Dutzend Fans machten vor dem BVB-Gelände einen relativ entspannten Eindruck, von aggressiver Stimmung keine Spur.

Lediglich ein einzelner rief: "Verpiss dich!"

Klopp wirbt für Verständnis

Klopp versuchte, etwaigen Unmutsäußerungen der Fans beim Spiel am Mittwoch vorzubeugen.

"Alle sollten es bis morgen verarbeiten und ihre persönliche Enttäuschung hinten anstellen. Wer das nicht kann, sollte seine Karte lieber weitergeben", riet Klopp.

Für Verständnis warb er beim schwarzgelben Anhang auch mit der Personalie Marco Reus, der vor einem Jahr für eine festgeschriebene Ablösesumme von 17,1 Millionen Euro von Borussia Mönchengladbach zum BVB gewechselt war.

"Da haben sie in Gladbach auch keine Freudentänze aufgeführt, aber noch den vierten Platz geholt", forderte er den richtigen Umgang mit der Hiobsbotschaft zur Unzeit.

Kein Vorwurf an die Bayern

"Mario Götze wird uns auch weiterhin helfen, unsere Ziele zu erreichen", kündigte Klopp an. Dass dieses Ziel aktuell das Finale der Königsklasse ist, geriet in dem aus allen Nähten platzenden Presseraum fast in Vergessenheit.

Den Bayern machte Klopp keinen Vorwurf, bewusst diesen ungünstigen Zeitpunkt zur Veröffentlichung des Deals gewählt zu haben.

"So weit geht die Rivalität nicht, uns ein Ei ins Nest zu legen", meinte Klopp, der von einer "Jetzt-erst-Recht-Situation" sprach.

Kämpferisch stellte er klar: "Wer immer wollte, dass wir gestört werden in der Vorbereitung auf dieses Spiel, wird keinen Erfolg haben!"

Appell von Blaszczykowski

Jakub Blasczykowski sprach auf dem Podium dann doch noch über das bevorstehende Semifinale. "Was wir bis jetzt gemacht haben, war überragend. Wir haben kein Spiel verloren. Ich hoffe, das bleibt so."

Blasczykowski appellierte ebenfalls: "Über allem steht der BVB. Ich bin sicher, wir kriegen die Unterstützung unserer Fans."

Während Jürgen Klopp mit einem Seitenblick auf "Kuba" hoffte, dass er noch länger mit dem Kapitän der polnischen Nationalmannschaft zusammenarbeiten werde.

Klopp: "Der will ja nicht zu Pep! Der will bei mir bleiben."

Den (Galgen-)Humor haben sie in Dortmund jedenfalls nicht verloren.

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