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Uli Hoeneß ist seit November 2009 Präsident des FC Bayern © getty

Nach einem Bericht der "Süddeutschen" wurde der Bayern-Präsident im Zuge seiner Steueraffäre vorläufig festgenommen.

Von Christian Paschwitzund Thorsten Mesch

München - Die Steueraffäre Uli Hoeneß wird immer brisanter:

Der Präsident des FC Bayern ist nach einem Bericht der "Süddeutschen Zeitung" am 20. März vorläufig festgenommen worden.

Gegen den 61-Jährigen habe ein Haftbefehl vorgelegen, der gegen Zahlung einer Kaution von fünf Millionen Euro mittlerweile außer Vollzug gesetzt worden sei, hieß es.

Der "dpa" wurde die Meldung aus Justizkreisen bestätigt.

"Es hat eine Hausdurchsuchung bei Hoeneß stattgefunden, auf der der Haftbefehl präsentiert wurde", erklärte Hans Leyendecker, Ressortleiter Investigative Recherche der "SZ", bei Bundesliga Aktuell auf SPORT1.

Auf freien Fuß gegen fünf Millionen Euro Kaution

Das sei ein üblicher Vorgang bei großen Steuerstraftaten.

"Dann hat man sich darauf geeinigt, dass Hoeneß freikommt, dass der Haftbefehl außer Vollzug gesetzt wird und dann ist eine Kaution gezahlt worden in Höhe von fünf Millionen Euro", sagte Leyendecker.

Es habe zudem Meldeauflagen gegeben, "weil der Haftbefehl mit Fluchtgefahr begründet war". Diese Auflagen gebe es nun aber nicht mehr.

Selbstanzeige nicht strafbefreiend?

Hoeneß' Anwalt war für eine Stellungnahme zunächst nicht zu erreichen, auch vom FC Bayern gab es keinen Kommentar zu der neuerlichen Entwicklung.

Nach einer Selbstanzeige im Januar hatte die Staatsanwaltschaft München II Ermittlungen gegen Hoeneß wegen des Verdachts der Steuerhinterziehung aufgenommen.

Laut "SZ" sei die vorläufige Festnahme ein ernster Hinweis, dass die Selbstanzeige des Bayern-Präsidenten möglicherweise nicht strafbefreiend sein könnte.

Hoeneß gegen Barca im Stadion

Am Dienstagabend fuhr Hoeneß um 19.38 Uhr an der Münchner Arena vor, um das Champions-League-Halbfinal-Hinspiel zwischen den Bayern und dem FC Barcelona anzuschauen.

Bereits im Vorfeld stand allerdings fest, dass er sich nicht zu den Vorwürfen äußern würde.

Auch Sportvorstand Matthias Sammer ließ sich nichts entlocken. "Das sind Uli Hoeneß' Angelegenheiten, dazu werden wir uns weiterhin nicht äußern", sagte Sammer zu "Sky".

Beckenbauer: "Ich halte zu ihm"

Von FCB-Ehrenpräsident Franz Beckenbauer bekam Hoeneß Unterstützung.

"Ich habe am Montag versucht, ihn zu erreichen. Er weiß, dass wir, die Jahrzehnte zusammen waren, zu ihm stehen", sagte Beckenbauer über seinen ehemaligen Teamkollegen.

Und ergänzte: "Ich halte zu ihm, egal was passiert. Ganz nach dem Motto 'You never walk alone'. Soviel kann gar nicht passieren, dass wir von ihm abrücken."

Die Börse sei "das Hobby von Uli (Hoeneß)", gewesen, "sein Ausgleich und Spielzeug", erklärte Beckenbauer und betonte. "Uli ist ein anständiger Kerl, der jedem Hilfe gibt, der sie braucht. Uli ist kein Betrüger."

FCB-Präsident will "reinen Tisch machen"

Hoeneß selbst, der angeblich in großem Ausmaß an der Börse spekulieren soll, hatte sich in der "Sport Bild" zu Wort gemeldet: "Ich habe erkannt, dass ich einen schweren Fehler gemacht habe, den ich versuche, mit der Selbstanzeige zumindest halbwegs wiedergutzumachen."

Und weiter: "Ich will reinen Tisch machen. Das Gesetz bietet ja diese Möglichkeit."

Unternehmen schweigen

Noch am Montag hatte Hoeneß angekündigt, vorerst keine Details zu der Steuersache nennen zu wollen: "Ich werde einige Wochen ins Land ziehen lassen, ehe ich mich äußere."

Die mit dem deutschen Rekordmeister verbandelten Unternehmen wie Audi, die Telekom oder Adidas - strengen Compliance-Regeln für ihr Geschäftsgebaren unterworfen - schweigen bisher weitgehend zu dem immer spektakulärer werdenden Fall.

Rücktrittsforderungen an Hoeneß gibt es jedoch aus der Politik.

Bayern-Vize bekundet Treue

Bayerns-Vizepräsident Rudolf Schels indes hatte am Montag dem Bayerischen Rundfunk gesagt: "Als Club stehen wir unverändert zu Uli Hoeneß und wünschen ihm alles Gute für die Klärung der Angelegenheit."

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