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Hans-Joachim Watzke ist seit 15. Februar 2005 Geschäftsführer bei Borussia Dortmund © getty

BVB-Lenker Watzke und andere Bosse kritisieren die Einkaufspolitik der Münchner. Sorgen um die Attraktivität der Liga sprießen.

Von Christian Paschwitz

München - Es war bloß der letzte Satz in der dienstäglichen Pressemitteilung von Borussia Dortmund zum Abgang von Mario Götze zum FC Bayern München.

Doch dieser Satz ließ tief blicken.

"Vom FC Bayern München hat sich bis zum heutigen Tag in dieser Angelegenheit kein Offizieller bei Borussia Dortmund gemeldet", vermeldeten die Schwarz-Gelben vielsagend.

Das aktuelle Transfergebaren des Rekordmeisters sorgt nicht nur in Dortmund für Verstimmung. An mehreren Bundesligastandorten regt sich Unmut.

Watzke enttäuscht von Rummenigge

Besonders groß ist der derzeit offenbar in Dortmund wegen des Ablaufs des Götze-Transfers.

"Was mich enttäuscht hat, war, dass mich Karl-Heinz Rummenigge nach der Zusage von Mario nicht wenigstens angerufen hat", sagte Klub-Boss Hans-Joachim Watzke in der "Bild" und klagte:

"Das wäre stilbildend gewesen. Mir kommt die Kollegialität in der Bundesliga mittlerweile zu kurz."

Aus Rücksicht auf die anstehenden Halbfinalspiel in der Champions League habe man die Einigung mit Götze "erst nach dieser Begegnung gegenüber dem BVB anzeigen" wollen, erklärten die Bayern am Dienstag.

Öffentlich wurde der Wechsel bekanntlich dann doch früher - alleine der starke Auftritt des BVB beim 4:1 gegen Real Madrid verhinderte wohl wütendere Reaktionen von Seiten der Borussia.

Heidel kritisiert Bayern

Die steht mit ihrer Kritik an Rummenigge und Co. aber längst nicht mehr alleine.

"Wie sich die Bayern derzeit verhalten, ist nicht würdig für einen deutschen Meister", sagte Christian Heidel, Manager vom FSV Mainz 05 am Donnerstag auf einer Podiumsdiskussion der "Frankfurter Rundschau".

Damit bezog sich Heidel nicht nur auf den Götze-Transfer. Zudem ist er immer noch verstimmt über die Verpflichtung des Mainzer Jungstars Jan Kirchhoff.

"Irgendwann haben wir erfahren, dass bei den Bayern ein Medizincheck stattfindet. Auf einen kurzen Anruf, dass unser Spieler unter Vertrag genommen wurde, warten wir nach wie vor", erklärte Heidel.

Der Transfer sei zwar völlig korrekt abgelaufen, so der 05-Macher weiter: "Es geht mir nur um den Stil."

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Hübner stimmt Heidel zu

Zustimmung erhielt Heidel auf dem "FR"-Podium vom Frankfurter Kollegen Bruno Hübner. Der wird aller Voraussicht nach Rohdiamant Sebastian Rode nach München abgeben müssen.

"Ich kann nur bestätigen was Christian Heidel sagt: Das ist nicht in Ordnung. Ich weiß von vielen Vereinen, die auch an Rode interessiert waren, sich dann aber ausgeklinkt haben", berichtete er über das machtvolle Auftreten der Bayern auf dem Transfermarkt.

Eine Kontaktaufnahme habe etwas mit Anstand zu tun, befindet Hübner. "Für die Verantwortlichen wäre es nur fair, wenn man es von Bayern München erfährt und nicht aus der Zeitung."

Strutz und Bruchhagen sorgen sich um Wettbewerb

Führende Liga-Köpfe sorgen sich sogar um die Attraktivität der Bundesliga. "Sollen sie andere doch auch einmal wachsen lassen, damit der Wettbewerb fairer wird", forderte Mainz-Präsident Harald Strutz, der auch im Vorstand der DFL sitzt, die Bayern auf.

Kollege Heribert Bruchhagen sieht in den in der kommenden Saison um 200 Millionen Euro steigenden TV-Einnahmen keinen Gleichmacher.

"Das führt zu einer Verstärkung der Positionen. Auch wir festigen unsere Position. Aber im Hinblick darauf, nach oben zu kommen, wird es noch schwieriger. Weil alle, die vor uns stehen, noch mehr vom Mehr bekommen", sagte er.

Heynckes verteidigt Einkaufspolitik

Bayern-Trainer Jupp Heynckes sieht im Vorgehen seines Noch-Klubs nichts Verwerfliches.

"Wir haben in der letzten und in dieser Saison die wirtschaftlichen Voraussetzungen geschaffen, um die Spieler zu holen, die zu uns passen", sagte er:

"Außerdem habe ich immer gesagt: man muss Topspieler einkaufen, die zu unserer Philosophie passen. Vielleicht ist das ja jetzt verinnerlicht worden."

Watzke erinnert an Reus-Transfer

Das Klima innerhalb der Liga war jedenfalls schon mal besser. Die Giftpfeile fliegen vor allem zwischen den Dortmundern und Münchnern, die pikanterweise wohl auch noch am 25. Mai im Champions-League-Finale aufeinander treffen.

Watzke führt den Bayern vor Augen, wie vorbildliche Kommunikation auszusehen habe: "Als wir im vergangenen Jahr den Transfer von Marco Reus abgewickelt hatten, hat unser Manager Michael Zorc sofort bei Gladbachs Sportdirektor Max Eberl angerufen."

Der erklärte seinerzeit zwar, von Vereinsseite nicht über die Verhandlungen informiert gewesen zu sein, ergänzte aber: "Ich stand mit Marcos Berater in sehr engem Kontakt und wusste über die jeweiligen Sachverhalte Bescheid. Ich bin kein Fußballromantiker, sondern Realist. Das Geschäft ist so, wie es ist - und somit ist eben jeder auf seinen Vorteil bedacht."

Heldt will keine Moral-Debatte

Es gibt aber auch andere Stimmen. Schalke-Manager Horst Heldt sieht den Wechsel Götzes nüchterner. "Klar wird das Thema emotional begleitet", sagte Heldt der "Bild". Eine Moral-Debatte sei aber fehl am Platz

"Es ist ein Wechsel, der immer wieder vorkommt. Es gab eine Vertrags-Vereinbarung, unter dem ja einige Unterschriften standen. Da darf man sich nicht wundern, wenn diese Klausel greift."

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