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Uli Hoeneß gewann als Spieler mit dem FC Bayern dreimal den Landesmeister-Pokal © getty

Erstmals regt sich nun offenbar auch interner Widerstand. Mehrere Aufsichtsräte wollen Hoeneß angeblich eine Auszeit nahelegen.

Von Andreas Kloo

München - Uli Hoeneß bläst in der Steueraffäre nun auch innerhalb des FC Bayern München Gegenwind ins Gesicht.

Nach übereinstimmenden Medieninformationen planen mehrere Aufsichtsratsmitglieder der FC Bayern München AG, dem Vorsitzenden Hoeneß den Amtsverzicht nahezulegen.

Zumindest so lange, bis der Vorwurf der Steuerhinterziehung gegen Hoeneß geklärt ist:

"Das wäre doch eine elegante Lösung", wird eine nicht näher definierte Quelle aus dem Umfeld des Aufsichtsrats im "Handelsblatt" zitiert.

Aufsichtsratssitzung dementiert

Zunächst war sogar von einer Aufsichtsratssitzung am Montag berichtet worden, bei dem das Thema zur Sprache kommen sollte. Der FC Bayern dementierte dies aber gegenüber der "Süddeutschen Zeitung".

In dem Gremium sitzen unter anderem die einflussreichen Vorstandsvorsitzenden Herbert Hainer (Adidas), Martin Winterkorn (VW), Rupert Stadler (Audi) und der künftige Telekom-Vorstandsvorsitzende Timotheus Höttges.

Hoeneß nennt möglichen Nachfolger

Mit Winterkorn hat Hoeneß kürzlich sogar selbst einen möglichen Nachfolger als Aufsichtsratsvorsitzenden genannt. "Ihn könnte ich mir als Nachfolger vorstellen", sagt Hoeneß in der aktuellen Ausgabe (Mai) des "Bayern-Journals" über den erfolgreichen Manager.

Kandidat Nummer Eins auf eine Hoeneß-Nachfolge wäre nach SPORT1-Informationen aber der langjährige bayerische Ministerpräsident Edmund Stoiber.

Adidas und Audi sind beide mit ungefähr 9 Prozent an der FC Bayern München AG beteiligt.

VW-Auktionäre machen Druck

Vor allem VW-Tochter Audi gerät unter zunehmenden Druck der VW-Auktionäre, wie am Rande der Aktionärsversammlung am Donnerstag in Hannover deutlich wurde.

"Sobald die Richter ein Strafverfahren auf Antrag der Staatsanwaltschaft zur Hauptverhandlung zulassen, sollte Hoeneß zurücktreten", sagte Ulrich Hocker von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz der "FAZ".

Rummenigge schwört Hoeneß die Treue

Hoeneß selbst will bislang von einem Rücktritt nichts wissen. Die sportliche Führung des Rekordmeisters hält eisern zur Bayern-Gallionsfigur.

Der Vorstandsvorsitzende Karl-Heinz Rummenigge hatte nach der 4:0-Gala gegen FC Barcelona erklärt: "Ich kann, will und werde mir einen FC Bayern München ohne Uli Hoeneß nicht vorstellen."

Die Bayern-Spieler widmeten Hoeneß gar den Sieg.

Seit 1970 ist der 61-Jährige Teil des FC Bayern, erst als Spieler, dann als Manager, nun als Präsident und Aufsichtsratsvorsitzender.

Stellt sich die Frage, wie lange er das letztgenannte Amt behält. Der Druck auf Hoeneß wird zunehmend steigen.

Negative PR für Partner

Das Misstrauensvotum der Aufsichtsräte hatte Compliance-Fachmann Christian Estermaier gegenüber SPORT1 bereits vor einigen Tagen erwartet:

"Ein möglicher Schritt wäre dann letztlich, Herrn Hoeneß die Niederlegung es Aufsichtsratsmandates nahezulegen beziehungsweise ihn zu entfernen. Das ist dann das zentrale Thema, mit dem man sich beschäftigen sollte." (EXKLUSIV: Hoeneß' Furcht vor den Firmenbossen)

Für das Abrücken der Aufsichtsräte von Hoeneß hat Estermaier durchaus Verständnis:

"Man holt sich ja bekannte Persönlichkeiten in die Aufsichtsgremien, um einen positiven Effekt zu erzielen und sich deren Strahlkraft zu Nutze zu machen. Für die Unternehmen Adidas und Audi ist die aktuelle Situation nicht allzu glücklich, da, wie in diesem Fall, negative PR letztendlich auch an deren eigenem Image haften bleibt."

Auch politischer Wirbel

Nicht nur in Wirtschaftskreisen, sondern auch politisch sorgt der Fall Hoeneß zudem für immer mehr Wirbel. Am Mittwoch widmete sich gar der Bundestag in einer Debatte dem Thema.

Die Linke stellte dabei einen Antrag, die Strafbefreiung im Falle einer Selbstanzeige von Steuersündern ganz abzuschaffen. Die überwiegende Mehrheit des Parlaments lehnte den Antrag zwar ab. Dennoch kam es zu heftigen Wortgefechten.

Die CDU/CSU musste sich dabei zu starke Nähe zu Hoeneß vorwerfen lassen.

Der Gegenwind für Hoeneß wird auf jeden Fall schärfer. Es bleibt abzuwarten, wie lange der 61-Jährige dies durchhält.

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