Vor dem Freiburg-Spiel bemüht sich Bayern-Coach Heynckes um Demut. In der Startelf wird er wohl kräftig durchrotieren lassen.

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Vom FC Bayern berichtet Christian Paschwitz

München - Am Ende war Jupp Heynckes das eigentliche Klub-Credo dann doch nicht ganz entfallen.

"Mia san mia", murmelte der Trainer des FC Bayern, als er vom Podium trat.

Mehr jedoch zu sich selbst als zu den Journalisten, die zum Abschluss der Pressekonferenz von Heynckes wissen wollten, ob eine Niederlage im ja recht wahrscheinlichen Champions-League-Finale gegen Erzrivale Borussia Dortmund der Worst Case der Saison wäre.

"Wir müssen erst mal im Finale stehen, weiter denke ich nicht", beschied der 67-Jährige, nachdem er recht ausführlich zur Münchner Bescheidenheit Stellung genommen hatte.

Heynckes' Bescheidenheit

Der deutsche Rekordmeister und bescheiden?

Heynckes' gewähltes Attribut nahm sich irritierend seltsam aus im Zusammenhang mit diesem Klub, der bekanntlich nichts mehr hasst, als die Nummer zwei zu sein.

Vor dem Bundesliga-Vergleich mit dem SC Freiburg (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER) und dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League beim FC Barcelona (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) nahm der Fußball-Lehrer die Aufforderung aber allzu gern auf, das bajuwarische Selbstverständnis in diesen Titelwochen zu erklären.

"Wir bleiben unserer Linie treu"

"Wir sind bescheiden und bleiben unserer Linie treu", antwortete der Coach ganz Gegensätzliches auf die SPORT1-Frage, ob an der Säbener Straße denn nun nicht eher wieder so etwas wie altbekannte Arroganz eingekehrt sei.

Schließlich produziert der FCB dieser Tage Hochkaräter- und Aufreger-Schlagzeilen ohne Ende.

Man nehme nur den Transfer-Coup um BVB-Star Mario Götze, den Poker um dessen Noch-Klubkollegen Robert Lewandowski (Bericht) sowie die Siegesgala im Hinspiel gegen Barca (und blende die Steuer-Affäre von Präsident Uli Hoeneß dabei lieber aus).

Heynckes hält den Ball flach

Doch Heynckes hält den Ball noch flacher, als er es eh schon tut.

"Wir sind gelassen und freuen uns über den Erfolg. Es ist ja nicht alltäglich, im Champions-League-Halbfinale gegen eine absolute Topmannschaft mit 4:0 zu gewinnen", meint er, ungeachtet der beiden Endspiel-Teilnahmen 2010 und 2012.

Und ergänzt: "Auch unsere Führungsetage geht damit gelassen um."

Lerneffekt bei Rib und Rob

Ein wichtiger Grund für den klaren Erfolg gegen Barca war die disziplinierte Defensivarbeit, die sich bis hin zu den Superstars Franck Ribery und Arjen Robben zog.

"Bis zum letzten Jahr haben Franck Ribery und Arjen Robben fast kein Umkehrspiel betreiben müssen. Franck ist ein Mannschaftsspieler, aber er hat das zuvor nie gebraucht und gemacht. Arjen genauso, sie haben nur Einbahnstraßenfußball gespielt", erklärt Heynckes und verpackt damit ein Eigenlob.

Inzwischen hätten Robben und Ribery gelernt, "dass sich der Fußball entwickelt und dass auch sie sich entwickeln müssen".

Großes Lob für Streich

Bescheidenheit auf allen Ebenen. Vor der Partie gegen Freiburg hebt Heynckes deshalb auch die Entwicklung seines Freiburger Kollegen Christian Streich hervor.

"Ich möchte seine überragende Leistung herausstellen. Er macht eine Arbeit, die gar nicht hoch genug zu bewerten ist", sagt der 67-Jährige.

Freiburg mit derlei begrenzten Mitteln auf den fünften Platz zu bringen, sei eine außergewöhnliche Leistung, Streich zudem ein "sehr sympathischer Kollege, der manchmal natürlich auch sehr temperamentvoll ist".

"Barcas Stolz verletzt"

Heynckes selbst dagegen versprüht noch mehr Coolness für den Saison-Endspurt und den Kampf ums Titel-Triple - trotz oder vielleicht auch gerade wegen aller Störgeräusche.

"Der FC Bayern ist ein Klub, bei dem immer wieder alle möglichen Themen auftauchen. Die Spieler nehmen das sachlich und nüchtern wahr. Wir wissen damit umzugehen und lassen uns davon nicht beeindrucken", meint er.

Von Vorfreude auf das vermeintlich schon gebuchte Champions-League-Finale will Heynckes erst recht nichts wissen. "Ich kenne Barcas Mentalität, die sind nun in ihrem Stolz verletzt. Es geht gar nicht, dass wir da nicht mit 100-prozentiger Einstellung ins Spiel gehen", sagt Heynckes.

Der alleinige Rekord winkt

Deshalb wird der Coach gegen Freiburg vermutlich auch eine ziemlich durcheinandergewürfelte Startelf aufbieten. Von den Stammkräften der A-Elf sind wohl nur Mario Mandzukic und Jerome Boateng in der Aufstellung zu erwarten.

Mandzukic soll sich nach seiner Sperre im Halbfinal-Hinspiel gegen Barca Spielpraxis holen.

Denn bei aller Demut: Herschenken will auch Heynckes die Mega-Rekordjagd der Bayern, die bislang alle Rückrundenspiele gewonnen haben, nicht.

Gegen Freiburg reicht den Münchenern ein Unentschieden, um die Bestmarke für die größte Punktausbeute der Bundesliga-Geschichte (bislang 81) nicht mehr mit den Dortmundern teilen zu müssen.

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