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Thomas Schaaf bedankt sich für die Unterstützung seiner Fans © getty

Werder steht am Abgrund, doch der Coach wird bleiben. Sein Chef ist zufrieden - und der Anhang rührt den Coach fast zu Tränen.

Von Stefan Moser

München/Leverkusen - Thomas Eichin hat in seinen 72 Tagen als Geschäftsführer in Bremen schon so manches gesehen.

Nur eines nicht: einen Sieg seiner Mannschaft.

Mit dem unglücklichen 0:1 in Leverkusen erhöhte sich die Negativ-Bilanz auf nun zehn Partien in Folge ohne Sieg. ( 709854 DIASHOW: Der 31. Spieltag )

Damit spielt Werder nicht nur die schlechteste Saison der Vereinsgeschichte, sondern rutscht durch die Siege von Augsburg und Hoffenheim immer tiefer in den Abstiegssumpf.

Trainer Thomas Schaaf wird seit Wochen öffentlich angezählt, das Denkmal an der Weser wackelt.

Eichin stärkt Schaaf

Allerdings nicht bei Thomas Eichin:

"Unsere Marschroute ist, mit Thomas Schaaf die Klasse zu halten und die Saison zu Ende zu bringen", wiederholte er sein wöchentliches Mantra auch am Samstag.

Nur zwei Zähler trennen die Hanseaten noch vom FCA auf dem Relegationsplatz; selbst der direkte Abstieg ist rechnerisch noch möglich, der Vorsprung auf Hoffenheim beträgt drei Spieltage vor Schluss fünf Punkte.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Starke Leistung von Werder

Eichin aber fand dennoch positive Worte.

"Ich bin zufrieden mit der heutigen Leistung. Schade, dass wir nichts mitgenommen haben. Aber Thomas Schaaf ist gestärkt nach diesem Spiel. Weil er gesehen hat, dass die Mannschaft unbedingt etwas machen möchte", sagte der 46-Jährige bei LIGA total!.

In der Tat zeigte Werder gegen den Tabellendritten aus Leverkusen eine disziplinierte und engagierte Leistung.

Vor allem die mit 60 Toren schwächste Defensive der Liga stand über weite Strecken sehr stabil.

Liebeserklärung der Fans

Und während die suspendierten Marko Arnautovic und Eljero Elia zwei Tage vor dem Spiel noch den Gemeinschaftsgeist im Abstiegskampf durch eine nächtliche Spritztour sabotierten, machten am Samstag alle mit.

Auch die weitgereisten Fans.

Während der gesamten zweiten Halbzeit und noch lange nach Abpfiff feierte der gut gefüllte Block Thomas Schaaf mit Sprechhören in einer Endlosschleife.

Die beeindruckende Demonstration der Anhänger rührte selbst den notorisch unterkühlten Trainer.

"In so einer Situation eine derartige Unterstützung zu bekommen, ist einfach großartig", sagte Schaaf mit glänzenden Augen:

"Wir sind enttäuscht über das Ergebnis. Aber wir können stolz sein auf unseren Auftritt, weil wir gezeigt haben, dass wir unbedingt wollen. Und stolz darauf, dass wir dafür so eine Unterstützung der Fans erfahren."

"Trainerwechsel wäre Nonsens"

Sein 642. Pflichtspiel als Werder-Coach war also nicht das letzte - obwohl es auch im Umfeld des Vereins zum "Endspiel" stilisiert wurde.

"Ich selbst habe nie von einem Endspiel gesprochen", wehrte Eichin alle entsprechenden Nachfragen ab:

"Ein Trainerwechsel wäre zum jetzigen Zeitpunkt absoluter Nonsens! Und die Fans sehen das genauso."

Über den Zeitpunkt ließe sich tatsächlich streiten, obwohl gerade Thomas Gisdol beim kommenden Gegner aus Hoffenheim sehr kurzfristig die Wende schaffte.

Außerdem entbehrt es nicht einer gewissen Ironie, dass Schaaf in der Saison 1998/99 just nach dem 31. Spieltag Felix Magath als Trainer beerbte ? und Werder noch vor dem Abstieg rettete.

Wer sollte Werder retten?

Neben der Liebeserklärung der Fans und der durchaus pikanten Vorstellung, als vollkommener Neuling eine lebende Vereinslegende vor die Tür zu setzen, hätte Eichin allerdings noch einen ganz banalen Grund, weiterhin an Schaaf festzuhalten:

Der Trainermarkt bietet im Augenblick keine echte Alternative, auch im eigenen Lager drängt sich kein Kandidat auf.

Nach Lage der Dinge wird Schaaf die Saison also mit Werder zu Ende bringen. Zum welchem Ende auch immer.

Damit würde der 51-Jährige schließlich noch mit einem anderen Werder-Denkmal gleichziehen.

Am 34. Spieltag hätte er genau 480 Bundesligaspiele auf der Bremer Bank absolviert - genauso viele wir Otto Rehhagel.

Kein Kommentar zur nächsten Saison

Ob er König Otto allerdings noch überholen wird, steht auf einem ganz anderen Blatt. Fragen nach den Planungen zur kommenden Saison will Eichin grundsätzlich "nicht beantworten".

Und auch Schaaf selbst wiederholte am Samstag nur die immer gleichen Floskeln:

"Ich habe doch keinen erkennbaren Sprachfehler, oder? Sie können immer wieder nachfragen, aber für mich ist das müßig. Ich habe Vertrag bis 2014."

Und da war der Glanz in seinen Augen auch schon wieder verflogen.