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Uli Hoeneß wechselte 2009 vom Manager-Job ins Präsidentenamt © imago

Mitten hinein in den historischen Arbeitssieg über Freiburg platzen neue Enthüllungen über die Steuer-Affäre von Uli Hoeneß.

Vom FC Bayern berichten Martin Hoffmann und Matthias Becker

München - Es muss eine wohltuende Auszeit gewesen sein für Uli Hoeneß.

Eine halbe Stunde verbrachte der Bayern-Präsident nach dem 1:0-Arbeitssieg seines Teams gegen den SC Freiburg (Bericht) in der Kabine des neuen Deutschen Meisters (709854DIASHOW: Der 31. Spieltag).

Es half wohl, um sich von all den Schlagzeilen um seine Steueraffäre abzulenken.

"Er macht einen guten Eindruck", berichtete Sportvorstand Matthias Sammer hinterher den Medien.

Der nächste Hammer war da schon auf Hoeneß niedergeprasselt.

Neue Enthüllungen in der Steuer-Affäre

Noch während das Freiburg-Spiel lief, veröffentlichte der "Spiegel" über seine Online-Seite die neuesten Enthüllungen über den Fall.

Enthüllungen, die Hoeneß noch mehr als bisher in Bedrängnis bringen.

Stärker als je zuvor steht nun die Wirksamkeit der Selbstanzeige des langjährigen FCB-Managers in Frage - und eine drohende Gefängnisstrafe im Raum.

Denn Hoeneß soll die Selbstanzeige erst auf eine Warnung aus der Schweizer Bank veranlasst haben, auf der er offenbar einen Millionen-Betrag lagerte, den er den deutschen Steuerbehörden vorenthielt.

Wurde Hoeneß gewarnt?

"Da stellt einer blöde Fragen, nur dass Sie es wissen", soll Hoeneß von einem Bankmitarbeiter zugeflüstert bekommen haben.

Es ging um einen "Stern"-Reporter, der über ein Schweizer Konto eines Sportprominenten recherchierte - wobei es ironischerweise womöglich gar nicht um Hoeneß ging.

Hoeneß, der eine Selbstanzeige ohnehin vorhatte, wurde demnach aufgeschreckt und soll daraufhin veranlasst haben, besagte Anzeige binnen weniger Tage zu verfassen.

Selbstanzeige womöglich unwirksam

Diese war womöglich ein verhängnisvoller Schnellschuss: Hoeneß habe die Selbstanzeige laut "Spiegel" nach einer Hausdurchsuchung nachbessern müssen.

Die ursprüngliche Selbstanzeige sei prinzipiell plausibel gewesen, aber nicht detailliert genug.

Das droht, sie unwirksam zu machen, eine Gefängnisstrafe wäre dann wegen der Millionensumme, um die es gehen soll, wohl unvermeidlich.

Keine Antworten zu den Trubel-Themen

Die Hoeneß-Affäre schwebt vor dem Halbfinal-Rückspiel in der Champions League gegen Barcelona (Mi., ab 20.15 Uhr im LIVE-TICKER) also bedrohlich weiter als dunkle Wolke über den Bayern.

Dabei hatten sie nach Pflichterfolg gegen Freiburg ihr Bestes getan, um all die unangenehmen Themen von sich fernzuhalten.

Fragen nach der Affäre Hoeneß? Keine Antwort. Fragen nach dem Mario-Götze-Deal? Keine Antwort. Fragen nach dem Poker um Robert Lewandowski? Keine Antwort.

Die neue Affäre um die angeblich nicht verzollten Luxusuhren von Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge? Keinerlei Kommentar, selbstredend.

Ribery mahnt

Die wenigen Bayern, die überhaupt mit den Medien sprachen, lenkten den Blick dorthin, wo er sportlich gesehen hin muss: auf Barcelona.

"Wir sind noch nicht fertig", mahnte der spät eingewechselte Franck Ribery trotz der 4:0-Gala im München: "In Nou Camp ist es sehr schwierig. Wir müssen so spielen wie im Hinspiel."

Als Generalprobe für die zweite Begegnung taugte Freiburg nur bedingt, rotierte Jupp Heynckes doch bis auf Jerome Boateng die komplette Barca-Startelf aus der Mannschaft.

191 Millionen auf der Bank

"In dieser Phase der Saison dauert Regeneration länger und ich habe den Luxus, dass ich durchwechseln kann", begründete der Coach.

Eine 191 Millionen Euro teure Ersatzbank - plus die auch nicht billigen Tribünenhocker Lahm, Schweinsteiger und Müller - sah also zu, wie die zweite Garde den Rekord für die beste Punktausbeute der Ligageschichte brach (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

84 Zähler hat der FCB nun, die erst ein Jahr alte Bestmarke der entthronten Dortmunder ist damit auch gefallen.

"Der ist mir sehr wichtig" bekannte Sammer: "Ich habe immer das Gefühl, das sowas als völlig normal angesehen wird. Ich finde es aber wunderbar."

Cans nachträgliche Tor-Premiere

Möglich machte Sammers Glücksgefühl das Talent Emre Can, dessen wohlfrisierte Haarspitzen einen Freistoß von Xherdan Shaqiri zum 1:0 ins Netz lenkten.

Erst im Nachhinein wurde Can sein erstes Bundesliga-Tor offiziell zugesprochen.

In die Barca-Startelf wird ihn der Treffer nicht befördern, Heynckes machte bei LIGA total! deutlich, dass er trotz des scheinbar komfortablen Vorsprungs die "bestmögliche Mannschaft" nominieren will.

Gelbe Gefahr? Heynckes wiegelt ab

Auch die drohenden Gelbsperren für das Finale - betroffen sind Lahm, Schweinsteiger, Martinez, Dante, Luiz Gustavo und Gomez - halten ihn nicht davon ab:

"Die Spieler müssen eben sehr diszipliniert spielen, das heißt keine Gesten, keine unnötigen Fouls und sich nicht provozieren lassen. Das ist entscheidend!"

Das Ressourcenschonen behielt sich Heynckes für Freiburg vor - und nahm damit in Kauf, dass die durchrotierten Bayern diesmal keine Gala hinlegten.

Und dass der eigene Torrekord von 1972 (101 Treffer, aktuell 90) nun womöglich nicht mehr fällt.

Vereinzelte Pfiffe

Den Coach störte das nicht ("Es war nicht brillant, aber trotzdem gut"), vereinzelte Fans offenbar schon:

Sie bedachten die nun beste Bundesliga-Mannschaft aller Zeiten wegen ihrer etwas bemühten Vorstellung mit Pfiffen, allen Ernstes.

Andere Leute haben in diesen Tagen größere Probleme. Uli Hoeneß im Speziellen.

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