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Uli Hoeneß ist bereits seit über 40 Jahren für den FC Bayern aktiv © getty

Der Aufsichtsrat geht auf Distanz zum FCB-Präsidenten und tagt kommende Woche zum Fall. Zwanziger tadelt seinen alten Gegner.

München - Kein Tag ohne neue Details in der Steuer-Affäre Uli Hoeneß. Eigentlich kaum eine Stunde.

Wie die "Sport Bild Plus" am Sonntagabend berichtete, soll der Aufsichtsrat des FC Bayern München am 6. Mai über die Zukunft des FCB-Präsidenten entscheiden. Die Luft scheint immer dünner für den 61-Jährigen zu werden.

Zuvor hatten vermeintlich neue Enthüllungen für Wirbel gesorgt: Wie der "Focus" berichtete, soll die bayerische Justiz bereits im Sommer 2012 von seinem Konto in der Schweiz erfahren haben. Hoeneß' Name sei auf einer Steuer-CD aufgetaucht, die das Bundesland Nordrhein-Westfalen aufgekauft hatte.

Dementi der Anwälte

Dieser Darstellung widerspricht die Bochumer Staatsanwaltschaft jedoch.

"Das trifft nicht zu. Auf der Steuer-CD, die die Staatsanwaltschaft Bochum bearbeitet, findet sich der Name Hoeneß nicht", erklärte die Behörde auf Anfrage der Nachrichtenagentur "dpa".

Laut "Focus" durchsuchte die Staatsanwaltschaft am 20. März nicht nur Hoeneß' Anwesen am Tegernsee, sondern auch drei Stunden lang sein Büro in der Zentrale des FC Bayern an der Säbener Straße.

Audi-Boss geht auf Distanz

Derweil geht das erste Aufsichtsratsmitglied des Klubs öffentlich auf Distanz zu Hoeneß: Rupert Stadler, Vorstandschef von Bayern-AG-Teilhaber Audi und zugleich Stellvertreter von Hoeneß im Kontrollgremium des FCB:

"Audi ist der Überzeugung, dass nachhaltiger wirtschaftlicher Erfolg nur sichergestellt werden kann, wenn Regeln und Normen konsequent befolgt werden. Wir stehen für ein achtbares, ehrliches und regelkonformes Verhalten im Geschäftsalltag", ließ Stadler der "Bild" mitteilen.

Im Aufsichtsrat der FC Bayern München AG, dessen Vorsitz Hoeneß selbst innehat, sitzen neben Stadler zudem Herbert Hainer (Adidas), Timotheus Höttges (Telekom), Karl Hopfner (Vizepräsident FC Bayern), Helmut Markwort ("Focus"-Herausgeber), Dieter Rampl (UniCredit Group), Edmund Stoiber (Bayrischer Ministerpräsident a.D.) und Martin Winterkorn (Volkswagen).

Alte Gegner melden sich zu Wort

Am Sonntag äußerte sich zudem Theo Zwanziger.

Der ehemalige DFB-Präsident und nicht gerade als Hoeneß-Freund bekannt, sagte bei "sky 90": "Das ist ein Verhalten, das man nicht bagatellisieren darf. Es ist nicht nur ein Fehler, es ist schon eine kriminelle Handlung, die dort begangenen worden ist."

Dennoch fand Zwanziger auch freundliche Worte. "Es wäre schade, wenn Uli Hoeneß vor dem Champions-League-Finale sein Präsidentenamt ruhen lassen würde. Das ist ein Stück Krönung seines Lebenswerkes."

Selbstanzeige unwirksam?

Schon am Samstag hatte der "Spiegel" neue Details über den Fall Hoeneß berichtet.

Demnach soll dieser die Selbstanzeige erst auf eine Warnung aus der Schweizer Bank veranlasst haben, ein Mitarbeiter habe den Bayern-Präsidenten über einen Reporter informiert, der "blöde Fragen" gestellt habe.

Hoeneß habe die ohnehin geplante Selbstanzeige daraufhin schnell zusammenstricken lassen - und diese später nach einer Hausdurchsuchung nachbessern müssen.

Dies könnte die Selbstanzeige unwirksam machen. In diesem Fall würde Hoeneß sogar eine Gefängnisstrafe drohen.

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