Trainer-Kandidat Effenberg stößt bei Schalke auf Vorbehalte. SPORT1-Experte Thon und Netzer trauen ihm den Job allerdings zu.

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Von Reinhard Franke und Martin Hoffmann

München - Es wäre jedenfalls der Trainer-Hammer schlechthin - wenn Bayern mit der Verpflichtung von Pep Guardiola nicht schon so hart zugeschlagen hätte.

Stefan Effenberg soll laut "Bild" Top-Kandidat bei Schalke 04 sein. Und weder Effenberg noch die Königsblauen wirken dem Gerücht entgegen.

Der ehemalige "Cheffe" des Rekordmeisters als Coach beim Meister der Herzen? Eine Vorstellung, die die Fans spaltet: "Schalke braucht mehr Effenberg, muss wieder geil aufs Siegen sein", findet ein SPORT1-User. Eine Mehrheit von 70 Prozent meint im SPORT1-Trend dagegen: Effe ist nicht der Richtige für S04 (Stand Montag, 19 Uhr).

Auch Thomas Berthold zeigt sich in seiner Kolumne skeptisch, findet das Risiko mit Effenberg, der noch nie einen Klub trainiert hat, "sehr hoch".

Thon traut es Effe zu

Ein anderer SPORT1-Experte, der wie Berthold mit Effenberg bei Bayern und in der Nationalmannschaft gespielt hat, ist wohlwollender.

"Es ist schwer zu sagen, ob er zu Schalke passt", meint S04-Idol Olaf Thon: "Er hat aber schon großes Stehvermögen in schwierigen Situationen gezeigt und ich würde ihm das durchaus zutrauen."

Thon lässt sich in seinem Urteil dabei nicht davon beeinträchtigen, dass sein Verhältnis mit Effenberg zwischendurch "mal nicht so gut" war: "Reibung erzeugt Wärme. Er war aufstrebend und hat immer versucht seinen Kopf durchzusetzen. Da hat man sich auch immer mal gefetzt, aber das gehört dazu."

Netzer stimmt zu

Effenberg habe es immer geschafft "als Leader voran zu gehen", nun sei er ein "junger, aufstrebender Trainer, der auch medial eine gute Figur macht."

Wie schon in der vielbeachteten Diskussion um den Spielstil von Bastian Schweinsteiger liegt Thon in der Effe-Frage auf einer Linie mit DFB-Legende Günter Netzer.

"Er hat Kenntnis, er hat Ehrgeiz und er hat den Biss", sagt Netzer bei "Sky Sport News HD": "Das bedeutet aber nicht automatisch, dass man Erfolg haben muss. Es spricht für das Selbstvertrauen von Stefan Effenberg, dass er sich eine solche Aufgabe zutraut."

Netzer glaubt, dass sich eine "mutige Entscheidung" für Effenberg auszahlen könnte: "Viele sind durch ihren Mut belohnt worden, und warum nicht mit Effenberg anfangen?"

Heldt bestreitet Gespräche nicht

Schalke-Manager Horst Heldt scheint das jedenfalls ernsthaft zu erwägen, nannte Effenberg bei "Sky" vielsagend einen "Trainer der Zukunft".

Gespräche mit Effenberg, die bereits stattgefunden haben sollen, bestritt der Manager ebenso wenig wie Effenberg ("Ich beteilige mich nicht an Spekulationen").

Schalker Faible für Ex-Bayern

Das Faible für Ex-Bayern ist auf Schalke kein neues. Schon 2009 wollte Tönnies Bayerns Torwart-Legende Oliver Kahn für den Manager-Posten verpflichten. Es gab Verhandlungen, doch am Ende sagte Kahn ab.

Zum großen Bedauern von Tönnies: "Er wäre sicher ein großer Gewinn für Schalke gewesen."

Auch Effenberg, den Kahn in seinem "Bild"-Blog als geeigneten Mann für Schalke hält, soll nach Huub Stevens' Entlassung schon einmal Kandidat gewesen sein. Es wurde dann stattdessen Jens Keller, der aber nur bis Saisonende unter Vertrag steht.

Keller flachst

Nach einem bekannt problematischen Start hat Keller die "Knappen" wieder in die Erfolgsspur gebracht. Nach dem 4:1 gegen den HSV am Sonntag ist er mit Schalke auf bestem Weg in die Champions-League-Qualifikation (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Unmittelbar nach Schlusspfiff ploppte dann das Effenberg-Gerücht auf.

Grund zum Ärger? Wenn, dann lässt ihn sich Keller nicht anmerken. "Vielleicht sitzt er neben Armin Veh, der wurde hier ja auch schon fast als Trainer vorgestellt", scherzt der Coach.

Wahl zwischen Bayern und Schalke

Tatsächlich kann es Effenberg noch zu einem anderen Klub ziehen, wie Thon weiß: "Effenberg ist ja bei Bayern als U-23-Trainer im Gespräch."

Thon denkt allerdings, dass sein Ex-Teamkollege die Schalker vorziehen würde: "Das ist natürlich eine ganz andere Hausnummer und wenn er diese Möglichkeit hat, wird er sie auch nutzen."

Kellers Zukunft wäre in dem Fall ungewiss. Immer wieder hat er zwar erklärt, dass er sich eine Rückkehr in den Schalker Jugendbereich vorstellen kann. Thon aber glaubt nicht daran, "weil da alle Stellen besetzt sind".

Schwer vorstellbar auch, dass Keller Effenbergs Co-Trainer wird - auch wenn die beiden sich womöglich gut ergänzen würden: Effenberg fehlt für Kritiker die Erfahrung und der Stallgeruch, Keller die Ausstrahlung. Zusammen könnten sie ihre jeweiligen Schwächen ausgleichen.

Keller nicht attraktiv genug?

Heldt bremst derlei Spekulationen ein: "Man vergisst halt, dass wir aktuell einen Trainer haben, der gute Arbeit leistet. Vielleicht ist er für den einen oder anderen nicht attraktiv genug."

Intern gebe es eine Tendenz, so Heldt. "Dabei bleibt es, und die hat sich heute nicht verschlechtert."

Man müsse gleichwohl "immer in verschiedene Richtungen denken".

Sollte Keller auf der Zielgeraden noch straucheln, geht es wohl eher in Richtung Effenberg.

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