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Uli Hoeneß ist bereits seit über 40 Jahren für den FC Bayern aktiv © getty

Der Bayern-Präsident geht in seiner Steuer-Affäre in die Offensive. Derweil soll der Wunsch nach seinem Rückzug lauter werden.

Von Martin Hoffmann

München - Günther Jauch diskutierte zum zweiten Mal, Stefan Raab zog nach. Peer Steinbrück unterhielt sich ebenso mit wie Theo Zwanziger, Gregor Gysi und Thomas Gottschalk.

Den ganzen Sonntagabend konnte Uli Hoeneß dabei zuschauen, wie in den Talkshows über seine Verfehlungen debattiert wurde. Einen Tag wird der Blick auf die Verfehlungen anderer: Wegen des Bekanntwerdens der Steuer-Affäre ist Strafanzeige gegen Beamte der Münchener Staatsanwaltschaft gestellt worden.

Anders als ursprünglich gemeldet, steckt dahinter aber offenbar nicht Hoeneß selbst, sondern eine nicht von ihm beauftragte Anwaltskanzlei - die ein Zeichen gegen "parteiische Strafverfolgung nach US-amerikanischem Vorbild" setzen will.

Ein Schritt, der die Ermittler in die Defensive bringt - in der sich zunehmend aber auch Hoeneß befindet.

"Bis dahin passiert überhaupt nichts"

Immer lauter wird vor und hinter den Kulissen die Frage gestellt, ob sich der Präsident und Aufsichtsratschef des FC Bayern in seinen Ämtern halten kann.

Gerüchte, das darüber eine außerordentliche Sitzung der Bayern-Aufseher am heutigen Montag entscheiden soll, haben sich nicht bewahrheitet.

Hoeneß selbst weist sie nun in der "Süddeutschen Zeitung" endgültig zurück: "Das ist totaler Blödsinn. Die nächste Aufsichtsratssitzung findet wie geplant am 6. Mai statt, das steht schon seit vorigem November fest - und bis dahin passiert überhaupt nichts."

Der kommende Montag, 6. Mai, an dem die nächste reguläre Aufsichtsratssitzung stattfindet, ist folglich das Datum, auf das sich alle Blicke richten - und eine Menge Geraune:

Laut "Bild" wünschen sich mehrere Mitglieder des Aufsichtsrats einen "möglichst raschen Rückzug". Hoeneß solle seine Ämter mindestens ruhen lassen.

Audi-Boss auf Distanz

Rupert Stadler, Vorstandschef des Bayern-AG-Teilhabers Audi, hatte schon am Wochenende Distanz durchblicken lassen mit der Feststellung, dass es seinem Unternehmen wichtig sei, dass "Regeln und Normen konsequent befolgt werden".

Hoeneß, der per Selbstanzeige eingeräumt hat, auf einem Schweizer Konto einen angeblichen Millionenbetrag vor dem deutschen Fiskus verborgen zu haben, hat das offensichtlich nicht.

Ein Umstand, der neben Stadler auch die anderen Aufsichtsräte beschäftigen muss, sind es doch Führungskräfte mächtiger und auf ihr Image bedachter Großkonzerne: VW, Telekom, UniCredit, Adidas.

Nachfolge-Kandidat? Beckenbauer dementiert

Direkt zitieren lassen will sich keiner von ihnen, niemand wolle als "Königsmörder" dastehen. Die Wortwahl zeigt schon, wie weit es gekommen ist.

Längst wird über mögliche Nachfolger in einem oder beiden Ämtern debattiert: Ehrenpräsident Franz Beckenbauer wird genannt, ließ das Gerücht am Sonntagabend aber bei "Sky" zurückweisen.

In weiteren Gedankenspielen kommen VW-Chef Martin Winterkorn und nach SPORT1-Informationen auch der frühere Ministerpräsident Edmund Stoiber vor ? beide gehören zu Bayerns Aufsichtsrat.

Telefone abgehört?

Hoeneß selbst hat einen Rücktritt ausgeschlossen, nicht aber das Ruhenlassen seiner Ämter, bis die anwaltlichen Ermittlungen Klarheit schaffen, ob er durch seine Selbstanzeige um eine Strafe herumkommt oder im schlimmsten Fall mit Gefängnis rechnen muss.

Bis zur Entscheidung am 6. Mai ist täglich weiter mit der Enthüllung neuer Details zu rechnen. Zuletzt legte der "Focus" nach, berichtete, dass Hoeneß' Telefone zeitweise von den Ermittlern abgehört worden seien.

Und dass bei der Hausdurchsuchung am 20. März auch Hoeneß' Safe aufgebrochen worden sei ? weil Hoeneß keinen Schlüssel für die Fahnder parat gehabt hätte.

Keine Auflagen mehr

Die Durchsuchung ging nach übereinstimmenden Medienberichten mit einem Haftbefehl und einer Festnahme einher, Hoeneß soll gegen eine Kaution von fünf Millionen Euro auf freiem Fuß sein.

Laut "Süddeutsche Zeitung" sind Hoeneß' Meldeauflagen am vergangenen Dienstag zurückgezogen worden, er hat seinen Pass zurück.

Er kann daher in Barcelona beim Rückspiel des Champions-League-Halbfinals dabei sein.

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