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Fred Rutten (r.) kam vor der Saison von Twente Enschede nach Schalke © getty

Schalke Präsident Josef Schnusenberg kündigt nach dem verpassten Derby-Sieg "moderate Einschnitte" an - und hofft auf den Pokal.

Gelsenkirchen - Ein bisschen Frieden, aber immer weniger Hoffnung:

Das Revierderby mit einem Traumtor, aber ohne Happy End hat die erhitzten Gemüter bei Schalke 04 zwar zunächst ein wenig beruhigt, die Saisonziele aber in weite Ferne gerückt. (zum Spielbericht)

Die vollmundig angekündigte Aufholjagd scheint beendet, bevor sie begonnen hat, und allmählich befassen sich die Königsblauen mit dem Gedanken, ab Sommer erstmals seit 2000 nicht im Europapokal vertreten zu sein.

"Wir müssen ja Plan B haben", sagte Präsident Josef Schnusenberg nach dem 1:1 (1:0) im 133. Duell mit Borussia Dortmund und kündigte wirtschaftliche Konsequenzen an.

"Wir haben uns ja schon eingeschränkt", erklärte der Vorstandschef und verwies auf die Abgänge von Fabian Ernst, Albert Streit, Ze Roberto, Peter Lövenkrands und Gustavo Varela in der Winterpause, die den 55 Millionen Euro schweren Personaletat bereits deutlich entlasteten.

"Moderate Einschnitte" notwendig

Dennoch seien weitere "moderate Einschnitte" notwendig, kündigte Schnusenberg an. Ein entsprechendes Konzept, das stärker auf junge, günstigere Spieler setzt, hat der umstrittene Manager Andreas Müller vorgelegt.

"Es ist nun wichtig, die neue Saison strategisch vorzubereiten", sagte der Ex-Profi. Ob er es allerdings in den kommenden Wochen und Monaten selbst umsetzen darf, ist nach dem verpassten Befreiungsschlag gegen den BVB genauso offen wie vorher.

Der Aufsichtsrat macht Müllers Zukunft von sportlichen Erfolgen abhängig - und sich selbst Gedanken über Alternativen.

Qualität reicht nicht

Denn auch gegen ersatzgeschwächte Dortmunder reichte die Qualität der zweitteuersten Bundesliga-Mannschaft, die Müller unter anderem mit den Einnahmen aus zwei Champions-League-Teilnahmen in den vergangenen drei Jahren zusammengestellt hat, nicht zum dringend notwendigen Sieg. (DATENCENTER: Kader Schalke)

Nach Kevin Kuranyis "Weltklassetor" (Trainer Fred Rutten) und engagierter, spielerisch durchaus ansprechender Leistung in der ersten Halbzeit ließen sich die Königsblauen wie schon beim 1:2 im kleinen Revierderby eine Woche zuvor beim VfL Bochum das Spiel noch aus der Hand nehmen.

Selbst Dopingkontrolle misslingt

Der Ausgleich durch den eingewechselten Mohamed Zidan (81.) war die logische Konsequenz aus dem freiwilligen Rückzug in die eigene Hälfte nach der Pause.

Die von Rutten propagierte Spielkontrolle misslang zum x-ten Mal in dieser Saison, auch weil bei Kuranyi (Spielerportrait), der die Riesenchance zum 2:0 ausließ (60.), nach dem Traumtor zu Beginn nichts mehr lief.

Das merkte der Ex-Nationalspieler sogar noch Stunden nach dem Spiel, als es auch bei der Dopingkontrolle nicht reichte.

"Ich habe genau 75 Milliliter geschafft, aber neuerdings müssen es 90 sein", berichtete der oft kritisierte Stürmer, als er um Mitternacht endlich aus dem Kabinengang kam.

Schalke setzt weiter auf Parolen

Man müsse nun den Kopf hochhalten, sagte Kuranyi und wiederholte damit die Parolen der vergangenen Wochen.

Auch Schnusenberg wollte trotz Platz neun nach 21 Spieltagen noch keinen Schlussstrich unter die verkorkste Saison ziehen.

"Es wird natürlich immer schwerer, aber wir haben ja noch zwei Chancen, international zu spielen", meinte der Präsident und verwies neben der Bundesliga auf den DFB-Pokal, in dem Schalke noch zwei Siege zum Finaleinzug fehlen.

Elf Remis nerven Klopp

Diese Chance hat der BVB nicht mehr, der zwar weiter einen Punkt vor dem Erzrivalen liegt, die internationalen Plätze aber ebenfalls mit dem Fernglas suchen muss.

Auch wenn Trainer Jürgen Klopp sich über den Zähler auf Schalke freute, so nervt ihn doch die Bilanz von elf Remis.

"Wir müssen aufpassen, dass uns die Unentschieden nicht so ankotzen, dass wir am Ende verlieren", meinte der BVB-Coach.

Boatengs Foul zwingt Rutten zum Glück

Im Gegensatz zu seinem Schalker Kollegen hatte Klopp entscheidend ins Spiel eingegriffen. Nach extrem vorsichtigem Beginn mit Alexander Frei als einziger Spitze wechselte er nach der Pause Zidan ein und wurde mit dem Ausgleich belohnt.

Rutten zwang die frühe Verletzung von Mladen Krstajic, entstanden nach einem rüden Foul von Kevin-Prince Boateng, das für reichlich Diskussionen sorgte, regelrecht zu seinem Glück, denn der eingewechselte Halil Altintop bereitete Kuranyis Traumtor vor.

Als seinem Team am Ende das Spiel aus der Hand glitt, reagierte der Niederländer nicht - und wirkte nicht zum ersten Mal rat- und hilflos

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