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Josip Simunic (r.) kam 2000 vom Hamburger SV nach Berlin © imago

Nach der Niederlage in Wolfsburg geht nicht nur Josip Simunic auf Schiedsrichter Kircher los. Sind die "Wölfe" reif für den Titel?

Von Felix Götz

Wolfsburg - Nachdem Hertha BSC durch die 1:2-Pleite beim VfL Wolfsburg die Tabellenführung verspielt hatte und auf Rang zwei abgerutscht war, gingen die Berliner auf Schiedsrichter Knut Kircher los. (Spielbericht)

"Was soll ich da noch sagen? Es tut mir leid, aber nur ein blinder Mann sieht das nicht", wetterte Josip Simunic.

Die Wortwahl des Kroaten war sicherlich nicht korrekt, aber grundsätzlich war der Ärger des Innenverteidigers nachvollziehbar.

Dem 2:1-Siegtreffer der "Wölfe" in der 84. Minute war ein eindeutiges Foul von Torschütze Edin Dzeko an Simunic vorausgegangen.

"So zu verlieren ist bitter"

"Wenn man das erste Tor nicht gibt, dann darf man das zweite auch nicht geben", war auch Hertha-Kapitän Arne Friedrich mit der Entscheidung des Schiedsrichters nicht einverstanden und spielte auf eine knifflige Szene im ersten Durchgang an. 70502(Die Bilder des Spieltags)

Da köpfte Cicero nach einer Ecke den Ball an Andre Lenz vorbei ins Tor, der den am Knie verletzten Diego Benaglio vertrat.

Der Treffer wurde jedoch nicht gegeben, weil Rodnei Wolfsburgs Verteidiger Alexander Madlung leicht behinderte. Eine knifflige, wenn auch vertretbare Entscheidung von Kircher.

Schwache erste Hälfte

Die Niederlage nur am Schiedsrichter festzumachen, wäre indes zu billig. Denn in der ersten Halbzeit bot die Hertha eine Leistung, die einem Tabellenführer nicht würdig war.

Viel zu behäbig trug das Team von Trainer Lucien Favre seine Angriffe vor - meist scheiterten diese bereits wegen einem der zahlreichen Fehlpässe im Mittelfeld. (DATENCENTER: Ergebnisse)

Berlin hatte nur Glück, dass die "Wölfe" einen ähnlich miserablen ersten Durchgang boten. So ging es mit einem gerechten 0:0 in die Kabine. (DATENCENTER: Trainerportrait)

Lenz ist erleichtert

In der zweiten Hälfte überschlugen sich ab der 62. Minute dann die Ereignisse: VfL-Keeper Lenz beförderte den Ball mit einem Abwurf unglücklich direkt in die Beine von Patrick Ebert.

Der Mittelfeldspieler flankte sogleich herrlich auf Cicero, und der Brasilianer köpfte eiskalt zur Führung ein.

"Das war eine Unstimmigkeit zwischen mir und Marcel Schäfer. Kompliment an die Mannschaft, dass sie dann so eine Moral bewiesen hat", war Lenz nach der Partie sichtlich erleichtert.

Favre ist selbstkritisch

Allerdings verspielten die Berliner danach den möglichen Sieg. "In der zweiten Halbzeit waren wir eigentlich die bessere Mannschaft, haben nach dem 1:0 aber zu kompliziert gespielt. Wir haben Wolfsburg wieder stark gemacht. So fällt es schwer, diese Niederlage zu akzeptieren", analysierte Hertha-Coach Lucien Favre.

Und weiter: "Wir dürfen die Schuld nicht beim Schiedsrichter suchen." Die Wende leiteten aber in erster Linie nicht die Berliner ein, sondern VfL-Coach Felix Magath.

Der 55-Jährige nahm im Vergleich zur 0:2-Niederlage im UEFA-Cup in Paris auf vier Positionen Veränderungen vor und sorgte mit seinen Einwechslungen von Debütant Alexander Esswein und dem Japaner Yoshito Okubo für frischen Wind.

Magath rotiert

"Unser Sieg ist nicht unverdient. Nach dem 0:1 haben wir viel Druck gemacht und unsere Chancen genutzt. Offensichtlich ist es so, dass wir nach Rückständen immer in der Lage sind, aufs Tempo zu drücken", sagte Magath.

Das heimstärkste Team der Liga kann jedoch nicht nur Rückstände drehen, sondern hat mittlerweile einen Kader, der auch in der Breite für höhere Aufgaben in Frage kommt. Das bewies Magaths erfolgreiche Rotation.

"Wölfe" reif für den Titel?

Stellt sich die Frage, wo der Weg der Wolfsburger in dieser Saison noch hinführt. Ist der VfL schon reif für den Titel?

Immerhin stoßen mit Grafite und Ashkan Dejagah in absehbarer Zeit noch zwei absolute Leistungsträger zurück zur intakten Mannschaft.

Und Stürmer Dzeko, der bereits zehn Tore auf dem Konto hat, befindet sich seit längerem in Galaform. Zudem spielen die "Wölfe" zuletzt konstant, während die favorisierten Teams an der Spitze um die Wette stolpern.

Ziel bleibt unverändert

Magath hält den Ball allerdings flach. Für ihn ist weiterhin "Platz fünf das Ziel" - auch wenn die "Wölfe" nur noch vier Punkte Rückstand auf Spitzenreiter Hoffenheim haben.

Nächste Woche beim Hamburger SV, dem einzigen Team, dass am Sonntag (ab 16.30 Uhr LIVE) in Leverkusen auf sechs Punkte davonziehen könnte, bietet sich Wolfsburg jedenfalls eine riesige Chance.

Mit einem Sieg würden die Niedersachsen in den Kreis der Titelanwärter stoßen.

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