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Mark van Bommel (l.) diskutierte noch nach der Partie mit Schiedsrichter Babak Rafati © getty

Nichts ist es mit der Tabellenführung: Die Münchner unterliegen Köln und klagen über den Schiedsrichter und die eigene Abwehr.

Von Mathias Frohnapfel und Christian Paschwitz

München - Es war der x-te Big Point, den die Münchner in dieser Saison vergeben haben. Ein Sieg gegen Köln, und Bayern wäre da gewesen, wo sich die Roten selbst am liebsten sehen: an der Tabellenspitze.

Doch von dort grüßt nun wieder 1899 Hoffenheim (zur Tabelle) .

Und die Bayern-Bosse suchen händeringend nach Erklärungen für die 1:2-Pleite gegen die Rheinländer (Tore: Daniel van Buyten - Fabrice Ehret, Daniel Brosinski). ad

Heftiges Programm folgt

Vorstandsvorsitzender Karl-Heinz Rummenigge bemühte sich dabei, möglichst gelassen zu wirken.

Schließlich wollen die Münchner schon am Aschermittwoch in der Champions League bei Sporting Lissabon bestehen, danach geht es nach Bremen und im DFB-Pokal zu Bayer Leverkusen.

Ein deftiges Programm, vor dem man die recht leblos wirkende Mannschaft nicht noch mehr verunsichern möchte (zum Spielbericht: FC stürzt Bayern in die Krise).

Bayern ärgern sich über Schiedsrichter-Pfiff

"Wir hatten heute einen schlechten Tag, haben ohne Frage in der Abwehr nicht gut ausgesehen", sagte Rummenigge, während in den Oberrängen die FC-Fans noch immer glückselig in ihren schrillen Kostümen jubilierten. Es war ein Karnevalssamstag ganz nach ihrem Gusto.

Rummenigge konnte sich aber einen Hinweis auf Schiedsrichter Babak Rafati und seine Assistenten nicht verkneifen.

Das nicht gegebene Tor von Miroslav Klose (13.) ärgerte die Bayern gewaltig. "Ich weiß nicht, warum die Linienrichter beim FC Bayern die Fahne zu schnell, vorschnell heben."

Bestätigung von Amerell

Rummenigge reihte die Fehlentscheidungen in eine Kette ein. "Das war in Hamburg schon der Fall, heute wieder. Irgendwann muss man auch mal von den Leuten eine Fehlerquote einfordern. Wenn ein Spieler einen Meter nicht abseits ist, das sieht man doch. Auch der Herr Amerell (DFB-Schiedsrichtersprecher, Anm. d. Red.) hat mir in der Halbzeit bestätigt, dass es ein Fehler war."

Uli Hoeneß dürfte sich ebensowenig am Rosenmontag mit dem Schiedsrichter-Gespann auf ein Gläschen verabreden. "Das Klose-Tor war total korrekt, das war nicht knapp nicht abseits, sondern ein Meter nicht", schimpfte er.

Mängel in der Abwehr

Jedoch musste auch der Bayern-Manager im Bauch der Allianz Arena anerkennen, dass "wir schlecht gespielt haben".

Vor allem in der Abwehr liefen die Innenverteidiger Daniel van Buyten und Martin Demichelis oft so wild durcheinander, als ob sie eher an einer Karnevals-Polonaise denn an einem Fußballspiel teilnehmen würden.

Dass Trainer Jürgen Klinsmann Lucio eine Pause verordnet hatte, hatte keine heilsame Wirkung für die zerrüttete Abwehr. Im sechsten Ligaspiel nacheinander gerieten die Roten in Rückstand.

Selbst der sonst vorbildliche Philipp Lahm wurde beim 0:2 der Kölner vom starken Nemanja Vucicevic düpiert.

Zudem war Massimo Oddo für Christian Lell ins Team gekommen. Einige seiner Flanken waren zwar brauchbar, doch einen Qualitätssprung im Vergleich zu Lell stellt auch der Italiener im Moment nicht dar.

Klinsmann lenkt Konzentration auf Mittwoch

"Das müssen wir jetzt schlucken, aber in ein paar Tagen geht es weiter in der Champions League", sagte Klinsmann nach der dritten Niederlage im vierten Rückrunden-Spiel.

Seinen eigenen Platz auf der Bayern-Bank sieht er aber nicht als gefährdet an. "Ich habe keine Angst um meine Position. Ich versuche jeden Tag, hier mein Bestes zu geben", erklärte er selbstsicher.

Überraschend und auch nach öffentlichem Druck von Hoeneß und Rummenigge hatte Klinsmann Lukas Podolski für den verletzten Luca Toni in den Sturm gestellt. Das Bemühen währte nur eine Halbzeit, Podolski sprach nachher selbst von einer schlechten Leistung.

Jedoch: Ersatzmann Landon Donovan zeichnete sich in der zweiten Halbzeit nicht wirklich aus. Nur einmal, als er nach einem Novakovic-Kopfball auf der Linie rettete (50.).

"Meine Familie daheim ist durchgedreht"

Den Kölnern waren all diese bayerischen Befindlichkeiten herzlich egal.

Die Spieler warfen nach der Partie als Dank an die Fans Tennisbälle als Kamelle-Ersatz ins Publikum. Trainer Christoph Daum hüpfte nach dem Schlusspfiff so ausgelassen wie seit langem nicht mehr hin und her. "Ich bedanke mich bei meinen Spielern", sagte Daum und schwärmte von einem "besonderen Erlebnis".

Das war zweifellos auch Daniel Brosinski beschieden. Der 20-Jährige absolvierte sein erstes Bundesliga-Spiel und schoss gleich eiskalt ein Tor. "Ich kann es noch gar nicht begreifen, was passiert ist. Hier ein Tor zu schießen, ist überragend, meine Familie vorm Fernseher daheim ist durchgedreht."

Lukas Podolski schaute nach der Partie übrigens noch bei seinem künftigen Kameraden in der Kabine vorbei ? es war nicht das Einzige, worüber die Bayern sich aufregen mussten.

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