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Völlig losgelöst: Bei Christoph Daum entlädt sich aller Druck in einem einzigen Jubelschrei © getty

Der lang ersehnte Husarenstreich über den FCB euphorisiert Kölns Coach. Mit Kollege Klinsmann kann Daum trotzdem nachempfinden.

Von Martin Hoffmann und Christian Paschwitz

München - Er hat es endlich geschafft. Zum ersten Mal in seiner Trainerkarriere hat Christoph Daum einen Sieg beim FC Bayern errungen.

Das 2:1 des 1. FC Köln (zur Vereinsseite) in München stürzt die Mannen von Jürgen Klinsmann weiter in die Krise. Die Kölner dagegen versetzt es rechtzeitig vor dem Höhepunkt der närrischen Zeit in Euphorie.

Im Interview spricht Daum (Porträt) darüber, was ihm der Sieg bedeutet, wie er auf den Bundesliga-Debütanten und Torschützen Daniel Brosinski gekommen ist - und was den Bayern in dem Spiel gefehlt hat.

Frage: Herr Daum, was bedeutet es Ihnen, nun den ersten Sieg als Trainer bei den Bayern errungen zu haben?

Christoph Daum: Auch mal in München zu gewinnen, ist das Einzige, was in meiner Vita noch gefehlt hat, darauf habe ich 20 Jahre gewartet. Aber das ist mein Privatvergnügen. Wichtiger ist die Tatsache, dass wir drei wichtige Punkte mitgenommen haben. Wenn wir sehen, wie die Mannschaften unter uns gepunktet haben, wird erst klar, wie wichtig dieser Dreier war (zur Tabelle).

Frage: Was war denn der Schlüssel für den Kölner Sieg?

Daum: Wir haben in der ersten Halbzeit sehr mutig gespielt und sind für diesen Mut belohnt worden. In der zweiten Hälfte haben wir mit Leidenschaft und Begeisterung diesen Vorsprung über die Zeit gebracht - mit einer Mannschaft, die über sich hinausgewachsen ist.

Frage: Wie viel hatte Ihre Vorbereitung damit zu tun?

Daum: Wir haben im Training einiges erarbeitet, was der Mannschaft Sicherheit geben sollte. Die Spieler haben das taktische Konzept verinnerlicht und sehr gut umgesetzt. Und mit den Tugenden, die wir gezeigt haben, ist ihr Selbstbewusstsein gestärkt worden - und dann hat uns irgendwann auch nichts mehr umgehauen. Der eine hat den anderen infiziert, aufgebaut und hochgezogen.

Frage: Wie kamen Sie auf den Schützen des 0:2, den jungen Daniel Brosinski? Der hat sein letztes Spiel ja in der Regionalliga gegen die Sportfreunde Lotte vor 350 Zuschauern gemacht, nun vor 69.000 gewirbelt. Eine Ihrer berühmten Bauchentscheidungen?

Daum: Nein. Daniel hat in den letzten Wochen sehr, sehr gute Trainingsleistungen gezeigt. Und wir haben auch das eine oder andere richtungweisende Gespräch geführt. Er ist ein Spieler, der wirklich hart an sich arbeitet, sich verbessert und damit das Vertrauen verdient hat.

Frage: Was haben Sie zu Brosinski gesagt, als er nach einer Viertelstunde mit Nasenbluten vom Platz ging?

Daum: Dass das Blut, das er da sieht, ihn nur noch stärker machen sollte. Ich habe versucht, ihm Selbstvertrauen zu geben, dass er sich nicht wegputzen lässt. Wenn einer sein erstes Bundesliga-Spiel macht, wird ja oft von gegnerischer Seite versucht, ihn einzuschüchtern.

Frage: Nicht jeder hätte gedacht, dass Sie in München so offensiv agieren würden?

Daum: Ja, viele meinten, wir wären nur Kanonenfutter und würden eine reine Abwehrschlacht ausfechten. Das mussten wir in der zweiten Halbzeit dann zwar auch machen, weil der Druck der Bayern immer stärker wurde und ihre Qualität sich immer mehr zeigte. Aber vorher haben wir sehr couragiert nach vorn gespielt. Und bezeichnenderweise haben auch die Spieler aus dem Mittelfeld die Tore gemacht - was widerlegt, dass wir nur von Novakovic abhängig sind.

Frage: Hätten Sie eigentlich eine stärkere Leistung der Bayern erwartet?

Daum: Die Bayern waren stark. Sie haben ihre Überlegenheit in der zweiten Hälfte nur nicht in Tore umsetzen können. Wenn sie in den nächsten Spielen auch mit bedingungsloser Zweikampfsbereitschaft agieren, dann werden sie die auch als Sieger verlassen. Das Können der Bayern stimmt, aber du musst auch dahin gehen, wo es weh tut - und da war diesmal immer der FC.

Frage: Glauben Sie das Spiel wäre anders gelaufen, wenn das Tor von Klose anerkannt worden wäre?

Daum: Wohl ja. Wenn die Bayern 1:0 führen, spielen sie ihren Stiefel auch herunter. Von daher war das für uns auch eine glückliche Fügung. Dass wir stattdessen im Gegenzug das Tor machen und noch ein zweites drauflegen - da wussten die Bayern wohl auch eine Weile nicht, in welchem Film sie waren.

Frage: Fühlen Sie nun mit Ihrem Kollegen Jürgen Klinsmann mit, auf den der Druck nach der Niederlage noch mehr wachsen wird?

Daum: Ich kann mich gut in die Situation hineinversetzen. Er war in der klaren Favoritenrolle, und zu Hause geht jeder davon aus, dass man dieses Spiel gewinnt. Wie man dann dasteht, kann ich nachvollziehen.

Frage: Sie sind mit Ihren Spielern ja früh nach München geflogen, um dem Karneval zu entfliehen. Dürfen Sie ihn denn jetzt richtig begehen?

Daum: Wir werden unseren Spielern auch jetzt schon noch verdeutlichen, dass unser Beruf nicht das Feiern ist, sondern das nächste Spiel gegen Bielefeld zu gewinnen. Aber am Rosenmontag sitze ich auf dem ersten Festwagen.

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