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Stefan Kießling erzielte in 277 Bundesligaspielen 109 Tore © getty

Leverkusens Stefan Kießling spricht mit SPORT1 über Wechselgerüchte, das Kapitel DFB-Team und einen möglichen Meistercoup.

Von Thorsten Mesch

München - Am vergangenen Wochenende erzielte Stefan Kießling einen besonderen Treffer.

Das Tor beim Sieg gegen seinen Ex-Klub Nürnberg war der bereits das 23. Treffer für den Leverkusener Stürmer in dieser Saison.(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Damit überflügelte der 29 Jahre alte Angreifer Klublegende Ulf Kirsten, nie erzielte ein Bayer-Angreifer mehr Tore in einer Saison.

Für Kießling läuft es derzeit prächtig, auch dank des treffsicheren Stürmers hat die Werkself das Champions-League-Ticket gebucht.

Im SPORT1-Interview spricht Stefan Kießling über Leverkusens Rolle als dritte Kraft in der Bundesliga, die Chancen auf eine Meisterschaft, Wechselgerüchte und sein Kochbuch.

SPORT1: Herr Kießling, Sie werden im nächsten Januar 30. Ist das schon ein Alter, in dem Sie sich Gedanken zum Ende der Karriere oder für das Leben nach der Zeit als Profi machen?

Stefan Kießling: Ich mache mir noch keine Gedanken darüber. Ich habe zunächst einmal noch zwei Jahre Vertrag und fühle mich wohl in Leverkusen. Das brauche ich, um gut Fußball spielen zu können. Selbst wenn einmal Probleme auftauchen sollten, gibt es immer eine Lösung. Was die Zukunft betrifft, ich lasse es einfach auf mich zukommen.

SPORT1: Haben Sie schon über eine Verlängerung Ihres Vertrags gesprochen?

Kießling: Der Verein will im Sommer auf mich zugehen, das warte ich ab.

SPORT1: Zuletzt gab es immer wieder Gerüchte. Dortmund, Florenz, vor einigen Jahren war England ein Thema, können Sie sich eventuell noch einen Wechsel ins Ausland vorstellen?

Kießling: Ich bin ein Typ, der sich wohlfühlen muss, und das tue ich. Warum sollte ich also etwas verändern? Im Fußball geht es manchmal ziemlich schnell, man kann sich auch mal unwohl fühlen oder weniger spielen, manchmal versteht man sich nicht mit dem Trainer. Dann muss man sich natürlich Gedanken machen, ob man nicht einen anderen Weg einschlagen muss. Gerade jetzt bin ich gut drauf. Und deshalb mache ich mir überhaupt keine Wechselgedanken.

SPORT1: Leverkusen hat sich als dritte Kraft etabliert, hinter Dortmund und den Bayern. Ist dieser dritte Platz schon das realistische Ziel oder kann Bayer auf Dauer auch Dortmund und Bayern angreifen?

Kießling: Ich denke, dass es jedes Jahr realistisch ist, dass Leverkusen den dritten Platz holt, weil wir die Qualität haben und seit Jahren oben mitspielen. Es gab zuletzt immer wieder Jahre, in denen Bayern oder Dortmund ausrutschen. Wolfsburg konnte das 2009 nutzen, Stuttgart war 2007 Meister und es wäre einfach schön, wenn wir das nächste Mal parat wären und einspringen könnten. Dafür muss aber alles perfekt laufen, das sehe ich aber als realistische Chance an.

SPORT1: Sie hoffen also tatsächlich auf den Meister-Coup?

Kießling: Wir spielen seit Jahren international, ob es Champions League oder Europa League ist, wir sind immer für eine Überraschung gut. Auch wenn es in der letzten Saison nicht so prickelnd lief, können wir Bayern und Dortmund schon ärgern.

SPORT1: Leverkusen hat in dieser Saison den Bayern die einzige Niederlage zugefügt. Wie schätzen Sie die Münchner ein? War die Qualität bei den Bayern jemals so hoch?

Kießling: In dieser Saison sind die Bayern schon echt beeindruckend. Wenn man so eine Saison hinlegt, souverän Meister wird, den DFB-Pokal gewinnen kann und, wie ich glaube auch die Champions League gewinnen wird. Sie haben einfach Qualität, egal wer spielt. Und natürlich hat auch Jupp Heynckes großen Anteil daran.

SPORT1: Heynckes kennen Sie aus eigener Erfahrung. Bekommt er die nötige Mischung aus Konzentration und Lockerheit hin, um Bayern zum Champions-League-Sieg zu führen? 2010 und 2012 sind die Münchner ja im Finale gescheitert.

Kießling: Ja, aber es geht bei null los. Jupp war eigentlich bei uns schon ziemlich locker, das macht er schon richtig gut, wie er mit den einzelnen Spielern umgeht. Und der Erfolg gibt ihm Recht.

SPORT1: Denken Sie, dass er aufhört, wie ja auch schon vermeintlich angekündigt, oder war das nur eine Finte und er macht doch weiter?

Kießling (lacht): Das weiß ich nicht genau. Auf der einen Seite hat er das Zeug, weiterzumachen, auf der anderen wird er ja auch nicht jünger. Irgendwann kommt der Punkt, an dem man sich sagt, dass man aufhören sollte. Aber ich weiß nicht, ob er das wirklich will. Da müssen wir abwarten.

SPORT1: Wie läuft Ihre Freizeitplanung für Sommerpause? Es steht ja noch eine USA-Reise der Nationalmannschaft an. Machen Sie Urlaub oder geht es nach Miami?

Kießling: Ich mache Urlaub, definitiv.

SPORT1: Also keine Erwartung, dass vielleicht noch ein Anruf von Joachim Löw kommen könnte?

Kießling: Das hat nichts mit Erwartungen zu tun, ich fahre definitiv nicht mit, weil ich mit meiner Frau und meinen Kindern Urlaub gebucht habe.

SPORT1: Ist das Thema Nationalelf für Sie abgehakt?

Kießling: Das Thema ist für mich abgeschlossen. Ich habe ja bereits gesagt, dass ich Jogi Löws Meinung zu meiner Person akzeptiere und mit der Situation super umgehen kann. Ich werde mich deshalb nicht jedes Mal verrückt machen. Es ist legitim, dass ich gesagt habe, dass ich unter Jogi Löw nicht mehr in der Nationalmannschaft spielen werde, um da auch ein bisschen Ruhe rein zu bringen. Er selbst hat ja deutlich gemacht, dass er nicht auf mich setzt. Deswegen ist das Thema für mich erst mal durch. Ich mache keinen Rückzieher, aber so kann ich mit der Situation einfach besser umgehen.

SPORT1: Es gibt immer Spekulationen um Teamkollegen. Sollte Andre Schürrle tatsächlich nach England gehen, wie wäre dieser Abgang für Bayer zu kompensieren?

Kießling: Natürlich ist er ein Riesen-Kicker, aber wir haben auch in den letzten Jahren immer wieder gute Spieler verloren und dann kommt eben ein Neuer, so ist das halt im Fußball. Wir werden mit Sicherheit auch dann wieder den richtigen Mann finden.