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Thomas Eichin (l) und Thomas Schaaf arbeiten seit Februar zusammen bei Werder Bremen © imago

14 Jahre nach dem ersten Spiel auf der Werder-Bank schließt sich für Schaaf der Kreis. Sportchef Eichin bastelt an der Zukunft.

Von Frank Hellmann

Bremen - Speziell auf der Südtribüne, direkt hinter den Trainerbänken, sitzt ein Publikum, das im Weserstadion fast alles und fast jeden gesehen hat, der hier prägende Eindrücke hinterließ.

Diese teuren Plätze gibt der gemeine Stammkunde nicht auf, und so wissen auch die meisten spontan eine Antwort darauf, wenn sie mit dem Datum 11. Mai konfrontiert werden.

Rettung gegen Schalke, erstes Spiel von Thomas Schaaf, lautet die spontane Antwort. So etwas vergisst der Werder-Fan nicht. Auch wenn es auf den Tag genau 14 Jahre her ist.

Irgendwie Ironie der Geschichte, dass sich das alles wiederholt. Wieder ist es der 11. Mai, an dem ein Abstiegsendspiel steigt. Samstag gegen Eintracht Frankfurt (ab 15 Uhr im LIVE-TICKER).

Wiederholt sich die Geschichte?

Und wieder wird viel über den Trainer geredet, der noch immer Thomas Schaaf heißt und noch immer seinen Schnauzbart trägt.

Ob sich der 52-Jährige, der hier so viele magische Momente erlebte, sich vorgestellt hat, dass er noch einmal so in die Bredouille kommen könnte?

Damals, am 11. Mai 1999 hatte Schaaf nichts zu verlieren, denn er war erst einen Tag zuvor vom Amateur- zum Chefcoach befördert worden, und dann glückte dem jungen Christoph Dabrowski das erlösende 1:0.

Wer aber spielt am 11. Mai 2013 den Retter in einer wankelmütigen Werder-Elf, die im Hinterkopf hat, dass sie ganz viel verlieren kann, wie Kapitän Clemens Fritz gesteht?

Zittern bis zum letzten Spieltag

Wenn es ganz dumm läuft, müssen die Bremer bis zum letzten Spieltag in Nürnberg noch zittern. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und Schaaf weiß, dass er daran nicht unschuldig ist. "Wir haben eine interessante Mannschaft, aber das, was wir angepackt haben, das haben wir nicht zu Ende gebracht. Deshalb springen wir immer hin und her."

Diese selbstkritische Erklärung gab er nun bei der Fortbildungsveranstaltung des Bundes Deutscher Fußballlehrer ab. Er sprach über vergebene Chance vorne und zu viele Fehler hinten, "wir haben uns zu oft die Beine selber weggehauen."

Und das rüttelt auch an seinem Sockel.

Kein Trainerwechsel vor Saisonende

Die grün-weiße Gemengelage ist vertrackt. Die dreiköpfige Geschäftsführung um den neuen Sportchef Thomas Eichin, den Vorsitzenden Klaus Filbry und Vereinspräsident Klaus-Dieter Fischer hat sich entschieden, bis zum Saisonende mit Schaaf weiterzumachen.

Aber was wird dann? Diese Diskussion ist speziell Eichin in der aktuellen Lage leid. Bei einem Talk des "Weser-Kurier" lieferte der 46-Jährige interessante Antworten auf die T-Frage.

"Es steht in keiner Geschäftsordnung geschrieben, dass Thomas Schaaf zum Inventar beim SV Werder gehört." Ein Raunen ging durch das Swissotel am Hillmannplatz. "Wenn ich das Gefühl hätte, dass Thomas Schaaf in der momentanen Situation nicht der Richtige wäre, würde ich das sagen."

Interessanter Zusatz: Nach der Saison könne man über das Thema reden, "jetzt ist der falsche Zeitpunkt."

Und sogar Aufsichtsrat Willi Lemke rätselte zuletzt darüber, "wie es passieren konnte, dass wir sehr gute Spieler eingekauft haben, aber die dann als Mannschaft die Leistung nicht zurückgeben konnten."

Personelle Baustellen

Trotz Vertrags bis 2014 wird also demnächst auch über den Trainer ergebnisoffen diskutiert. Über die Spieler sowieso. Eichin will Talente wie Özkan Yildirim oder Felix Kroos ("Ich will beide unbedingt halten") aufbauen, dazu aber auch erfahrene Spieler locken, die möglichst wenig kosten dürfen.

Entgegen Eichins Beteuerungen, dass er nicht daran denke, den Abwehrchef Sokratis abzugeben, soll sich der Grieche mit Bayer Leverkusen bereits einig sein und liebäugelt mit einem Wechsel. 671744(DIASHOW: Bundesliga-Transfermarkt)

Werder dürfte dann eine fast zweistellige Ablöse kassieren. Weit weniger gibt es für Marko Arnautovic und Eljero Elia, die als Sinnbilder der verfehlten Personalpolitik stehen.

"Weserstadion" bald Geschichte?

Ohne die vom Trainings- und Spielbetrieb suspendierten Nachtschwärmer gibt es gerade interessante Einigungsprozesse zu besichtigen; am Dienstag radelten die Profis nach dem Training zu einem gemeinsamen Essen, am Mittwoch gab es eine nicht-öffentliche Einheit im Weserstadion.

Übrigens gut möglich, dass dieser Name bald Geschichte ist. Denn in der finanziellen Not ? es droht im laufenden Geschäftsjahr ein weiteres Minus von geschätzt acht Millionen Euro bringen ? gibt es offenbar keine Tabus mehr.

Aufsichtsrat Marco Bode schließt den Verkauf der Namensrechte nicht mehr aus: "Für mich wäre das denkbar, aber es hätte einen hohen Preis."

Es passieren an der Weser gerade Dinge, die hätte sich der Stammkunde auf der Südtribüne nie vorstellen können.