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Jürgen Klinsmann schoss als Spieler 31 Tore in 65 Bundesliga-Spielen für Bayern © getty

Der Bayern-Coach ist frustriert über die neuerliche Pleite, versucht aber angestrengt zu vermitteln, alles wäre "ganz normal".

Von Martin Hoffmann

München - Jürgen Klinsmann sagt derzeit einen Satz wieder und wieder.

"Das ist ja ganz normal", ist ein Baustein fast jeder Antwort, die der Coach des FC Bayern bei seinem Auftritt im DSF-Doppelpass nach der schmerzhaften 1:2-Niederlage gegen den 1. FC Köln zu Protokoll gab (zum Nachbericht: Die neue Münchner Big-Point-Schwäche).

Ab und zu klangen auch andere Variationen durch: "Das ist in Ordnung" etwa. Oder: "das ist kein Problem".

Aber das Muster ist immer dasselbe: Klinsmann versucht angestrengt zu vermitteln, dass beim FC Bayern auch nach der dritten Niederlage im vierten Rückrundenspiel keine Panik herrscht, sondern "business as usual".

Und jede Kritik wie auch jede Konfrontation mit einem Anzeichen, dass dem vielleicht doch nicht so ist, prallt bei Klinsmann in eine weiche Wand des Wohlgefallens. Krise? Nein, nein. Alles "ganz normal".ad

"Nichts mehr zu beschönigen"

Man könnte es fast glauben, wenn man Klinsmann lange genug zuhört.

Aber aus den Äußerungen von den Vorgesetzten des Trainers ist herauszuhören, dass die Situation nicht so ganz normal ist beim FC Bayern - und dass der Druck auf den Coach spürbar wächst.

Zum Beispiel an der Äußerung von Bayern-Manager Uli Hoeneß, der nach dem Köln-Spiel klipp und klar festhielt: "Es gibt nichts mehr zu beschönigen."

Mängel bei den Grundtugenden

Ein Hinweis auf den qualitativen Unterschied der Köln-Pleite zu den vorherigen Pleiten in Hamburg und in Berlin.

Hatten die Bayern dort auch in der Niederlage noch eine ordentliche bis gute Leistung gezeigt, fehlte es gegen Köln an den fußballerischen Grundtugenden.

Entgangen ist Klinsmann das nicht: "Wirklich schlecht" sei gewesen, "dass wir nach dem 1:0 der Kölner nicht mit dem richtigen Kampf, dem Fight und der Aggressivität reagiert haben".

Rummenigges klare Order

Und von Karl-Heinz Rummenigge kommt die deutliche Order an Klinsmann, direkt bei nächster Gelegenheit die Trendwende zu schaffen.

"Wir müssen schnell die Kurve kriegen. Das wird in Lissabon beginnen müssen", fordert Bayerns Vorstandschef mit Blick auf das Champions-League-Achtelfinale (Mittwoch, 20.15 Uhr LIVE ).

Es ist die nächste klare Ansage Rummenigges, der schon vor dem Köln-Spiel mit dem ungewohnt deutlichen Feststellung auffiel, dass die Verteidigung der Deutschen Meisterschaft absolute Pflicht für Klinsmann ist.

"Ich bin durchaus optimistisch, dass wir unsere Ziele erreichen", erklärte Rummenigge im DSF-Interview mit ausdrücklicher Nennung der Operation Titelverteidigung: "Aber die müssen wir auch erreichen, da mache ich auch keinen Hehl draus."

"Es nervt ungemein"

Das Kernziel Meisterschaft ist aber gerade durch die Niederlage in Köln mehr ins Wanken geraten als je zuvor. Das frustriert Klinsmann, und das gibt er auch zu: "Es ist klar, dass es uns ungemein nervt, nicht nur verloren zu haben, sondern auch eine weitere Chance vertan zu haben, Tabellenführer zu werden." (zur Tabelle)

Trotzdem fühlt sich Klinsmann nicht von Rummenigge unter Druck gesetzt: "Die Zielvorgabe bei Bayern ist immer, Meister zu werden, das sind die Ansprüche denen man sich stellen muss."

"Ganz normal" sei das. Natürlich.

Aber fest steht auch: Verfehlt Klinsmann das Ziel, dann ist nichts mehr normal.

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