vergrößernverkleinern
Andreas Ibertsberger (l., gegen Roberto Hilbert) spielte beim 3:3 in Stuttgart dennoch © getty

In der "Doping-Affäre" um zwei 1899-Spieler geht die Borussia juristisch vor gegen die Spielwertung. Die Liga-Kollegen motzen.

München - Die "Doping-Affäre" spitzt sich zu: Borussia Mönchengladbach hat Einspruch gegen die Wertung des Spiels gegen 1899 Hoffenheim (1:1) am 7. Februar eingelegt.

Nach der Partie hatten die Hoffenheimer Andreas Ibertsberger und Christoph Janker gegen die Anti-Doping-Richtlinien verstoßen, weil sie erst mit zehnminütiger Verspätung zur Doping-Kontrolle erschienen waren.

Der Kontrollausschuss des Deutschen Fußball-Bundes (DFB) ermittelt nun auf Antrag der DFB-Anti-Doping-Kommission. "Uns ist wichtig zu erklären, dass wir in keiner Weise den Klub 1899 Hoffenheim oder die beiden Spieler angreifen oder beklagen", meinte Borussen-Sportdirektor Max Eberl am Sonntagabend im DSF.

"Wir haben am Samstag vor dem Spiel erfahren, dass der DFB ermittelt. Und man wies uns auf eine Frist hin, an die wir uns halten müssen."

Die Rechtslage sei in dem Fall so verschwommen, dass es den Gladbachern lediglich darum gegangen sei, durch den fristgerechten Einspruch Zeit zu gewinnen. "Nicht mehr und nicht weniger haben wir getan", meinte Eberl. "Wir sind nur ein Anhängsel der ganzen Sache."

Ein Einspruch ist gemäß Paragraf 17, Nr. 5 a, der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung möglich, "wenn in einem Spiel ein gedopter Spieler mitgewirkt oder sich ein Spieler schuldhaft geweigert hat, sich einer Doping-Kontrolle zu unterziehen".

"Was passiert, wenn Spieler nicht rechtzeitig zur Dopingkontrolle erscheint, ist aber nirgendwo geregelt", sagte Eberl.

"Da bewegen wir uns in einer Grauzone. Als Angestellte von Borussia Mönchengladbach müssen wir natürlich die Interessen des Klubs wahren. Deshalb haben wir den Schritt getan. Wir haben nur reagiert. Das hätte jeder andere Klub auch getan. Auf die zwei Punkte sind wir gar nicht aus."

Völler kritisiert: "Ein Witz"

In der Bundesliga stieß der Protest des Gladbacher Tabellenletzten auf harsche Kritik. "Das ist ein Witz, ein absoluter Witz", sagte Rudi Völler, Sportdirektor von Bayer Leverkusen, am Rande der Partie gegen den Hamburger SV. "Das ist lachhaft und gehört sich nicht."

Und Völlers Amtskollege Dietmar Beiersdorfer ergänzte: "Das hat mit Solidarität nichts zu tun. Da sollte man eine sportliche Lösung finden."

Der Deutsche Fußball-Bund (DFB) steht bei der Aufklärung der Vorfälle ohenhin vor einem schwierigen Spagat: Der Verband will einerseits den Klub (Doping-Anzeige und Schuhwurf) für das Fehlverhalten bei einer Dopingkontrolle nicht mit einer unverhältnismäßig hohen Strafe belegen.

Meier sieht überhaupt keinen Vorfall

Gleichzeitig jedoch möchte sich der DFB den Richtlinien des internationalen Anti-Doping-Kampfes nicht entziehen.

Kölns Manager Michael Meier plädierte im DSF-Doppelpass dafür, den Vorgang als formales Vergehen und nicht als Dopingverstoß im klassischen Sinne zu behandeln: "Wir reden über einen Dopingfall und haben gar keinen."

Ein Jahr "unverhältnismäßig" und "ungeheuerlich"

Meier verwies auf geltendes EU-Recht, wonach ein klassisches Berufsverbot keinen Bestand hätte, und sprach sich dafür aus, Milde walten zu lassen: "Ein Jahr Sperre wäre eine Ungeheuerlichkeit sondergleichen."

Auch DSF-Experte Udo Lattek wiegelte ab: "Eine Bestrafung von einem Jahr für Ibertsberger und Janker wäre unverhältnismäßig, da dies ihre Karriere ruinieren würde." (Doping-Wirbel in Hoffenheim)

Vertrauen in den Verband

Zwar genießt der Verband bei der Aufarbeitung des Falls das volle Vertrauen der Nationalen Anti-Doping-Agentur NADA, doch auch die NADA pocht auf die Einhaltung der Regeln.

"Man kann davon ausgehen, dass der DFB im Anti-Doping-Kampf vorbildlich arbeitet und den Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA und der NADA präzise umsetzt. Dafür hat der DFB in die fachliche Kompetenz", sagte der NADA-Vorstandsvorsitzende Armin Baumert.

DFB unter Druck

Der Vertrauensbeweis der NADA setzt den DFB allerdings gleichzeitig unter Druck. Schließlich fordern die Regeln sogar eine Sperre von einem Jahr für die betroffen Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker.

Gegen die beiden Profis ermittelt der DFB-Kontrollausschuss auf Antrag der DFB-Anti-Doping-Kommission, weil sich die beiden Profis bei den unangemeldeten Doping-Kontrollen nach dem Bundesliga-Spiel in Gladbach nicht korrekt verhalten haben.

Zehn Minuten zu spät

Die beiden zur Doping-Kontrolle ausgelosten Spieler hatten sich entgegen der Vorschrift des Paragrafen 7, Nr. 1, der DFB-Anti-Doping-Richtlinien nicht unmittelbar nach dem Abpfiff direkt vom Spielfeld in den Dopingkontroll-Raum begeben. Sie erschienen dort erst nach der Teilnahme an einer Mannschaftssitzung mit zehnminütiger Verspätung.

Die Kontrolle in Mönchengladbach bei Ibertsberger und Janker hatte ein negatives Ergebnis. Ihnen droht wie in einem ähnlich gelagerten Fall gerade in Italien geschehen dennoch eine einjährige Sperre. Theoretisch hätten in diesen zehn Minuten Maßnahmen ergriffen werden können, um die Dopingprobe zu manipulieren.

WADA: Keine Kleinigkeit

"Für die WADA ist das keine kleine Nachlässigkeit", erklärte der zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch im Hinblick auf den Fall der beiden italienischen Spieler. Diese wurden für eine Verspätung von 30 Minuten zunächst vom italienischen Verband für zwei Wochen gesperrt

Der Internationale Sportgerichtshof (CAS) sah dies allerdings anders und sperrte die Profis für ein Jahr.

Die Frage, ob es nach einer vom DFB ausgeprochenen Strafe zu einer Konfrontation zwischen dem Verband und der WADA kommen kann, wollte Baumert nicht beantworten. "Da ist die NADA klug beraten, sich zurückzuhalten. Darüber will ich nicht spekulieren", sagte der NADA-Boss, der sein Vertrauen in Koch setzt.

"Er wird sich präzise an die Regeln halten", erklärte Baumert, der zudem klarstellte, dass das komplette Verfahren in den Händen des DFB liegt.

NADA vs. WADA

Zu einer Konfrontation könnte es kommen, wenn die Strafe des DFB gegen die betroffenen Profis aus Sicht der WADA zu gering ausfällt. Koch ließ bereits durchblicken, dass er eine im Raum stehende Sperre von einem Jahr für nicht verhältnismäßig erachtet.

"Wir haben uns den Regeln des Sports zu unterwerfen, wir müssen aber auch dem Einzelfall gerecht werden", meinte Koch.

Zum Forum - jetzt mitdiskutieren! Zurück zur Startseite

teilentwitternE-MailKommentare
Bitte bewerten Sie diesen Artikel