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Stefan Kießling wechselte 2006 vom 1. FC Nürnberg zu Bayer Leverkusen © getty

Nach dem Sieg über Hannover verleiht Kießling Leverkusen einen inoffiziellen Titel. Coach Lewandowski steht vor dem Abschied.

Leverkusen - Manuel Friedrich verabschiedete sich nach sechs Jahren auf dem Zaun von den Fans, Stefan Kießling trug stolz seinen Sohn Tayler-Joel in die Kurve, Sascha Lewandowski ließ sich seine Abschieds-Wehmut kaum anmerken.

Nach einem glänzenden Abschied von den heimischen Fans feierte Bayer Leverkusen seinen ganz eigenen Titel ausgelassen.

"Wir sind quasi der kleine Meister unter den anderen 16 Vereinen", sagte der designierte Torschützenkönig Kießling nach dem 3:1 (2:0) des Tabellendritten gegen Hannover 96 (Bericht)

(DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

Kießling winkt die Kanone

Kießling selbst könnte beim Saisonfinale nächste Woche beim Hamburger SV dafür sorgen, dass Bayer die Saison sogar noch mit einem "echten" Titel krönen könnte.

Der 29-Jährige geht mit einem Tor Vorsprung auf den Dortmunder Robert Lewandowski ins Fernduell um die Torjägerkanone und könnte als erster Bayer-Profi seit Ulf Kirsten vor 15 Jahren die berühmte Kanone gewinnen (717063DIASHOW: Der 33. Spieltag).

"Natürlich will ich sie unbedingt holen", sagte "Kieß" - mit 24 Toren schon jetzt Bayers bester "Bomber" der Bundesliga-Geschichte:

"Aber ich darf mir auch nicht zu viel Druck machen."

Zu viel Hilfe für "Kieß"

Dies gilt offenbar auch für seine Kollegen.

Nach der souveränen 3:0-Führung durch Treffer des ganz starken Jens Hegeler (6./60.) und Kießling (28.) verlor Bayer deshalb den Faden, weil alle nur noch ihrem Torjäger helfen wollten.

"Das hat man gemerkt", sagte auch Kießling: "Aber man darf es nicht erzwingen."

Lewandowski-Abschied vor Verkündung

Eine Aussage, die man in einem anderen Zusammenhang auch auf Sascha Lewandowski anwenden kann.

Der Rückzug des Trainers, der sein Amt vor 13 Monaten im Team mit Sami Hyypiä laut Sportchef Rudi Völler ohnehin nur "mit Bauchschmerzen" angetreten hatte, wird in der kommenden Woche verkündet werden.

"Wir haben vereinbart, dass wir bereits nächste Woche sprechen werden. Und der Verein wird dann zügig alles weitere bekannt geben", sagte der 41-Jährige.

Hyypiä der starke Mann

Wie die Entscheidung aussehen wird, ist seit Wochen klar.

Bayer-Geschäftsführer Wolfgang Holzhäuser hatte bereits im Stadionheft erklärt, dass man "nach derzeitigem Stand wohl mit Sami Hyypiä als Leiter eines starken Trainerteams in die nächste Saison gehen" werde.

Und das die "Zeichen darauf hindeuten", dass Lewandowski künftig "in einer zukunftsgerichteten, sehr wichtigen Position im Leistungsbereich des Nachwuchses" arbeiten werde.

Kein Abgang nach Dortmund

Holzhäusers Aussage, das letzte Wort sei "noch nicht gesprochen", ist dementsprechend nur taktisch. Mehr Gehalt hat der Hinweis, "dass Sascha Bayer 04 erhalten bleibt".

Schließlich hatte dem gebürtigen Dortmunder ein Angebot des BVB vorgelegen, künftig in seiner Heimatstadt im Jugendbereich zu arbeiten.

Während bei Bayer außer Lewandowski wohl nur die Ersatzspieler Friedrich (Ziel offen) und Daniel Schwaab (VfB Stuttgart) sowie wahrscheinlich Andre Schürrle (FC Chelsea) gehen werden, wird der Umbau bei den Niedersachsen größer ausfallen.

Hannover vor Umbruch

"Das Bild der Mannschaft wird sich ein Stück weit ändern", sagte der neue 96-Sportdirektor Dirk Dufner, nachdem Hannover die dritten Europa-League-Teilnahme in Folge endgültig verpasst hatte.

Und während Torhüter Ron-Robert Zieler ein Debakel verhinderte und danach einen Wutausbruch bekam ("Ich kann mich nicht erinnern, dass ich jemals so viel draufbekommen habe"), wollte Trainer Mirko Slomka "Lichtblicke" erkannt haben.

Außer Zieler und dem Japaner Hiroki Sakai gehörte dazu aber nur das Ehrentor von Artur Sobiech (71.).