vergrößern verkleinern
Christian Streich (r.) ist seit dem 29. Dezember 2011 Cheftrainer des SC Freiburg © getty

Mit dem Sieg in Fürth sichern sich die Breisgauer das Europa-Ticket. Platz 4 winkt. Die SpVgg schreibt einen Negativrekord.

Fürth - Im grenzenlosen Freiburger Jubel über den Einzug in den Europapokal ging der traurige Fürther Rekord für die Ewigkeit fast unter.

Die SpVgg brachte als erster Verein in der 50-jährigen Bundesliga-Geschichte das Kunststück fertig, zu Hause kein Spiel zu gewinnen. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Vier Unentschieden und 13 Niederlagen lautet die Horror-Heimbilanz des Absteigers, der sich nach dem 1:2 (1:0) entsprechend frustriert von den eigenen Fans verabschiedete. ( 717063 DIASHOW: Der 33. Spieltag )

Den Kontrast lieferte dagegen der SC, der von seinen Anhängern frenetisch gefeiert wurde. Den Breisgauern ist angesichts der deutlich besseren Tordifferenz die sensationelle Qualifikation für die Europa League nur noch rechnerisch zu nehmen, nun dürfen sie sogar noch von der Champions League träumen. (BERICHT: Kruse schießt Freiburg nach Europa)

Bei einem Heimsieg gegen den direkten Konkurrenten Schalke 04 am letzten Spieltag würde das Team von Trainer Christian Streich auf Platz vier vorrücken und um einen der 32 lukrativen Plätze in der Königsklasse und um rund 20 Millionen Euro spielen.

Freiburg heiß auf Endspiel gegen Schalke

Eine Tatsache, die Präsident Fritz Keller kaum glauben konnte. "Wenn man eineinhalb Jahre zurückblickt, ist das unbegreiflich. Das ist ein Super-Gefühl, da muss man sich schon zwicken. Wir sind über unser Ziel hinausgeschossen", sagte Keller mit einem glücklichen Grinsen im Gesicht.

Für Torwart Oliver Baumann, der durch seinen gehaltenen Foulelfmeter in der Schlussminute - Nikola Djurdjic verschoss - zum gefeierten Helden wurde, war es schlichtweg "Wahnsinn, was wir erreicht haben". Doch sie wollen mehr in Freiburg.

"Die Spieler haben Hunger, das wird ein Fest", betonte Keller mit Blick auf "dieses Endspiel" gegen Schalke: "Das haben sich die Jungs echt verdient."

Streich schwärmt von seinem Team

Um für die wohl wichtigste Partie der Vereinsgeschichte gerüstet zu sein, verzichteten die Freiburger, die das Spiel nach dem frühen Rückstand durch Matthias Zimmermann (3.) durch Tore von Jonathan Schmid (69.) und Max Kruse (78.) noch drehen konnten, auch auf eine größere Party.

"Wir können uns freuen und das genießen, aber groß feiern werden wir nicht, denn am Samstag geht es ab", stellte Baumann klar.

Trainer Christian Streich, Vater des Höhenflugs, musste erst gar kein Feier-Verbot an seine Profis richten. "Die könnte ich auch alleine im Bus nach Hause schicken. Da wird kein Bier getrunken. Das sind außergewöhnlich tolle Jungs, die wissen, was es bedarf, um vielleicht etwas Außergewöhnliches zu leisten", sagte der 47-Jährige, der erst am Freitag seinen Vertrag beim SC langfristig verlängert hatte.

Optimismus trotz Abgängen

Auch wenn Freiburg am kommenden Samstag Geschichte schreiben kann, steht für die kommende Saison ein Umbruch an. In Jan Rosenthal, Johannes Flum (beide Eintracht Frankfurt), Daniel Caligiuri (VfL Wolfsburg) sowie Max Kruse (Borussia Mönchengladbach) verlassen vier Leistungsträger den Verein.

Weitere Abgänge hat Keller aber bereits ausgeschlossen: "Wir brauchen kein Geld. Wir brauchen eine schlagkräftige Mannschaft."

Auch Streich unterstrich, "dass hier jetzt nicht alles den Bach runtergehen wird".

Fürth gefrustet vom Negativrekord

Das hoffen sie auch in Fürth. Beim fränkischen Altmeister wird nach dem schon lange feststehenden Abstieg nach nur einem Jahr in der Erstklassigkeit längst der Neuaufbau geplant. Zehn Abgänge stehen bereits fest.

Doch zunächst einmal nagte an Spielern und Verantwortlichen die Tatsache, ihren Heimfluch nicht abgelegt zu haben. "Das ist ganz bitter für uns", sagte Trainer Frank Kramer konsterniert:

"Wir hatten uns fest vorgenommen, die letzte Möglichkeit beim Schopfe zu packen. Das ist niederschmetternd und brutal für die Jungs."