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1899 Hoffenheim stieg 2008 in die Bundesliga auf und beendete die Hinserie als Herbstmeister © getty

Nach der Schlappe gegen den HSV kann nur noch ein Wunder in Dortmund Hoffenheim retten. Gisdol gibt sich dennoch zuversichtlich.

Von Jan Reinold und Martin Hoffmann

München/Sinsheim - Nein, den Eindruck, dass irgendetwas "in die Hose" gegangen sei, hatte 1899 Hoffenheim Trainer Markus Gisdol laut eigener Aussage nicht.

Angesichts der 1:4-Pleite gegen den Hamburger SV (Bericht) und dem dadurch fast besiegelten Abstieg der Kraichgauer kann man das allerdings auch anders sehen.

Dietmar Hopp jedenfalls eilte unmittelbar nach der dürftigen Vorstellung gegen den HSV in die Kabine und sah sich zu einem Treuebekenntnis veranlasst.

"Die TSG", ließ Hopp das sportliche Personal wissen, "wird unterstützt von mir und von allen, die hier Verantwortung tragen, und frisch angreifen".

Spieler wollen an das Wunder glauben

Zwei Punkte beträgt Hoffenheims Rückstand auf den Relegationsrang, hinzu kommt die erheblich schlechtere Tordifferenz gegenüber Augsburg und Düsseldorf.

Beim finalen Akt in einer Woche bei Champions-League-Finalist Borussia Dortmund hilft Hoffenheim daher nur noch ein mindestens mittelgroßes Fußballwunder.

Daran glauben mag man angesichts des Saisonverlaufs nicht, Gisdol und seine Spieler aber üben sich in Zweckoptimismus.

"Es ist noch möglich, jede Mannschaft kann man schlagen", sagte Mittelfeldspieler Sejad Salihovic:

"Vielleicht schont Dortmund ja schon ein paar Spieler für das Champions-League-Finale."

Und Kapitän Andreas Beck meinte mit einem Hauch von Verzweiflung:

"Wir müssen dran glauben. Wenn wir es nicht machen, macht es niemand." (717063DIASHOW: Der 33. Spieltag)

Gisdol nur "etwas traurig"

Sollte Hoffenheim absteigen, dürfte noch so mancher der verpassten Chance gegen den HSV nachtrauern.

Durch die Ausrutscher der Konkurrenz hätte Hoffenheim mit einem Sieg die Abstiegsränge verlassen können. Doch die Mannschaft war den Hamburgern in allen Belangen unterlegen.

Umso überraschender, dass man in Hoffenheim nur "etwas traurig" war, wie Gisdol bei LIGA total! erklärte.

Nicht minder interessant war seine Spielanalyse.

Die Mannschaft habe "zu motiviert" gewirkt, meinte der 1899-Coach:

"In der zweiten Hälfte haben wir all das in die Waagschale geworfen, was wir uns von Beginn an vorgenommen hatten. Aber es sollte nicht sein."

Umbruch geht weiter

Es sollte nicht sein ? das klingt so, als treffe den Klub die Misere unverschuldet. Dabei verheizten die Kraichgauer in einer chaotischen Saison vier Trainern und drei Manager.

Und im Sommer dürfte der von Neu-Coach Gisdol bereits eingeleitete Umbruch des Kaders weitergehen.

Man werde "konsequent" auf die eigene, "hochtalentierte Jugend" setzen, kündigte Hopp an.

Nichts weniger als der sofortige Wiederaufstieg wird angepeilt. Am Geld dürfte der nicht scheitern.

"Alle Spieler, die wir behalten wollen, sind unverkäuflich. Und das meine ich, wie ich es sage. Denn wir haben auch im Abstiegsfall keine finanzielle Not", sagte Gisdol.

Wiese als Running Gag

Einiges an Geld muss der Hopp-Klub freilich locker machen, allein für die Abfindungen, die bei der dringend nötigen Verschlankung des 37 Mann starken Profikaders nötig sein werden.

Einer der größte Posten wird dabei die Entschädigung für Ex-Nationalkeeper Tim Wiese sein - der schon jetzt nur noch ein Running Gag ist, den die HSV-Fans mit "Wir-wollen-den-Wiese-sehen"-Rufen am Leben hielten.

Gisdol: "Ich bin zuversichtlich"

Sein Nachfolger Koen Casteels konnte die vier Tore durch Heung-Min Son (18.), Dennis Aogo (35.) Petr Jiracek (60.) und Artjoms Rudnevs (88.) nicht verhindern, Kevin Volland nicht mehr als das Ehrentor für 1899 beitragen (61.).

Doch trotz allem klingt Gisdol noch, als wäre in Dortmund alles reparabel:

"Wir werden uns konzentriert auf das letzte Spiel vorbereiten. Wir werden versuchen, alles was möglich ist zu holen. So ein letzter Spieltag hat immer einen besonderen Charakter, ich bin zuversichtlich."

Er schien es ernst zu meinen.

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