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Thomas Schaaf (r.) führte Werder Bremen 2004 zum Double © getty

14 Jahre nach seiner Premiere auf der Trainerbank sichert Thomas Schaaf mit Bremen den Klassenerhalt. Seine Zukunft bleibt offen.

Aus Bremen berichtet Frank Hellmann

Bremen - Ganz am Ende, als das Bremer Publikum bereits mit den ausliegenden Klatschpappen infernalischen Lärm machte, sind ganze viele Weggefährten fast geräuschlos zu Thomas Schaaf gegangen.

Clemens Fritz, der Kapitän, drückte den Trainer des SV Werder herzlich; Aaron Hunt, das Eigengewächs, nahm ihn lange in Arm.

So als wollten sie zeigen: Grün-weißes Oberhaupt ist immer noch der Mann, der genau vor 14 Jahren hier schon einmal den Abstieg abwendete. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle)

Und doch wollte der inzwischen 52-Jährige die Geschehnisse vom 11. Mai 1999 nicht mit denen an diesem Samstag vergleichen ("unterschiedliche Erlebnisse, nicht zielführend").

Dank an die Fans - ansonsten Schweigen

Das 1:1 gegen Eintracht Frankfurt hat einer ganzen Stadt und dem gesamten Verein den Klassenerhalt beschert, und doch wich die Anspannung nicht aus dem zerfurchten Gesicht dieses Fußballlehrers. (717063DIASHOW: Der 33. Spieltag)

"Riesengroßer Dank an die Fans, die etwas Bemerkenswertes und Außerordentliches geleistet haben. Darüber bin ich sehr froh", sagte Schaaf.

Aber mehr Emotionen wollte das immerhin seit 1972 dem Verein angehörige Urgestein nicht zeigen.

Schaaf spürt allenthalben, dass sein Sockel in diesem Verein nicht annähernd mehr so standfest ist wie der steinerne Roland vor dem Rathaus verankert ist.

Will er Trainer bleiben? Geht er davon aus, nächste Saison Trainer zu sein?

"Von mir wird es keine andere Aussagen mehr geben. Deshalb gibt es dazu nichts zu sagen", beschied Schaaf auf SPORT1-Nachfrage.

Eichin genervt von T-Frage

Dass der Rückhalt bröckelt, ist allenthalben zu spüren. Und gerade Thomas Eichin lieferte nach Spielschluss den Beleg, wie gespalten die Geschäftsführung offenbar in der T-Frage scheint.

Wer ist nächste Saison Trainer? "Thomas Schaaf!"

Kaum war dieses Statement getroffen, kassierte der 46-Jährige auf Nachfrage die Aussage wieder. "Er hat einen Vertrag bis 2014. Und danach besprechen wir alles."

Der Manager ist genervt, empfindet die ständigen Nachfragen als unerträglich.

Aber hatte nicht der mächtige Vereinspräsident Klaus-Dieter Fischer erst kurz vor dem Frankfurt-Spiel angekündigt, nach der Saison werde "jeder Stein umgedreht" und auch über Personen gesprochen?

Spieler pro Schaaf

Schaaf, unter dessen Amtsführung seit drei Jahren keine Fortschritte erkennbar sind, hat es unbestritten noch geschafft, für den Schlussspurt seinen Kader zu einen.

Wille und Leidenschaft waren auch diesmal bei jedem Profi erkennbar, und Bremens Bester, der Belgier Kevin de Bruyne, erzielte fast folgerichtig den Führungstreffer (22.).

"Als Gemeinschaft haben wir zuletzt einiges erreicht, verhindert haben wir den Abstieg", stellte Abwehrspieler Sebastian Prödl treffend fest.

Eitelkeiten und Einzelkämpfer seien aussortiert worden, keiner habe den Kopf hängen gelassen, "und das gelingt einer Mannschaft nicht, die nicht funktioniert."

Dann brach der Österreicher ungefragt eine Lanze für Schaaf, "ein Trainer, der unter Druck stand, wie kaum ein anderer in der Bundesliga-Geschichte."

Auch Torwart Sebastian Mielitz sagte, er würde sich freuen, "wenn Thomas Schaaf bleiben würde".

Frankfurt rutscht von Platz 5

Der Torhüter und seine Vorderleute hatten sich nach Schlusspfiff ausgiebig von den eigenen Fans feiern lassen, während die Frankfurter ein bisschen über ihre Gemütsverfassung rätselten.

"So schlecht ist das auch nicht", insistierte Srdjan Lakic, der nach Vorlage von Karim Matmour das 1:1 erzielt hatte (51.).

Unmittelbar nach der Pause hatten die Hessen ihre beste Phase; vielleicht hatte es geholfen, dass Armin Veh in der Halbzeitpause die Ergebnisse der Konkurrenz vorlas.

Doch unter dem Strich ist das Remis deswegen ein unbefriedigendes Ergebnis, weil die Eintracht damit vorerst Platz fünf verschenkt hat, der dann ohne Umwege in die Gruppenphase der Europa League führt, wenn der VfB Stuttgart das Pokalfinale verliert.

Den Europapokaleinzug will Veh mit "aller Macht", Bei einer Niederlage am letzten Spieltag gegen den VfL Wolfsburg könnte aber der HSV sogar noch vorbeiziehen - und die Eintracht zum ersten Mal in dieser Saison aus den ersten sechs Plätzen herausfallen.

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