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Jupp Heynckes (r.) startete 1979 seine Trainerkarriere © getty

Die Bayern stimmen sich bei der Meisterfeier auf das Champions-League-Finale ein. Lahm erklärt das leichte Rumpeln gegen Augsburg.

Vom FC Bayern berichtet Mathias Frohnapfel

München - Irgendwann hatten sie ihn. Den gestrengen Fußballlehrer, Chefstrategen und -mahner. "Super Bayern, Super Bayern!", stimmte Jupp Heynckes auf dem Münchner Rathausbalkon an, das ganze Team und die 20.000 im rotweißen Fahnenmeer auf dem Marienplatz jubelten.

Der 68-Jährige tanzte ausgelassen wie ein Zirkusdirektor, der die neuesten Attraktionen ankündigt. Selbst Münchens Oberbürgermeister Christian Ude, bekanntlich bekennender 1860-Anhänger, musste neben ihn schmunzeln.

"Die Mannschaft hat eine historische Leistung gebracht, darauf können wir alle stolz sein", rief Heynckes den Fans zu. ( 717387 DIASHOW: Die Bayern-Meisterfeier )

"Ich kann euch sagen: Wir werden am 25. Mai alles daran setzen, das zu erreichen, wovon wir alle träumen."

Lahm verspricht nächste Großtat

Im dritten Anlauf nach 2010, 2012 soll es endlich mit dem nächsten Champions-League-Titel klappen, auch wenn der Gegner Erzrivale Borussia Dortmund heißt.

"Natürlich sind wir noch nicht am Ende", kündige auch Philipp Lahman. Der Bayern-Kapitän eilte am Samstag von Interview zu Interview, Kampfansagen gegen den BVB hörte man dabei keine einzige.

Die Bayern konzentrieren sich jetzt eben am liebsten auf sich selbst, das dürfte auch beim offiziellen Medien-Tag am Dienstag in der Allianz Arena nicht anders sein.

"Wir können unsere Saison noch krönen, dafür steht aber noch harte Arbeit an", erklärte Lahm.

Durchmarsch stärkt Bayern

Beim Autokorso vorbei an 150.000 euphorisierten Fans hatte Lahm die Meisterschale fest neben sich platziert, für die Münchner ist die Trophäe der sichtbare Beweis ihrer Überlegenheit in der Bundesliga. Lahm findet den Durchmarsch mit bislang noch nie erreichten 88 Punkten "in dieser Souveränität außergewöhnlich".

Beim 3:0-Arbeitssieg gegen Augsburg rumpelte es allerdings mehr als einmal in den Kombinationen, doch anders als beim Konkurrenten BVB, der mit Müh und Not ein 3:3 in Wolfsburg erreichte, siegten die Roten.

"Man hat gesehen, dass der Rhythmus ein wenig gefehlt hat", klagte Lahm über den eigenen Auftritt.

Es war ein Stoßseufzer auf allerhöchstem Niveau.

Rummenigge "ein Stück verliebt"

Schließlich sprengten die Bayern in dieser Saison so viele Bestmarken, dass Karl-Heinz Rummenigge beim prunkvollen Bankett im "Postpalast" scherzte, das Team habe zugleich den Rekord für die meisten gebrochenen Rekorde aufgestellt. (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle).

"Ich gebe zu, ich bin ein Stück verliebt in diese Mannschaft", gestand Bayerns Vorstandsboss den 500 Ehrengästen.

"Wir haben in der ganzen Bundesliga-Geschichte, in 48 Jahren, noch nie eine Mannschaft mit so einem grundsoliden, seriösen und soliden Charakter gehabt."

Der FCB werde jetzt das große Spiel in London "mit Selbstvertrauen, mit großem Willen, aber auch einem Schuss Demut" angehen.

Demut und der FC Bayern: Dieses Wortpaar schien ja lange Zeit so gut zusammen zu passen wie Formel 1 und Tempolimit.

Schock-Niederlage als Wendepunkt

Spätestens nach dem 19. Mai 2012 und dem "Drama dahoam" war das anders. Die Bayern hätten nach dem vergeigten Finale gegen Chelsea wie "begossene Pudel" im "Postpalast" gesessen, meinte Rumenigge.

"Wobei man sagen muss: ein begossener Pudel ist ja noch ein quicklebendiges Viecherl im Vergleich zu unserer Stimmung an diesem Abend."

Andererseits sei genau diese Niederlage der Ausgangspunkt für einen neuen und bisher außerordentlich verlaufenden zweiten Anlauf gewesen.

"Psychologie für beide gleich"

Vor Psychospielen mit Blick auf das Finale fürchten sich die Bayern nicht. "Das ist ein Endspiel, die Psychologie ist für beide gleich", sagte Bayerns Co-Trainer Peter Hermann zu SPORT1.

Und fügte - angesprochen auf die jüngsten beiden Pleiten - kampfeslustig hinzu: ?Ich habe schon drei Endspiele verloren, mit Leverkusen auch, jetzt reicht?s!"

Aus Sicht der europäischen Konkurrenz sind die Münchner eh titelreif. "Die Bayern sind momentan allen anderen zwei Schritte voraus?, befindet Juve-Keeper Gianluigi Buffon in seinem Saison-Fazit.

In Wembley würden die Bayern das nur zu gern beweisen.

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