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Oliver Kahn (r.) beendete 2008 seine aktive Karriere beim FC Bayern © getty

Finalkomplex, Dortmund-Trauma: Experten sehen viele Gründe, warum es für den Meister wieder kein Happy End geben könnte.

Von Martin Hoffmann

München - Eigentlich hatte Jupp Heynckes ja was von "gebremstem Schaum" erzählen wollen.

So richtig gebremst wirkte der Schaum dann aber nicht, der sich bei der Meisterfeier am Samstag aus den übergroßen Humpen über Heynckes, Matthias Sammer und anderen ergoss (717387DIASHOW: Die Bayern-Meisterfeier).

Es musste was raus beim FC Bayern nach zwei titellosen Jahren, im wörtlichen wie im übertragenden Sinne.

Man weiß ja doch nicht, ob Weißbierschaum und Glückshormone wirklich nochmal ungebremst fließen können in zwölf Tagen in Wembley. Oder ob diese vermaledeiten Dortmunder den Bayern nicht doch noch einmal alles verderben.

Wehtun aus bequemer Position

Um 22 Punkte hat der FCB den Erzrivalen abgehängt in der Bundesliga (DATENCENTER: Ergebnisse und Tabelle). Und trotzdem kann er ihm nun noch einmal richtig wehtun - und das auch noch aus ziemlich bequemer Position.

Denn während Dortmund als Europas Überraschungsteam praktisch nichts zu verlieren hat, schleifen die Bayern ein paar Mühlsteine mit ins heiß erwartete Champions-League-Finale.

Den Druck, gewinnen zu müssen, haben nur sie. Niemand weiß das besser als der Mann, der das Wort "Druck" erfunden hat.

Kahn: "Niederlage wäre verheerend"

Die spezielle Final-Konstellation "verschärft den Druck auf die Mannschaft ganz erheblich", glaubt Oliver Kahn:

"Während der BVB nicht so viel zu verlieren hat wie die Bayern, wäre die Häme in Deutschland bei einer möglichen Niederlage der Bayern sicherlich groß", betont der ehemalige Bayern-Keeper in der "tz": "Wenn man das kurzfristig betrachtet, dann könnte eine Niederlage zunächst für das Umfeld und die Spieler eine verheerende Wirkung entfalten."

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Müllers Ängste

Zumal eine Niederlage ja nicht nur wegen des Gegners schlimmer wäre.

Sondern auch, weil es die dritte Finalpleite binnen vier Jahren wäre:

"Thomas Müller hat das anschaulich ausgedrückt, dass er nicht als Spieler in die Geschichte eingehen möchte, der dreimal ein Champions-League-Finale verloren hat."

Hamann sieht Finalkomplex

Ein anderer Ex-Bayer fürchtet, dass seine alten Kollegen den Finalkomplex längst haben.

"Wenn du als Tennisspieler mal Wimbledon gewonnen hast, weißt du auch im nächsten Jahr, dass du diesen Titel mal geholt hast", sagt Dietmar Hamann im Interview mit der "Welt am Sonntag":

"Die Bayern wissen, dass sie den Titel zweimal verspielt haben. Da hast du auch Zweifel."

Wie tief sind die Narben?

Hamann, der 2005 mit dem FC Liverpool als bislang letzter Deutscher die Champions League gewann, fragt sich deshalb "wie tief die Narben wohl sein werden".

Die Bayern träfen nun "auf eine hervorragende Mannschaft, und der Druck ist groß, es endlich mal zu schaffen".

Inter Mailand und Chelsea wären "mit Abstand" nicht so gut gewesen wie jetzt die Dortmunder.

Lehmann: "Eine schwierige Kiste"

Eine ähnliche Warnung kommt bei "Sky" aus dem Mund von Ex-Nationalkeeper Jens Lehmann.

"Sie haben zweimal im Finale verloren und sie wissen, dass Dortmund die unangenehmste Mannschaft für sie ist", glaubt Kahns Rivale von einst: "Barcelona war körperlich nicht in der Lage den Bayern Paroli zu bieten, die Dortmunder sind es, wenn sie nicht sogar überlegen sind."

Die Konsequenz daraus? "Eines der besten Endspiele in den letzten zehn Jahren" für die Fans, für die Bayern allerdings eine "schwierige Kiste".

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