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Franck Ribery (l.) und Philipp Lahm haben zusammen 13 Scorerpunkte gesammelt © imago

Die drei Rückrundenbezwinger des FC Bayern haben das richtige Konzept gegen Ribery und Lahm gefunden. Sport1.de erklärt es.

Von Martin Hoffmann

München - Vier Spiele in der Bundesliga-Rückrunde, drei Niederlagen - der FC Bayern durchlebt die zweite große Krise der aktuellen Bundesliga-Saison.

Die erste war der ebenso verkorkste Start in die Hinrunde. Der war aber im Vergleich zu den jetzigen Schwierigkeiten leicht erklärbar.

Das eine Hauptproblem war die Frische, die den vielen EM-Teilnehmern des FCB noch fehlte.

Das andere war das Fehlen von Franck Ribery. Mit der Rückkehr des Mittelfeldmagiers aus seiner Verletzungspause endete das bayerische Startstottern.

Offensiver Puffer als Gegenmittel

Riberys Comeback war der gallische Zaubertrank, der der Klinsmann-Truppe zu neuen Kräften verhalf und auch die verbliebenen Schwächen wie die chronischen Abwehrmängel des FCB überdeckte.

Doch dieser Zaubertrank verfehlt zurzeit seine Wirkung - und das ist kein Zufall. Der 1. FC Köln war am Samstag der dritte Rückrunden-Gegner, der ein Gegenmittel gegen Ribery und die Brillanz von Bayerns linker Seite im Allgemeinen gefunden hat.

Ähnlich wie Hamburg und Hertha vor ihnen verstopften die Kölner die gefürchtete Außenbahn mit einem offensiven Puffer auf der von ihnen aus rechten Seite.

Indem er Philipp Lahm die Präsenz von Nemanja Vucicevic entgegensetzte, bremste FC-Coach Christoph Daum die offensive Durchschlagskraft des Linksverteidigers aus.

Explosive Bindung gekappt

Damit war die sonst so explosive Bindung zwischen Lahm und Ribery gekappt - und Riberys Gegenspieler Miso Brecko hatte es wesentlich leichter, den Franzosen unter Kontrolle zu halten.

Ganz ähnlich hatte das zum Rückrunden-Auftakt HSV-Coach Martin Jol gelöst. Er schickte Jonathan Pitroipa auf rechts nach vorn, um Lahm in Beschlag zu nehmen - und somit Guy Demel die Bewachung von Ribery zu erleichtern.

Der Kniff des "Super-Hirnli"

Und auch Hertha-Coach Lucien Favre knackte die linke FCB-Flanke mit einem Kniff, der ihm von einer großbuchstabigen Zeitung den Ehrentitel "Super-Hirnli" einbrachte.

Er setzte der bayerischen Schokoladenseite neben Rechtsverteidiger Marc Stein noch Patrick Ebert entgegen.

Der kümmerte sich zwar weniger explizit um Lahm, half Stein aber umso besser gegen Ribery aus. Und wenn der mal in Richtung Zentrum auswich, um der Doppeldeckung zu entfliehen, war auch schon Pal Dardai zur Stelle.

Entzauberter Mythos Bayerns

Die Rückrunden-Bezwinger haben also mit dem Mythos aufgeräumt, dass ein Spieler mit Riberys individueller Klasse taktisch nicht zu zügeln ist - und damit auch wieder den Blick auf die Problemzone des FCB gelenkt.

Die liegt auf der rechten Seite, die nicht einspringen kann, wenn der andere Korridor versperrt ist.

Das zeigte sich vor allem in Berlin - besonders deutlich am offensiv harmlosen und defensiv irrlichternden Verteidiger Christian Lell, der dann auch zur Halbzeit raus musste und in Köln von Massimo Oddo ersetzt wurde.

Aber auch Bastian Schweinsteiger wirft mit seinen Leistungen im Mittelfeld zuletzt oft die Frage auf, warum er noch vor Kurzem von internationalen Topklubs umworben wurde.

Kardinalproblem Links-Rechts-Unwucht

Die Links-Rechts-Unwucht hat Uli Hoeneß längst als Kardinalproblem der Münchner erkannt.

"Dass unsere rechte Seite nicht gleich stark ist wie unsere linke, ist normal, aber im Moment ist die Diskrepanz sehr groß", ärgerte sich der Manager zuletzt. "Es kann nicht sein, dass die Gegner uns nach einer 1a- und 1b-Seite sortieren", klagte er: "Wenn wir so ausrechenbar sind, müssen wir uns etwas einfallen lassen."

Bislang ist das Bayern nicht gelungen - und ein neuer Zaubertrank ist nicht in Sicht.

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