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Ralf Rangnick ist seit Sommer 2006 Trainer von 1899 Hoffenheim © imago

Laut Hoffenheims Coach sind Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien wie bei seinen Profis Ibertsberger und Janker nicht ungewöhnlich.

München - In der Hoffenheimer Doping-Affäre erhebt nun Ralf Rangnick schwere Vorwürfe gegen DFB und DFL.

Laut dem Coach sind Verstöße gegen die Anti-Doping-Richtlinien, wie sie seine beiden Profis Andreas Ibertsberger und Christoph Janker begangen haben, in der Bundesliga an der Tagesordnung.

"Bei uns war es in der Vergangenheit des öfteren so, dass sogar der Dopingbeauftragte gesagt hat, die Spieler können nochmal kurz in die Kabine gehen und sollen sich ein frisches Trikot anziehen", sagte Rangnick im SWR.

"Ich habe jetzt auch mit einigen Trainer-Kollegen gesprochen. Es ist auch in anderen Vereinen so, dass es durchaus die Möglichkeit gibt oder sogar aufgefordert wird, nochmal kurz ein Trikot anzuziehen."

Allofs und DFB widersprechen

Dieser Argumentation widersprach allerdings Klaus Allofs. "In jedem Klub gibt es einen Dopingbeauftragten", erklärte Werder Bremens Sportdirektor.

"Die sind eigentlich dafür verantwortlich, die Spieler unmittelbar nach Spielende zur Dopingkontrolle zu bugsieren. Das ist schon ein Versäumnis, das eigentlich nicht passieren dürfte."

Auch der DFB wehrte sich in einer Stellungnahme gegen Rangnicks Aussagen. "Es steht außer Frage, dass der DFB die Anti-Doping-Richtlinien exakt einhält und umsetzt", sagte der für Rechtsfragen zuständige DFB-Vizepräsident Rainer Koch.

Daher forderte der Verband den Trainer auch auf, seine Aussagen zu konkretisieren. "Sollten bislang nicht bekannte Vorfälle durch die Antwort von Herrn Rangnick bekannt werden, so werden wir dazu sofort sportgerichtliche Ermittlungen einleiten", so Koch.

Stellungnahme von Ibertsberger und Janker angefordert

Zudem wurden Ibertsberger und Janker vom Kontrollausschuss-Vorsitzenden Anton Nachreiner ebenfalls zu einer schriftlichen Stellungnahme aufgefordert.

Beide hatten bei den unangemeldeten Doping-Kontrollen nach dem Bundesliga-Spiel am 7. Februar 2009 bei Borussia Mönchengladbach (1:1) gegen die Richtlinien verstoßen, weil sie mit zehnminütiger Verspätung zur Kontrolle erschienen waren.

Die Vorschriften besagen, dass sich die Spieler unmittelbar nach dem Abpfiff direkt vom Spielfeld in den Dopingkontroll-Raum begeben müssen. (Doping-Wirbel in Hoffenheim)

Keine Mannschaftssitzung

Die Verantwortlichen der Hoffenheimer widersprechen ihrerseits der bisherigen Darstellung, wonach eine Teamsitzung der Grund für die Verspätung von Ibertsberger und Janker war.

"Es gab keine Mannschaftzssitzung", sagte Manager Jan Schindelmeiser dem "kicker". Laut Schindelmeiser habe Rangnick nach dem Spiel "zwei, drei Sätze zur Mannschaft gesagt. Wer dabei alles anwesend war, muss noch recherchiert werden".

Schindelmeiser will außerdem überprüfen, ob die Verspätung der beiden Profis tatsächlich zehn Minuten betragen habe und ob ein Missverständnis zwischen dem Kontrolleur und dem Hoffenheimer Mannschaftsarzt zu der prekären Lage geführt habe.

Ibertsberger und Janker droht eine Mindeststrafe von einem Jahr, zu der in einem ähnlichen Fall ein italienischer Zweitliga-Profi verurteilt worden war.

Die verspätete Kontrolle hatte bei beiden ein negatives Ergebnis. Theoretisch hätten in den zehn Minuten Verspätung aber Maßnahmen ergriffen werden können, um die Dopingprobe zu manipulieren.

Einspruch von Mönchengladbach

Außerdem ist ein Punktabzug für Hoffenheim möglich, da die Mönchengladbacher am Sonntagabend Einspruch gegen die Wertung des Spiels eingelegt haben. (Gladbach legt Protest ein)

"Uns ist wichtig zu erklären, dass wir in keiner Weise den Klub 1899 Hoffenheim oder die beiden Spieler angreifen oder beklagen", meinte Borussen-Sportdirektor Max Eberl im DSF.

"Wir haben am Samstag vor dem Spiel erfahren, dass der DFB ermittelt. Und man wies uns auf eine Frist hin, an die wir uns halten müssen."

Die Rechtslage sei in dem Fall so verschwommen, dass es den Gladbachern lediglich darum gegangen sei, durch den fristgerechten Einspruch Zeit zu gewinnen. "Nicht mehr und nicht weniger haben wir getan", meinte Eberl. "Wir sind nur ein Anhängsel der ganzen Sache."

Eberl: "Bewegen uns in einer Grauzone"

Ein Einspruch ist gemäß Paragraf 17, Nr. 5 a, der DFB-Rechts- und Verfahrensordnung möglich, "wenn in einem Spiel ein gedopter Spieler mitgewirkt oder sich ein Spieler schuldhaft geweigert hat, sich einer Doping-Kontrolle zu unterziehen".

"Was passiert, wenn Spieler nicht rechtzeitig zur Dopingkontrolle erscheint, ist aber nirgendwo geregelt", sagte Eberl.

"Da bewegen wir uns in einer Grauzone. Als Angestellte von Borussia Mönchengladbach müssen wir natürlich die Interessen des Klubs wahren. Deshalb haben wir den Schritt getan. Wir haben nur reagiert. Das hätte jeder andere Klub auch getan. Auf die zwei Punkte sind wir gar nicht aus."

In der Liga stieß der Protest des Tabellenletzten allerdings auf harsche Kritik. "Das ist ein Unding", sagte Sportdirektor Rudi Völler von Bayer Leverkusen.

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