In seiner Kolumne für Sport1.de kommentiert Ex-Nationaltorhüter Toni Schumacher das aktuelle Geschehen in der Bundesliga.

Die Liga lacht - und ist so närrisch-lustig wie der Karneval. Der 21. Spieltag war so heiter wie eine Büttenrede!

Fußball, Alaaf und Helau.

Der größte Kalauer des Wochenendes: Die Pleite des FC Bayern gegen die zukünftige "Prinzengarde" aus Köln.

Verdient verloren und ALLES falsch gemacht.

Niederlage Nr. 3 in der Rückrunde, 4 Punkte hinter Tabellenführer HSV - die Mannschaft mit dem von mir noch zuletzt testierten Sieger-Gen hat sich nicht nur gegen den FC aus Dom-City kostümiert...

Eine ganz "dicke Kamelle": Lukas Podolski wird von der Tribüne direkt in die Startelf befördert oder besser von den Machern Hoeneß und Rummenigge in die Aufstellung befohlen. Und wurde dann beim Stand von 0:2 in der Halbzeit ausgewechselt...

Eine Narren-Rakete!

Podolski war sicher nicht gut - aber wer war das denn bei den Bayern überhaupt?

Also: Wenn ich mich WIRKLICH als Trainer für Poldi entscheide, dann spielt er ausgerechnet gegen Köln auch durch!

Mit der Herausnahme Prinz Poldis und der Einwechslung von Donovan - der in ein paar Wochen zurück in die USA geht, weil ihn das Management als nicht gut genug beurteilt - watsche ich einen Spieler ab, der mir bis zum Sommer noch helfen soll.

Logisch ist anders.

Der FC Bayern ist für mich in dieser Hinsicht das Spiegelbild der halben Liga:

Der intern betriebene Aufwand steht in keiner Relation zum Ergebnis, auch wenn die Konkurrenz nicht davon gezogen ist, auch wenn ich immer noch der Meinung bin und bleibe, dass die Münchner ganz am Ende doch noch die Schale klauen.

Klinsmann durfte alles ändern, entscheiden, anpacken. Spieler-Lounge, Relax-Zonen, Kaffee-Bar, Trainingslager in Dubai, Dolmetscher. Der FC Bayern als globales Fußball-Unternehmen modernster Prägung.

Das Zwischenzeugnis: Null Souveränität. Null Autorität nach der Winterpause. Die drei Pleiten haben den anderen Klub den Beweis geliefert: Der Titelverteidiger ist schlagbar.

Die Konsequenz für die Liga: Meister kann jetzt jeder werden. Vom HSV bis zum VfL Wolfsburg. 6 Punkte Differenz - ein Klacks.

Diese Erkenntnis muss an der Säbener Strasse wirklich schmerzen. Man kann darüber schmunzeln, dass weder Hoffenheim, noch der HSV, noch die Hertha sich absetzen konnten.

Doch wer derart viel Geld und Kompetenz in die eindeutige Marktführerschaft in Deutschland investiert und von der Champions League träumt, darf nicht so angreifbar und wackelig sein.

Die Schwäche der anderen darf nicht als Stärke des eigenen Systems ausgelegt werden.

Wenn der HSV (nächste Woche gegen Wolfsburg...) jetzt mal Konstanz zeigt und die Hertha sich nicht umwerfen lässt (nächste Woche gegen Gladbach), dann haben die Bayern vielleicht schon bald ein ERNSTES Problem.

Schwierigkeiten habe ich mit dem "Doping-Fall" Hoffenheim. Mal ganz ehrlich: Diese Diskussion ist absurd. Die Spieler waren "sauber", also NICHT gedopt, sondern nur zu spät zur Kontrolle.

Wer jetzt Punkteabzug und Sperre fordert, sollte eine Narrenkappe aufziehen. Hier geht es nur um Protokoll-Verfehlung, nicht um Betrug. Bitte cool bleiben und durchatmen.

Das sollte mein spezieller Freund Jens Lehmann auch mal tun...

Die Schuh-Wegwerf-Aktion gegen Salihovic - unsportlicher Blödsinn. Eigentlich müsste Jens Lehmann in Deutschland eine ganz große Nummer im Fußball sein, mit der Perspektive, bei einem Top-Klub einen Top-Job in naher Zukunft zu übernehmen.

Er ist intelligent, gut aussehend, hat eine vorzeigenswerte Autogrammkarte mit Titeln darauf. Aber seine Ausraster und seine Distanz zu den Fans machen ihn als Gallionsfigur leider untauglich.

Ich weiß, was es heißt, emotional mal durchzuknallen, aber man darf dabei trotzdem nicht den Boden unter den Füßen verlieren. Zu schade für solch einen Sportler.

Überhaupt bleibt mein Eindruck von Tag 21 der Liga: Riesiger Aufwand, riesige Beobachtung der Medien, aber leider nur ein "Produkt" mit ganz, ganz vielen Abstrichen. Das Ergebnis liefert die Argumente dann im Nachhinein.

So wie beim 1:1 bei dem DERBY, Schalke gegen Dortmund. Mann, was wurde da unter der Woche Theater gemacht, wie viele Menschen rackern für solch ein Event. Vom Polizisten über den Würstchenverkäufer bis zum Ordner.

Alle waren elektrisiert von dem vermeintlichen Mega-Knaller. Es war ein guter Fight. Nicht mehr. Schalke war besser. Dortmund hat 10 Minuten mitgespielt und ein Tor erzielt, fast sogar noch Nummer 2. Das wäre zuviel des Guten gewesen.

Wenn dann aber dieser Kampf-Kick als Taktik-Erfolg zurecht geredet wird, dann "schunkel" ich mir einen...

Alaaf, bis nächste Woche.

Euer Toni Schumacher

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