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Jürgen Klinsmann gewann 1996 als Spieler mit dem FC Bayern den UEFA-Cup © imago

Drei Pleiten in vier Spielen: Der Druck auf Jürgen Klinsmann nimmt zu. Die Vereinsbosse halten sich nach der Blamage gegen Köln zurück.

Über den FC Bayern berichtet Daniel Rathjen

München - Noch geben sich die Bosse demonstrativ gelassen nach dem schlechtesten Rückrundenstart seit 15 Jahren.

Vorstandschef Karl-Heinz Rummenigge und Manager Uli Hoeneß geben niemandem die Schuld.

Doch der FC Bayern steckt in der Krise - und sie wissen das.

Vor dem Achtelfinal-Hinspiel in der Champions League bei Sporting Lissabon (Mi., ab 20.15 Uhr LIVE) zeichnet sich ab: Intern rumort es gewaltig.

Klinsmann hat keine Angst

Druck hat beim Rekordmeister jeder Coach. Aktuell steigt er jedoch rasant. Wie schon so oft an Säbener Straße geschehen: In der Ruhe liegt die Gefahr.

Nicht nur der zweifache Double-Sieger Felix Magath, der im Januar 2007 überraschend gefeuert wurde, kann ein Lied davon singen.

"Ich habe keine Angst um meine Position", sagt Klinsmann selbst. Und zumindest laut offizieller Sprachregelung muss er sich auch nicht fürchten.

"Hoeneß: Das ist nicht okay"

"Wir werden nicht hektisch werden. Wir werden nicht eingreifen", sagt Rummenigge, während Hoeneß vor "Schuldzuweisungen" warnt.

Allerdings fordert Rummenigge auch ultimativ: "Jetzt müssen wir schnell die Kurve kriegen. Und damit müssen wir in Lissabon beginnen."

Nach der 1:2-Blamage gegen den 1. FC Köln (zum Nachbericht: Die neue Münchner Big-Point-Schwäche) schrillen die Alarmglocken.

War Bayern beim HSV (0:1) und in Berlin (1:2) noch spielerisch die bessere Mannschaft, waren die Münchner gegen den Aufsteiger deutlich schlechter. Hoeneß dazu: "Das ist nicht okay."

Sporting, das folgende Ligaspiel beim ebenfalls kriselnden Nordrivalen Werder Bremen und schließlich die schwere Pokal-Aufgabe in Leverkusen könnten für Klinsmann Schicksal spielen.

Tabellen-16. der Rückrunde

Die Zahlen sprechen schon jetzt eine deutliche Sprache: In den vergangenen elf Ligaheimspielen hat der FC Bayern mindestens ein Gegentor kassiert - das gab es noch nie.

Als einziger Bundesligist hielt der FC Bayern zu Hause nie die Null, sechsmal lief er zuletzt einem 0:1 hinterher - Negativrekord.

In der Rückrundentabelle (zur Tabelle) liegen die Münchner auf Rang 16, ein ähnlich schwacher Start kostete Coach Erich Ribbeck 1993/94 den Job.

Klinsmann wollte "jeden Spieler jeden Tag ein wenig besser machen", doch unter ihm wurde aus der besten Abwehr der Liga eine Schießbude mit 30 Gegentoren nach 21 Spielen.

Mehr mussten die Bayern zuletzt in der Horror-Saison 1991/92 hinnehmen. Damals flogen mit Jupp Heynckes und Sören Lerby zwei Trainer, am Ende wurde der FCB gerade mal Zehnter.

Poldi und Schweini gehen unter

Im Verein gilt der Trainer noch als unantastbar. Aber langsam bekommen Klinsmann und Co. Probleme.

Von Systemfußball war am Samstag keine Spur zu erkennen, in der Abwehr herrschte Chaos, Landon Donovan ging genauso unter wie Lukas Podolski oder Bastian Schweinsteiger.

"Wir sehen das nicht mehr gelassen", sagt Hoeneß. Die fußballerisch konservativen Vorstellungen des Managers und auch die des einstigen Klinsmann-Fürsprechers Rummenigge stehen denen ihres Trainers immer deutlicher entgegen.

Klose warnt vor zu großem Offensiv-Fußball

Die Profis stören sich an der zu offensiven Ausrichtung, an Klinsmanns Forderung nach "schnellem, vertikalem Spiel" nach vorne, dem allzu oft die Absicherung nach hinten fehlt.

"Mit unserer Offensive machen wir immer Tore. Aber die Spiele werden hinten gewonnen. Wir müssen besser umschalten, vor allem bei Ballverlust", sagte Nationalstürmer Miroslav Klose im "kicker".

Es müsse ja nicht immer schon nach 20 Minuten 2:0 stehen, fügte er an. "Jeder muss sich mehr einbringen", mahnte Klose.

Wochen der Wahrheit

Der Trainer fordert von seinem Team, sich nicht selbst zu zerfleischen: "Jetzt müssen wir zeigen, dass wir als Gemeinschaft zusammenhalten."

Die Frage, ob er sich Sorgen um seinen Job mache, verneint Klinsmann: "Ich versuche jeden Tag mein Bestes zu geben. Und die Mannschaft weiß das auch. Wir arbeiten sehr intensiv miteinander, und wenn dann so eine Negativ-Serie kommt, dann gehen wir auch absolut hart mit uns ins Gericht."

Die nächsten Wochen dürften Klarheit bringen, ob Klinsmanns Projekt beim FC Bayern eine Zukunft hat. Sieben Spiele stehen an in nur 21 Tagen - das wichtigste zum Auftakt in Lissabon.

Auf der Königsklasse liegt das Hauptaugenmerk, ein Ausscheiden würde alle Verantwortlichen bis ins Mark treffen.

"Wir sind auf einem guten Weg", ist sich Klinsmann weiter sicher - aber auch er weiß, was für ihn und das Team gilt: "Wir müssen uns jetzt sputen..."

Original Trikot des FCB mit Unterschriften gibt es hier

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