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Laut Klaus Allofs (r.) hat Thomas Schaaf "weiterhin Zugang zu den Spielern" © getty

Bremens Sportdirektor Klaus Allofs unterstellt einigen Werder-Profis Charakterschwäche und zweifelt an der Klasse des Personals.

Von Martin van de Flierdt

München/Bremen - In jedem der vergangenen fünf Jahre hätte man sich in Bremen auf die nächsten Partien gefreut:

Am Donnerstag im UEFA-Pokal beim AC Mailand, dann warten in der Liga die drei Knaller gegen Bayern München, in Hoffenheim und gegen Stuttgart.

Dazwischen reisen die Bremer zum DFB-Pokal-Viertelfinale zum VfL Wolfsburg - eine Herausforderung jagt die nächste.

Doch in diesem Jahr ist etwas wesentlich anders an der Weser: Es regiert die Angst, diesen Herausforderungen nicht gewachsen zu sein.

Blick geht nach unten

Statt zu schauen, was nach oben noch möglich ist, beschäftigen sich die Bremer bei neun Punkten Vorsprung auf den Relegationsplatz damit, wie weit sie im ungünstigsten Fall abrutschen könnten.(Ergebnisse und Tabelle)

"Man kann ganz schnell da unten reinrutschen", weiß Sportdirektor Klaus Allofs.

"Sonst kann es irgendwann zu spät sein"

Auch Torsten Frings schlägt Alarm. "Wir sind verunsichert", gibt der Nationalspieler zu. "Wir schaffen es nicht, das Glück zu erzwingen. Das steckt in den Köpfen fest, aber das muss da raus. Sonst kann es irgendwann zu spät sein."

Daher fordert er von seinen Mannschaftskollegen, endlich aufzuwachen: "Einige von uns unterschätzen, wie gefährlich das für uns werden kann. Das kann ganz schnell gehen."

Dieses Laissez-faire, das auch bei der 1:2-Niederlage in Cottbus (NACHBERICHT: Bremens Blick geht nach unten) zutage trat, macht auch Sportdirektor Klaus Allofs sorgen.

"Uns gelingen zwar derzeit Dinge nicht, die uns früher im Schlaf gelungen sind. Aber gerade wenn man den Kopf soeben noch aus dem Wasser streckt, muss man die richtigen Mittel finden, um nicht zu ertrinken", meint Allofs.

Schmerzhafte Niederlage

Das sei allerdings nur bei Gegner Energie zu erkennen gewesen, deshalb habe die Niederlage "richtig weh getan". Beim Blick auf das eigene Personal dämmert Allofs vielmehr, womöglich auf einige falsche Pferde gesetzt zu haben.

"Wir lassen viele Dinge vermissen, die man für den Erfolg braucht", hat er erkannt.

"In den vergangenen fünf Jahren konnten wir die Bereitschaft aller hochhalten, sich ein- oder unterzuordnen. Im Moment gibt es da bei einigen Spielern Nachholbedarf."

Ein Wink mit einem Telegrafenmasten in Richtung Claudio Pizarro. Der Peruaner hatte Ende der vergangenen Woche seinen Bruder Diego besucht, der in der U19 von Bayern München spielt.

"Bin von Pizarro enttäuscht"

Weil sich der Rückflug nach Bremen verspätet hatte, verpasste der Torjäger das Bremer Abschlusstraining und wurde von Trainer Thomas Schaaf folgerichtig aus dem Kader für das Cottbus-Spiel gestrichen.

Eine herbe Schwächung für Werders zuletzt ohnehin arg gescholtene Offensive.

"Von Claudio bin ich besonders enttäuscht", gibt Allofs zu. "Wir haben ihn nicht nur wegen seiner sportlichen Qualitäten verpflichtet. Er soll auch Führungsspieler und Vorbild sein."

Der Manager kommt zu dem ernüchterten Schluss, dass einige Spieler "sich im Laufe der Zeit verändert haben".

Dass das kaum zum Positiven geschehen ist, steht zwischen den Zeilen. Über Pizarros bislang angestrebtes Verbleiben an der Weser wird nun jedenfalls neu nachgedacht. "Erst die Geschichte mit der Drei-Spiele-Sperre, jetzt das", meint Allofs vielsagend. "Viel darf da nicht mehr passieren."

Umbruch kommt, aber kein Kahlschlag

Dazu räumt er ein, dass die sportliche Entwicklung einiger Akteure nicht den Bremer Ansprüchen genügt. "Es kann sein, dass wir einige Spieler haben, mit denen man nicht um Platz eins bis vier spielen kann." Das impliziert einen größeren personellen Umbruch im Sommer.

Dieses Vorhaben streitet der Sportdirektor auch nicht mehr ab: "Wir werden keinen Kahlschlag machen, aber doch sinnvolle Veränderungen vornehmen."

Dass Trainer Schaaf von diesen Umwälzungen nicht betroffen sein wird, ist sicher.

"Er gibt nicht auf, er ist ein Kämpfer", sagt Frings. Von dieser Sorte bräuchte Werder derzeit ein paar mehr.

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