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Christoph Janker und seinem Teamkollegen Andreas Ibertsberger droht eine lange Sperre © imago

Nach Ansicht von Experten muss die Verspätung zur Dopingprobe zwangsläufig eine Sperre von mindestens einem Jahr nach sich ziehen.

Von Martin Volkmar

München - In der Doping-Affäre droht den Hoffenheimer "Sündern" Andreas Ibertsberger und Christoph Janker eine harte Strafe.

Denn Sportmediziner, Juristen und Funktionäre sind bei der Beurteilung nahezu einer Meinung:

Die Verspätung zur Dopingprobe nach dem Bundesligaspiel gegen Gladbach muss zwangsläufig eine Sperre von mindestens einem Jahr nach sich ziehen.

"Die Standard-Sanktion für einen Doping-Verstoß sind zwei Jahre. Diese Sperre kann ermäßigt werden. Aber weniger als ein Jahr geht nicht", sagte Dirk-Reiner Martens, Richter am Obersten Sport-Gerichtshof (CAS) in Lausanne, der "Welt".

Und dass es sich bei der verspäteten Abgabe der Urinprobe um ein Dopingvergehen der beiden Profis handelt, ist nach Ansicht von NADA-Chef Armin Baumert völlig unstrittig.

"Ganz klar ein Dopingfall"

"Es ist egal, ob die Lücke eine oder zehn Minuten ist - das hier ist ein Dopingfall, ganz klar! Da kann es null Toleranz geben, das unangemessene Verhalten der Spieler ist zu sanktionieren, denn sie haben die Regeln gebrochen", erklärte der Vorsitzende der deutschen Anti-Doping-Agentur.

Und weiter sagte er der "Süddeutschen Zeitung": "Wie bei dem vergleichbaren Fall in Italien halte ich auch hier ein Jahr Sperre für möglich."

Dort hatten die Zweitliga-Profis Daniele Mannini und Davide Possanzini wegen mehr als 30 Minuten Verspätung bei der Dopingprobe die einjährige Mindeststrafe erhalten.

Die Aussagen von Baumert und Martens zeigen deutlich: Sollte der DFB eine geringere Strafe aussprechen, würde die NADA wohl dagegen klagen und fast sicher vor dem CAS Recht bekommen.

"Nicht signifikantes Verschulden" unwahrscheinlich

Auch ein Passus im maßgeblichen Code der Welt-Anti-Doping-Agentur WADA dürfte Ibertsberger und Janker daher kaum helfen. Demnach könnten beide ohne Sperre davonkommen, wenn ihnen ein "nicht signifikantes Verschulden" zugestanden wird.

"Sollten die Spieler beweisen können, dass sie nicht wussten, dass sie unmittelbar nach Spielschluss zur Dopingkontrolle müssen, könnte man zu dem theoretischen Ergebnis kommen, keine Strafe zu verhängen", meinte der Frankfurter Rechtsanwalt Nicolas Roessler.

"Dass das in dem Fall so sein wird, bezweifele ich allerdings, da Doping-Sanktionen auch abschreckende Wirkung zukommen soll."

Keine Hintertür wie bei Eishockey-Spieler Busch

Auch eine Hintertür wie dem Deutschen Eishockey-Bund beim Fall Busch bleibt dem DFB nicht.

Eishockey-Nationalspieler Florian Busch war trotz einer im März 2008 erst verweigerten und später nachgeholten Kontrolle nicht gesperrt worden.

Zum einen, weil er die Athletenvereinbarung nicht unterschrieben hatte. Zum anderen, weil der DEB zum Zeitpunkt des Vergehens nicht den NADA-Code in seine Statuten aufgenommen hatte.

Beides trifft bei Ibertsberger und Janker nicht zu. Die FIFA hatte auf ihrem Kongress in Sydney 2008 bei nur einer Gegenstimme den WADA-Code zum 1. Januar 2009 ratifiziert, damit also auch der DFB.

Athletenvereinbarung vor der Saison unterschrieben

Und alle Bundesliga-Profis waren schon vor Saisonbeginn auf die Anti-Doping-Bestimmungen hingewiesen worden. Auch Ibertsberger und Janker hatten - im Gegensatz zu Florian Busch - eine entsprechende Athletenvereinbarung unterschrieben.

"Wenn jetzt einer sagt, er habe das alles nicht gewusst, dann hat er ein sehr schlechtes Erinnerungsvermögen", meinte daher der Doping-Experte Werner Franke in der "tz".

"Eigentlich finde ich eine Sperre von einem Jahr überzogen. Aber auf der anderen Seite muss ich sagen: Wenn die Fußballer nicht hören wollen, dann müssen sie eben fühlen."

So sieht es auch Nada-Chef Baumert: "Auch Fußballprofis müssen lernen, dass sie wie Basketballspieler und alle anderen ganz klare Regeln einzuhalten haben."

Bundesliga-Problem: Kein Aufpasser am Spielfeldrand

Diskussionswürdig bleibt allerdings das Prozedere in der Bundesliga. Der DFB widersprach zwar dem Vorwurf von Hoffenheims Trainer Ralf Rangnick, der zu laxe Kontrollen moniert hatte. (Rangnick: Doping-Vesrtöße an der Tagesordnung)

Doch im Gegensatz zu internationalen Spielen sorgt kein Aufpasser ("Chaperon") am Spielfeldrand dafür, dass die ausgelosten Spieler direkt zur Dopingprobe eskortiert werden.

"Es hätte jedem von uns passieren können, nun hat es Hoffenheim erwischt", sagte ein ungenannter Bundesliga-Trainer der "SZ".

Offiziell will das jedoch keiner bestätigen. "Uns sind die Regeln bekannt und wir achten penibel darauf, dass sie eingehalten werden", meinte Schalkes Geschäftsführer Peter Peters.

Stattdessen wurden die Verantwortlichen von Borussia Mönchengladbach von einigen Managern hart kritisiert, weil sie Einspruch gegen die Wertung der Partie gegen Hoffenheim (1:1) eingelegt haben. (Gladbach legt Protest ein)

Rückendeckung für Gladbach von VfB-Sportdirektor Heldt

Immerhin erklärte der erste Manager aus der Liga seine Unterstützung für dieses Vorgehen.

"Ich finde es anmaßend und nicht richtig, Gladbach zu verurteilen, dass sie Protest eingelegt haben", sagte Stuttgarts Sportdirektor Horst Heldt.

"Es ist ein Präzedenzfall, und da hat Gladbach die Verpflichtung aus juristischen Gründen, so zu handeln."

Der VfB, gegen den Ibertsberger und Janker am Samstag beim 3:3 ebenfalls zum Einsatz kamen, verzichtet allerdings auf einen Einspruch.

Dennoch muss der DFB schnell ein Urteil sprechen, ansonsten könnten andere Teams dem Gladbacher Vorgehen bei weiteren Einsätzen von Ibertsberger und Janker folgen.

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